Indoor-Open-Air im Kulturzentrum Glöckelchen

Schwätzt, wie´s „Maul gewachse is“

Sangen begeistert mit: die rund 70 Besucher des Open-Airs unterm Glöckelchendach.

Groß-Zimmern - Unter dem Motto „Uff gut deitsch“ hatte der Glöckelchenverein für Sonntag zum Open-Air-Konzert eingeladen, das bei Starkregen jedoch in den Saal des Kulturzentrums verlegt wurde. Von Ursula Friedrich 

Schon Sokrates und Platon zerbrachen sich im alten Griechenland ihre weisen Köpfe über den Sinn des Lebens. Die Eppertshäuser Formation Saytensprung hat ihn gefunden. Mitten in Zimmern, beim Konzert im Kulturzentrum Glöckelchen. „Bier, Weib und Gesang – ein Leben lang“, beschworen die sechs Musiker des „Pudels Kern“, den wahren Sinn, um in diesem Kontext auch Altmeister Johann Wolfgang von Goethe zu zitieren. Zentrum unseres Daseins sollte die Lebensfreude sein, und Dinge, die sie würzen. Frei nach diesem Motto feierten rund 70 Besucher die Sonntagsveranstaltung des Glöckelchenvereins.

Der hatte ein kurzweiliges Paket aus Kulturgenuss und kulinarischen Sinnesfreuden geschnürt. Freigesetzt werden sollte der kulturelle und lukullische Genuss unter freiem Himmel, folglich war die muntere Veranstaltung als Open Air angekündigt. Aber Petrus sah es anders, bedachte die Gersprenzgemeinde just zum Auftakt mit einem kräftigen Schauer ein und stellte die Flexibilität der Veranstalter vor eine große Herausforderung. Blitzschnell wurden Bühnentechnik, Imbisausgabe, Speisen, Getränke und Mobiliar in nur zwanzig Minuten ins Glöckelchen verfrachtet, wo das Open-Air zur Saalveranstaltung wurde.

Der Stimmung tat dies keinen Abbruch. Mit Saytensprung ging es musikalisch von Irland bis an die Gersprenz. Und nachdem das Publikum „wachgeküsst“ war und gemeinsam mit den Musikern „Trink, trink, Brüderlein trink!“ schmetterte, übernahm der Guggugg alias Jürgen Poth das Mikrophon. Der „Importschlager“ aus Spachbrücken ist in Zimmern inzwischen bekannter als ein bunter Hund. Und das nicht etwas, weil der Guggugg einen Kleingarten bei Groß-Zimmern besitzt und durch die Verbindung mit Ehefrau Angelika sogar eingeheiratet hat. Als frenetischer Kultivierer der hessischen Mundart in Vers und Gesang fällt seine Passion in Zimmern quasi auf „goldenen Boden“.

„Es is kaa zimmnerisch, aber mer versteht ihn“, sagte Kerbikone Thomas Beutel gnädig, der mit des Gugguggs Philospophie „bei uns dehoam, do schwätzt mer wie´s Maul ge- woachse is!“ auf einer Linie liegt. Nun wurde gesungen.

Vom „Äbbelwoi, dem Göddertrobbe, de Hilde ehrm Rollator, Brieh un Bohne“ und anderen elementaren Dingen des Lebens. Im Nu gab es für das singende Publikum eine Kurzeinweisung in das Verfassen hessischen Liedguts. „Du brauchst ein Thema, Ebbelwoi, Handkäs oder so, sechs Strophen und in der letzten muss immer einer sterben.“ In der Pause hatten alle Sänger die Chance, am Büfett des DRK-Ortsvereins zu neuen Kräften zu kommen. Das kulinarisch erprobte Rote Kreuz unterstützte die Veranstaltung ebenso wie die Kerbborschte, die schon beim Abbau mit angepackt hatten. Auch, wenn das Open-Air sprichwörtlich ins Wasser fiel, will der Glöckelchenverein nicht aufgeben. Nicht nur das Wetter legte die ursprüngliche Veranstaltungsidee lahm. Viren hatten dem Vereinsvorsitzenden die Stimmbänder lädiert, so kränkelnd zog Bürgermeister Achim Grimm wieder von dannen, „aber ein Open-Air veranstalten wir auch weiterhin alle zwei Jahre. Im September berät unser Vorstand über das neue Kulturprogramm für 2017.“ Dass man dabei keineswegs nur an die Lokalität des Kulturzentrums gebunden ist, bekräftigte Werner Parsczinski, stellvertretender Vorsitzender des Glöckelchenvereins. Die Pflege von Kultur, Kunst und Heimatgeschichte könne auch unterm freien Himmel in der Grünen Mitte oder der Kolpinganlage betrieben werden. Zukünftig hoffentlich mit etwas mehr Wetterglück und ganz im Sinne des Heimatbarden aus Spachbrücken: „Lache, singe, glücklich seu.“

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