Fawzi Kalandar und Roushin Haidar fühlen sich in Groß-Zimmern wohl

Sehr gute Deutschkenntnisse nach nur einem Jahr

+
Können den LA gut lesen: Roushin Haidar feiert morgen ihren 32. Geburtstag. Mit Ehemann Fawzi Kalandar lebt sie seit einem Jahr in Zimmern. Im Juni erwarten die beiden ihr erstes Kind.

Groß-Zimmern - Der Zuzug von Flüchtlingen beschäftigt auch in der Gersprenzgemeinde viele. Im Ort kennt man sich und zeigt Interesse füreinander. Von Gudrun Fritsch

Wie geht es den Zugereisten hier und welche Fortschritte machen sie beim Erlernen der Deutschen Sprache, die ja bekanntlich ein wesentlicher Schlüssel für die Integration ist? Wir haben mit einem jungen Paar aus Syrien gesprochen. Fawzi Kalandar ist vor zwei Jahren auf dem schwierigen Weg durch die Türkei nach Griechenland und über Italien nach Gießen gekommen, wo er Asyl beantragte und anschließend nach Groß-Zimmern überwiesen wurde.

„Auf der Insel Samos waren wir sogar fünf Tage in Haft“, berichtet der 34-Jährige von der harten Reise, die sechs Monate dauerte. Nach seiner Ankunft begann er zwar sofort Deutsch zu lernen, aber einen Kurs konnte er erst nach der Anerkennung seines Asylantrags besuchen. Dabei hatte er Glück, denn sein Antrag wurde zügig bearbeitet. „Ich habe im Zuge der Familienzusammenführung sofort beantragt, meine Frau herzuholen“, sagt er in mittlerweile beinahe perfektem Deutsch mit minimalem Aktzent. Auch Roushin Haidar versteht fast alles und spricht schon sehr gut, obwohl sie erst ein Jahr in Deutschland ist. „Ich bin froh hier zu sein. Wir haben vor drei Jahren geheiratet“, sagt die 32-Jährige und zeigt auf ihr rundes Bäuchlein. „Der Name Roushin bedeutet Sonnenschein und das ist sie für mich. Sie ist im dritten Monat schwanger“, berichtet der Ehemann stolz.

Aufgewachsen sind beide in Afrin, einer 500 .000-Einwohner-Stadt in der Nähe von Aleppo. Sie hat nach dem Abitur eine zweijährige Ausbildung als Sportlehrerin für die Grundschule gemacht, er hat nach der Ausbildung zum Baurechner an der Technischen Hochschule studiert. „Ich hätte noch ein Semester gebraucht.“ Beide haben in Aleppo gelebt und gearbeitet. „Wir hatten eine zweite Wohnung in Afrin“, erzählt Haidar. Doch die Häuser seien jetzt alle zerstört. Von den großen Familien leben nur noch seine Eltern dort. „Sie sind alt und wollen nicht weg“, sagt Kalandar sehr traurig darüber, dass er sie nicht sehen kann. Der Kontakt zu den Angehörigen (ein Bruder lebt in Kanada, eine Schwester in Nieder-Ramstadt) sowie zu ihren Eltern und Geschwistern in Hamburg wird hauptsächlich per Internet und telefonisch gehalten.

Die beiden sind Kurden, haben ihre Muttersprache aber nur mündlich gelernt. „Es ist dort verboten, Kurdisch zu sprechen, und in der Schule wird nur Arabisch unterrichtet“, sagt Fawzi. Den Muslimischen Glauben lebt das junge Paar zwar, aber „wir gehen nicht in die Moschee und ich finde, im Namen der Religion wurde sehr viel Unrecht getan“, so Kalandar.

Das junge Paar ist sehr bemüht Deutsch zu lernen. Er spricht inzwischen so gut, dass man kaum glauben kann, dass er erst zwei Jahre hier ist. „Ich habe Intensivkurse in Darmastadt belegt und gehe weiterhin jeden Vormittag dort zur Schule“, erklärt er bescheiden. Sie versteht zwar nicht ganz so gut, spricht aber für die recht kurze Zeit ebenfalls hervorragend Deutsch. „Vor der Schwangerschaft habe ich hier im Verein Volleyball gespielt. Wir werden mit unserem Kind zwar auch Kurdisch reden, aber es soll gleich gut Deutsch lernen“, sind sie sich einig. Denn sie wollen hier bleiben, am liebsten in Groß-Zimmern. „Wir wurden hier sofort sehr gut aufgenommen und haben immer viel Hilfe und Unterstützung erhalten“, sagt Kalandar und ergänzt: „Unser ganz besonderer Engel ist Ulrike Schultheis.“ Haidar war auch schon bei den Eltern in Hamburg zu Besuch. „Mir gefällt es hier viel besser“, sagt sie. „Die Menschen grüßen und sind sehr freundlich.“ Die Busfahrten finden sie etwas langwierig. „Ich hätte einen Job haben können, aber leider wird mein Führerschein nicht anerkannt. Jetzt spare ich, um ihn hier neu zu machen“, sagt der Kurde. Auch in der Schule und bei der Arbeitsberatung fühlen sie sich sehr gut beraten. Nach dem Unterricht helfen beide fast täglich als Übersetzer aus. „Heute war ich mit Leuten im Krankenhaus und Roushin war mit einer Frau beim Gynäkologen. Meistens kommen wir erst abends nach Hause. Viel Freizeit bleibt dann nicht. Dennoch sind die beiden zufrieden und optimistisch. Sie haben eine eigene Wohung, erwarten im Juni ihr Kind und hoffen, dass er möglichst bald Arbeit findet, die ihnen finanzielle Unabhängigkeit bietet.

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion