Gänse brauchen Sondergenehmigung

Zur Sicherheit müssen alle in den Stall

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Sie müssen draußen bleiben: Für die große Gänseschar hat Bauer Klaus Mann nicht genügend Stallplätze. Aber all das andere Federvieh wurde nach drinnen verlegt. Auch bei den Züchtern krähen die Hähne vorerst nur noch in der Voliere.

Groß-Zimmern - Zwar sind hessenweit nur zwei mit dem Vogelgrippe-Virus H 5 N 8 infizierte Vögel nachgewiesen worden, Auswirkungen auf die Groß-Zimmerner Geflügelhalter und Züchter hat das trotzdem.

Vor wenigen Tagen hat der Landkreis Darmstadt-Dieburg die Stallpflicht für Geflügel angeordnet und Ausstellungen, Börsen sowie Märkte mit dem Federvieh verboten. Christian Fröhlich, Vorsitzender der Zimmerner Kleintierzüchter, ist froh, dass die Geflügelschau seines Vereins schon vor zwei Wochen war. Heute dürfte er sie nicht mehr ausrichten. Dennoch wird am ersten Dezemberwochenende (3./4.) eine Schau im Vereinsheim durchgeführt. Dabei handelt es sich allerdings um die Kreiskaninchenschau – und dort Vögel auszustellen war nie geplant.

Fröhlich ist dennoch mit dem Kreis-Veterinäramt in Kontakt. Einige Züchter haben auf der Anlage an der Angelgartenstraße nur geringe Flächen in geschlossenen Räumen zur Verfügung.

Der Vorsitzende will in Erfahrung bringen, ob die Vögel ins Freilaufgehege dürfen, wenn die Freilaufflächen beispielsweise durch Plastikfolien nach oben abgedichtet sind. „Der Kot von Zugvögeln ist die größte Gefahr“, berichtet der junge Züchter, der seine Tiere nun im Stall hält.

Ganz andere Probleme hat hingegen Bauer Klaus Mann. Er hat nicht nur ein paar Tiere, sondern hunderte Hühner, Truthähne und Gänse. Während Hühner und Truthähne auch geschlos- sene Ställe haben, leben die Gänse im Freien. „Ich habe definitiv keine Möglichkeit, ein paar hundert Gänse im Stall unterzubringen“, sagt der Landwirt. Deshalb hat er beim Veterinäramt eine Ausnahmegenehmigung beantragt.

Laut dem Pressesprecher des Landkreises Darmstadt-Dieburg, Frank Horneff, sind bis jetzt drei solcher Anträge gestellt worden, neben dem für Gänse auch für Strauße und Nandus. Wird die Genehmigung erteilt, so wird sie mit der Auflage virologischer Untersuchungsverpflichtungen in dreiwöchigem Abstand verbunden sein. Bauer Mann hat das Ganze schon einmal beim letzten Ausbruch der Krankheit vor acht Jahren mitgemacht. Für ihn heißt es dann, Luft anhalten und beten. „Wenn ein Tier befallen ist, muss man das Veterinäramt rufen. Dann hat man auf seinem Hof nichts mehr zu sagen.“ Der wirtschaftliche Schaden wäre nicht vorstellbar.

„Wenn der Verdacht des Ausbruchs der Geflügelpest amtlich festgestellt ist, ist die Tötung des gesamten Bestandes zwingend anzuordnen“, so Horneff. „Man steht hilflos daneben und kann nichts tun. Es gibt keinen Impfstoff“, sagt Mann. Truthähne und Hühner bleiben bei Landwirt Mann nun erst einmal im Stall. Genauso sieht es bei den anderen größeren Hühnerhaltern in Zimmern aus, den Landwirten Jörg Dressel und Thomas Schaffer. Dressel hat die Erfahrung gemacht, dass seine Hühner deutlich aggressiver sind, seit sie den Auslauf nicht mehr nutzen dürfen. „Es gibt mehr Ausfälle. Man kann nur hoffen, dass der Spuk bald vorüber ist“, sagt er. „Wenn die Hühner es so gewohnt sind, dann wollen sie auch raus“, beschreibt auch Schaffer die Erfahrung.

Seine Hennen stehen jeden Morgen vor den Türen zum großen Freigehege. Er versucht jetzt, die Tiere etwas abzulenken. Zum einen gibt es zusätzlich zum üblichen Futter noch Luzerneballen, und Grünfutter braucht das Geflügel sowieso, wenn es nicht raus kann. Dann spannt Schaffer auch noch Kordeln, mit denen sich die Hühner beschäftigen oder spielen können. Schaffer schätzt, dass er das Geflügel noch eine Weile im Stall halten muss. „Allerdings haben meine Tiere auch hier mehr Auslauf als die in konventioneller Haltung“, sagt er.

Über die Ansteckungszeit gibt es keine genauen Angaben. Von drei bis 17 Tagen ist die Rede. Die Tiere gewöhnen sich nach ein paar Tagen auch wieder daran, dass sie im Stall bleiben müssen.

Bei den Gänsen hofft Mann, dass wie vor acht Jahren nichts passiert. Bis Weihnachten wird sich die Gänseschar sowieso stark verkleinert haben. Im Januar hat er üblicherweise nur noch einzelne Tiere, denn die Weihnachtsgans ist einer der bevorzugten Festtagsbraten der Deutschen. Und daran wird wohl auch die Vogelgrippe nichts ändern. J bea

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