Puppe „Resi“ vom Winde verweht

Silberne Kerbborschte blicken zurück auf das Fest vor 25 Jahren

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Den Schlachtruf zur Kerb beherrscht der silberne Jahrgang auch heute noch.

Groß-Zimmern - Vor 25 Jahren feierten die 1971/72-Geborenen ihre Kerb und sind damit 2016 als Silberner Jahrgang am Start. Anlass sich auch rückblickend ein paar Gedanken zu machen. 39 Kerbborschte waren sie damals, plus Kerbmädchen Anette Klober-Mieth. Von Ulrike Bernauer 

Der Kreis ist inzwischen geschrumpft. Knapp 20 kommen noch zu den monatlichen Treffen. Einer ist schon 1996 gestorben, die anderen sind in alle Winde zerstreut oder mit Familie und Beruf voll ausgelastet. Kerbvadder war vor einem viertel Jahrhundert Ralf Knierieme, den aber die Jahrgangskollegen alle Paul nennen. Sein Mundschenk war Martin Boni und Alexander Stapp hatte als Kerbpfarrer die ehrenvolle Aufgabe, sich von der Kerbpuppe zu verabschieden. Bei der Aufzählung fällt den Silbernen wieder ein, mit welch spektakulärem Knaller sie damals ihre „Resi“ abholen wollten. Sie sollte mit dem Heißluftballon am Brückelchen einschweben. Leider war der Wind an diesem Samstag zu stark, also fiel Resis Ankunft im Korb des Ballons aus. Selbst ein Start direkt neben dem Brückelchen fiel flach, der Wind trieb Ballon und Korb nur so vor sich her. Resi aus Sambesi, bei der sich die Kerbborschte heute nicht mehr sicher sind, ob sie lieber Bacardi oder Wodka mit Spezi trank, wurde heiß geliebt und bei ihrer Verbrennung flossen viele Tränen.

Unterscheidet sich das heutige Kerbprogramm stark von dem der Goldenen, die im 1966 ihre Kerb feierten, so ist der Unterschied bei den Silbernen nicht ganz so groß. Aber der Ablauf war dennoch ein wenig anders. Der Fackelzug führte damals noch über die Hauptstraße, die folglich gesperrt werden musste. Am Samstagabend wurde nur in der Mehrzweckhalle gefeiert, der Rote Platz war noch nicht involviert. Drinnen gab es eine richtige Tanzveranstaltung.

Der Kerbumzug am Sonntag war schon damals eine große Nummer und auch die Kerbrede wurde vom Rathausbalkon aus gehalten. Für Sonntagabend war dann noch eine Tanzveranstaltung in der Halle geplant. Die Kerbborschte waren auch da, aber an Gästen mangelte es. „Ich könnte sie noch heute fast namentlich aufzählen“, erinnert sich Knierieme. „Es waren sechs von der Chorgemeinschaft und zehn von einem anderen Jahrgang.“ Damit war die Tanzveranstaltung am Sonntagabend gestorben.

„Insgesamt wurde jedoch mehr in den Kneipen gefeiert“, so der Pressesprecher der Silbernen, der aus unerfindlichen Gründen anonym bleiben will. Besonders berüchtigt war das „Bermuda Dreieck“, das Richters", Kaiserhof und Poststube bildeten, und wo der eine oder andere Kerbborscht versackte.

Viele der Kneipen gibt es heute nicht mehr, so auch die Stammkneipe der Silbernen, das „Lucky Luke“ in der Beinestraße. Dennoch trafen sich die Männer damals zum allerersten Mal in der Poststube. Bis heute gibt es regelmäßige Termine für die Silbernen. Einmal im Monat ist der Stammtisch angesetzt. Mitunter kommen ziemlich viele der noch verbliebenen 19 Aktiven, der Negativrekord lag bei vier Teilnehmern. Die ließen sich die Laune aber nicht verderben. Neben dem „schlecht Gebabbel“, durch das sich die Silbernen auch beim Gespräch mit dem LA auszeichnen, werden gerne einfach Karten gekloppt.

Archivbilder aus 2015

Bilder zum Abschluss der Kerb

Am Kerbumzug hat der Jahrgang 1971/72 bis zu seinem 20. Jubiläum teilgenommen, danach gab es vier Jahre Pause. „Was ein Glück“, stöhnt einer. Und als Knierieme ankündigt: „Am 30. August nehmen wir natürlich teil“, erntet er nicht gerade einen Begeisterungssturm. Beim Minigolfturnier haben die Silbernen in diesem Jahr nicht mitgemacht. „Da hatten wir drei Tage vorher unser Kerbborschte-Treffen. Das ging dann nicht“, berichtet Jens Emmerich vielsagend und der Rest kriegt sich vor Lachen kaum ein. „Beim Fußballturnier waren wir anwesend und an der Theke ganz stark“, sagt der Kerbvadder. Mitkicken wollten sie nicht. „Wir können es uns nicht leisten, danach vier Wochen krank zu sein“, begründet Frank Rippka.

Das Kerbborschte-Fußballturnier hat die Gruppe einst selber ins Leben gerufen und vor wenigen Jahren an Jüngere weitergegeben. Ihre letzte Sitzung vor der Kerb 2016 hatten sie am Freitag, allerdings müssennoch die letzten Absprachen für den Umzug getroffen werden. „Es dauert ein bisschen, bis wir uns einig sind“, sagt Alexander Richards. „Vor allen Dingen, weil das schlecht Geschwätz jetzt noch ein wenig weiter geht.“

Von ihrem Kerblager erzählen sie zu guter Letzt. Das war in der Darmstädter Straße. Und besonders Elisabeth, die Mutter eines Jahrgangskollegen, haben sie noch in guter Erinnerung. „Die hat wohl noch weniger geschlafen als wir. Egal, wann wir kamen, auch wenn das um vier Uhr nachts war, einen guten Kaffee bekamen wir immer und sie hat uns super leckere Brote geschmiert.“

Archivbilder aus 2015 - Teil zwei

Bilder: Kerb in Groß-Zimmern

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