Flüchtlingskindern das Leben erleichtern

Wo Integration kein Problem ist

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Zwei, die angekommen sind: Die Flüchtlingsjungen Sven und Ali (links) besuchen die Albert-Schweitzer-Schule und haben eine herzliche Willkommenskultur angetroffen.

Groß-Zimmern - Aus der Heimat geflohen - in der Fremde gelandet. Was nun? Wie geht es für junge Füchtlinge weiter, die in der Gemeinde eine Bleibe finden? Sie verbringen die Wochentage wie hiesigen Kinder auch: sie drücken die Schulbank. Von Ursula Friedrich 

An der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) wurde eine „iDaZ-Klasse“ (intensiv Deutsch als Zweitsprache) gegründet, um den Neulingen vor allem sprachlich die Pforte zur Integration in die neue Heimat zu öffnen. Neun Schüler besuchen „iDaZ“ derzeit. Weil Integration an der ASS nicht erst mit Beginn der großen Flüchtlingswelle nach Europa, sondern im mulitkulturellen Groß-Zimmern Dauerthema ist, fielen ein paar neue Gesichter im Getümmel des Schulfestes an der Gesamtschule (wir haben berichtet) gar nicht auf. Für die Schüler, viele selbst mit Migrationshintergrund, sind Kinder von anderswo selbstverständlich. In diesem Sinne erlebten die Schützlinge der „iDaZ-Klasse“ unter den Fittichen von Pädagogin Mihan Kurt bereits eine phantastische Woche - die Projektwoche war dem Schulfest vorangegangen.

Die Integrationsprofis der G9b hatten die „iDaZ-Schüler“ quasi adoptiert. „Wir haben die Patenschaft übernommen“, sagte Sven Dwelk, Klassenlehrer der 9b, die bereits als „Klasse gegen Rassismus“ sehr engagiert ist. Schüler beider Klassen lernten sich kennen, besuchten das Darmstädter Vivarium, kochten gemeinsam, unternahmen eine Fahrradtour, schlossen Freundschaften. „Es war eine aufregende und lehrreiche Woche für alle Schüler“, zog Mihan Kurt Bilanz.

Für Ali Kazimi (13), der aus Afghanistan nach Deutschland floh, war das gemeinsame Kochen „einfach der beste Tag in meinem Leben. Und die anderen Tage auch.“ Seit gut sechs Monaten ist er hier. Spricht recht passabel deutsch, schreibt und hat viele Gleichgesinnte gefunden. Im FSV Groß-Zimmern pflegt er mit anderen Jungs nämlich sein  Lieblingshobby: Fußball. Für das Schulfest stand Ali schon wieder in der Küche. Samosa, eine Spezialität seiner Heimat, hat er mit seinen Geschwistern zum Fest gebacken. Die Deutschkenntnisse sind inzwischen so gereift, dass er dem Unterricht in seiner Klasse H7a folgen kann. „In Mathe ist er ein Ass“, lobte Sven Dwelk.

Das gilt auch für Sven, der aus Kroatien kommt und in Mathematik bereits Klassenbester ist. Erst seit Februar lebt Sven (14) in Groß-Zimmern und arbeitet fleißig an der fremden Sprache. Dies ist auch ein Verdienst von Mihan Kurt, „sie hat ein Händchen für die Kinder und war ein großer Glücksgriff für unsere Schule“, freut sich Schulleiter Helmut Buch. Dass nicht nur Sprache ein Hindernis ist, sondern selbst Fahrradfahren eine nie erlernte Fähigkeit, ist keine dauerhafte Integrationshürde. Über die Kinder- und Jugendförderung wurden für Flüchtlingskinder Zweiräder organisiert und radeln geübt. Jugendpfleger Tom Hickings optimistische Bilanz: „Wir sind in Zimmern so multikulti, dass Integration kein Problem ist.“

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