Beginn der Arbeiten zur Erweiterung der Kläranlage jetzt auch symbolisch signalisiert

Aufbruchstimmung am Tiefpunkt

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Schlammschlacht an der Kläranlage: „Spatenstich heißt Baubeginn“, sagte Bürgermeister Achim Grimm.

Groß-Zimmern - „146,08 ü. N. N. “ steht etwas kryptisch an einer Mauer der Groß-Zimmerner Kläranlage, deren Standort aus einleuchtenden Gründen den Tiefpunkt der Ortsgemarkung markiert.

An diesem Tiefpunkt haben sich am Mittwochvormittag Kommunalpolitiker, Planer und Repräsentanten des öffentlichen Lebens getroffen, um Zeugen eines symbolischen Aktes zu werden: Mit hurtigem Stich mehrerer Spaten in schlammigem Boden wurde der Baubeginn für die Erweiterung der Kläranlage signalisiert.

Wie sich die Bilder gleichen: Wo solche Pantomime der Handarbeit stattfindet, lauert im Hintergrund meist schon ein großes gelbes Baggergetüm und steht auch dafür, wie’s wirklich heute zugeht auf Baustellen. Technikverliebte Bürgermeister wie Christel Sprößler aus Roßdorf oder Joachim Ruppert aus Groß-Umstadt schwingen sich daher gern auf solche Maschinen und tun etwas, was gut und gerne mit „Anbaggern“ beschrieben wird.

Baustelle gleicht einer Seenplatte

Vielleicht hat ihr Groß-Zimmerner Amtskollege Achim Grimm an diesem Vormittag ja Angst, mit der schweren Baumaschine im Schlamm zu versinken. Die 2500 Quadratmeter große Erweiterungsfläche zwischen bestehender Kläranlage und B 26 gleicht aktuell jedenfalls einer Seenplatte, und der mehr als nieselige Regen bei einstelliger Temperatur macht keine Lust zu langem Verweilen im Freien.

Immerhin nimmt sich Grimm die Zeit für einige Worte an die Anwesenden, spricht von der „guten alten Kläranlage“ und davon, dass Groß-Zimmern gewachsen ist, die Grenzwerte für diverse Stoffe im Abwasser gesenkt worden sind und das Regierungspräsidium Darmstadt sich als Aufsichtsbehörde den Groß-Zimmerner sozusagen auf die Zehen gestellt hat, mit Auflagen und Fristen.

Die Zimmerner haben reagiert und in einem für die örtliche Kommunalpolitik sensationsverdächtigen Tempo - nämlich innerhalb von zwei Jahren – alle Details der Technik und der Finanzierung geklärt.

Für die Details der Technik ist nach erfolgtem symbolischem Akt vor der Ausgabe von Rippchen mit Kraut in der Wärme des Anlagensteuerungsgebäudes Ingenieur Lutz Unger zuständig. Er zeigt sich als Mann der Zahlen, indem er erklärt, dass durch den Anbau eines zweiten Reinigungsstrangs die Kapazität der Anlage von 24 200 so genannten „Einwohner-Gleichwerten“ – ein Wert, mit dem auch die Belastung durch Gewerbe und Oberflächenwasser rechnerisch gefasst wird – auf 27 500 Einwohner-Gleichwerte steigen soll.

Außerdem spielt die EU-Richtlinie zur Verbesserung der Gewässergüte, in diesem Fall der Gersprenz, eine „grenzwertige“ Rolle. Weiter runter mit den Nitratwerten hat auch weiter rauf mit den Kosten bedeutet, die aktuell auf 3,6 bis 3,7 Millionen Euro geschätzt werden. Vorfinanzieren kann das die Gemeinde gänzlich aus eigener Kraft, aus Rücklagen des ehemaligen Eigenbetriebs Abwasserbeseitigung, aus eigenen Rücklagen, und als „hilfreiche Fee“ ist vor einigen Monaten die neue Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid in Groß-Zimmern vorbeigekommen und hat einen Bewilligungsbescheid für einen Landeszuschuss über rund 750 000 Euro gebracht.

Steigende Abwassergebühr für die Bürger

Das alles ändert aber nichts daran, dass letztlich die Bürger als Nutzer der „volkseigenen“ Anlage über eine entsprechend steigende Abwassergebühr zur Kasse gebeten werden – vermutlich ab 2016, denn Ende 2015 soll die Erweiterung in Betrieb gehen. In diese neue Gebührenkalkulation wird auch eine weitere Personalstelle für den Kläranlagen-Betrieb einfließen, deren Einrichtung am Abend zuvor in der Gemeindevertretung beschlossen worden ist.

sr

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