Anreize schaffen für junge Ärzte

SPD: Medizinische Versorgung soll besser werden

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Landrat Klaus Peter Schellhaas sprach auf einer SPD-Veranstaltung in Groß-ZImmern zum Thema „Medizinische Versorgung“.

Groß-Zimmern - „Die medizinische Versorgung im Ort ist eine große Herausforderung sowohl in Groß- als auch in Klein-Zimmern. “ So eröffnete Christian Hader am Mittwoch eine Veranstaltung der SPD. Von Ulrike Bernauer 

Der Ortsvereinsvorsitzende freute sich, in der Gaststätte bei „Meo“ sehr viele Bürger begrüßen zu können und übergab das Wort nach einer kurzen Einleitung an Landrat Klaus Peter Schellhaas. Der Landrat ist in der Region zuständig für das Thema Gesundheit und deshalb profunder Ansprechpartner, allerdings kann die Veranstaltung wohl auch unter dem Motto Wahlkampf verbucht werden. Dennoch erfuhren die Anwesenden viel über die Struktur des Gesundheitswesens im ländlichen Raum. Wie es konkret in Groß-Zimmern weitergehen soll, darauf gab es allerdings kaum Antworten.Eigentlich sei der Landkreis nur für die stationäre medizinische Versorgung seiner Bürger zuständig, also die Krankenhäuser, so Schellhaas in seiner knapp einstündigen Rede. Hier habe sich in den vergangenen Jahren viel getan.

Landrat Klaus Peter Schellhaas sprach auf einer SPD-Veranstaltung in Groß-ZImmern zum Thema „Medizinische Versorgung“.

Viele hätten die Kreisklinik in Groß-Umstadt wohl schon als Patient kennen gelernt, oder um Angehörige und Freunde zu besuchen. Auf Nachfrage bestätigten dies viele erhobene Hände. Die Klinik in Groß-Umstadt, aber auch die in Jugenheim, seien seit 2008 stark modernisiert und das Spektrum an medizinischen Angeboten immens erweitert worden. Schellhaas erklärte auch die Finanzierung der Kliniken, die ähnlich wie die niedergelassenen Ärzte nicht nur unter der ausufernden Bürokratie, sondern auch unter einer permanenten finanziellen Unterversorgung litten. Wie bei dem Hausarzt das Budget gedeckelt ist, finde es auch bei den Krankenhäusern statt. Eine Klinik, die wie die Groß-Umstädter in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist, erhalte nicht für jeden Patienten die Kosten der Behandlung erstattet, sondern müsse auch noch einen Mehrleistungsabschlag zahlen. So erkläre sich das Defizit von rund zwei bis drei Millionen Euro, das die Kreisklinik zurzeit jährlich einfahre. „Das ist allerdings gut investiertes Geld. Es dient Ihrer Gesundheit“, warb Schellhaas. Ohne den Aufbau einer guten Kardiologie müssten viele Patienten einen weiteren Weg nach Darmstadt auf sich nehmen, was bei Herzinfarkten, wenn es auf jede Minute ankommt, wohl so manchem das Leben retten könne.

Mehr Sorgen macht dem Landrat die Versorgung mit Hausärzten, die auf dem Land immer schwieriger wird. Das hatten die Groß-Zimmerner schon am eigenen Leib erfahren. Praxisinhaber, die aufhören wollten, fanden zuletzt keinen Nachfolger. In Groß-Zimmern hat die Gemeinde die Eröffnung einer Gemeinschaftspraxis finanziell mit einer zeitlich begrenzten Mietübernahme unterstützt, damit für die Bürger genügend Ärzte zur Verfügung stehen. Schellhaas erklärte nun das Prinzip der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), eines wurde bereits im Jahr 2014 in Ober-Ramstadt gegründet. Die Eröffnung solcher MVZ durch den Landkreis sollte nur für absolute Notfälle vorbehalten bleiben, denn man wolle in das Gefüge der Arztpraxen auf dem freien Markt eigentlich überhaupt nicht eingreifen.

Wenn sich jedoch abzeichne, dass ein Hausarzt keinen Nachfolger findet und die medizinische Versorgung der Bevölkerung nicht mehr gewährleistet wäre, sei eben auch hier der Landkreis in der Pflicht. Junge Ärzte arbeiteten heute nicht mehr wie der klassische Landarzt in früheren Epochen. Die Mediziner wollen feste Arbeitszeiten und gehen nicht gerne das große, finanzielle Risiko des Kaufs einer Praxis ein. Im MVZ können sie als Angestellte mit festen Arbeitszeiten ihrem Beruf nachgehen, die Infrastruktur mit Geräten, aber auch Angestellten kann geteilt werden. Unter diesen Umständen fände man noch am leichtesten Ärzte für den ländlichen Raum. Der Zimmerner Hausarzt Dr. Oliver Falkenhausen merkte dazu an, dass auch unter diesen Bedingungen Nachfolger für Praxen immer schwerer zu finden seien.

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Schellhaas erklärte auch, warum der Landkreis mitunter eine Facharztpraxis kaufen wolle. So habe man eine neurochirurgische Praxis in Darmstadt erworben. Der Chirurg habe allerdings auch im Kreisklinikum in Groß-Umstadt operiert. Der Ankauf diente dem Erhalt der Praxis im Landkreis. Hätte die Kreisklinik sie nicht erworben, dann hätte beispielweise eine große Praxis aus Frankfurt oder gar Kassel den Facharztsitz aufkaufen können, der dann für die örtliche Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung gestanden hätte.

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