Mehr Aussteller, wenige Besucher

Die Stars tragen Federn

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Samuel und Leonie sind mit Vögeln vertraut. Der Vater der beiden ist selber begeisterter Züchter.

Groß-Zimmern - Viele Aussteller sind in die Mehrzweckhalle gekommen. Die Stars sind allerdings die gefiederten Gäste. Ringsum zwitschert es und überall beugen sich Neugierige zu den Käfigen, um die Bewohner ganz genau in Augenschein zu nehmen. Von Ulrike Bernauer

Der Kanarien-Vogelzucht- und Schutzverein hat zur Vogelbörse geladen. Am frühen Morgen, die Börse beginnt schon um acht Uhr, sind hauptsächlich Züchter vertreten. Max Starkum aus Roßdorf hat einen Schwarzkopfgrünling zu verkaufen. Er züchtet allerdings Kanarienvögel, davon hat er etwa 50 Vögel. Er fachsimpelt mit Züchterkollegin Katrin Hock aus Babenhausen. Sie hat mehr Tiere im Angebot, Farb- und Positurkanarien. „Ich habe noch nichts verkauft, auch wenn es eigentlich recht voll ist“, sagt die Babenhäuserin. „Aber vielleicht habe ich heute die falschen Vögel dabei.“

Hock ist erfolgreiche Züchterin. „Bei der deutschen Meisterschaft im Januar habe ich den ersten, zweiten und dritten Platz belegt.“ Auch Starkum hat mit seiner Rasse einen ersten Platz gemacht. „Irgendwann hat man zu viele Vögel und kann einfach nicht alle behalten“, sagt Hock. Schließlich können Farbkanarien bis zu zehn Jahre alt werden. Aber die älteren Exemplare erhalten ihr Gnadenbrot, respektive die Gnadenkörner.

„Ich habe einen Vogel, der hat vor fünf Jahren ein Bein verloren. Irgendwann wird er bei mir eines natürlichen Todes sterben“.

Leute gingen lieber zum Zoohändler

Heinrich Mahr (73) aus Babenhausen hat sich keinem Verein angeschlossen. „Ich habe eine reine Hobbyzucht.“ Schmuck-, Schön- und Glanzsittiche züchtet er. Auch er muss einige Vögel verkaufen, weil es sonst zu viele werden. „Das wird aber immer schwieriger. Die Leute gehen lieber zum Zoohändler. Da kaufen sie einen Vogel für 30 bis 50 Euro. Vom Züchter könnten sie ihn für 15 bis 20 Euro bekommen. Wenn ich die Tiere nicht los werde, nehme ich sie wieder mit nach Hause. Noch habe ich genug Platz.“ Er züchtet seit seiner Kindheit, aber einen Nachfolger hat er nicht. Spanische Gesangskanarien und Kamingimpel hat Ottmar Wagner (63) aus Höchst zu verkaufen. Auch er züchtet seit seinem sechsten Lebensjahr. Seine Kinder Samuel und Leonie sind mit den Vögeln sehr vertraut. „Sie helfen mir auch schon, soweit sie können. Wir brauchen Nachwuchs“, sagt Wagner.

Mit den Geschäften ist er heute nicht so recht zufrieden. „Es sind viele Züchter da, aber wenig Privatleute. Die Züchter suchen nur ganz bestimmte Vögel. Aber ich hoffe im März, April noch Tiere zu verkaufen. Dann ist in Wiesbaden-Delkenheim eine große Verkaufsbörse. Manche werde ich auch einfach fliegen lassen. Wenn die schon im Frühjahr in die Freiheit kommen, können sie sich akklimatisieren und überleben dann draußen dann auch im Winter.“

Züchter kommen früh, Privatleute spät

Peter Steinbeck, Vorsitzender des Kanarien- Vogelzucht- und Schutzvereins, ist mit dem Besuch der Börse sehr zufrieden. „Bis jetzt sind allerdings hauptsächlich Züchter und Aussteller da. Der Züchter kommt früh am Morgen und guckt, ob ein interessanter Vogel dabei ist. Dann geht er wieder. Die Privatleute, die einen Vogel für zu Hause wollen, die kommen erst später.“ Steinbeck ist auch mit dem neuen Veranstaltungsort in der Mehrzweckhalle zufrieden, „sie ist schön hell.“ Unzufrieden ist er allerdings mit der Parkplatzsituation. „Die Besucher finden kaum einen Platz.“

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