Die neue Orgel auf der Empore wird bewundert und gespielt

Stimmungsvolle Klänge des Kircheninstruments

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Drauf gepfiffen: Orgelbauer Hannes Kunath erläuterte bei der Orgelführung technische Details und erzeugte Pfeifentöne.

Groß-Zimmern - Freude, schöner Götterfunken: Klein-Julian spielte die bekannte Passage aus Beethovens 9. Sinfonie zwar nur mit einer Hand. Er berührte mit der Musik jedoch die Herzen der Umstehenden. Von Ursula Friedrich 

Die Einweihung der neuen Orgel, auf der der Neunjährige kurz spielen durfte, war Anlass eines mehrtägigen Festakts in der katholischen Kirche St. Bartholomäus. Das Instrument, für dessen Anschaffung sieben Jahre lang intensiv gespart wurde, ist Auslöser purer Freude in der rund 4 000 Mitglieder großen katholischen Gemeinde.

Im Festgottesdienst mit Generalvikar Dietmar Giebelmann entfachte die Orgel am Samstag erstmals ihren mächtigen Klang (wir haben berichtet). Für den Tag danach hatten die Orgelbauer aus Bautzen zum Kennenlernen der eindrucksvollen Technik dieses imposanten Instrument eingeladen. 5 900 Stunden arbeitete die Firma Eule rund ein Jahr am Bau der neuen Kirchenorgel.

Die schafft mit über 170 Holz-, 142 Zungen- und 975 Metallpfeifen, die im kleinen Verbund einen Ton erzeugen, die Voraussetzung für facettenreiche Klänge. Und wer geübt die 22 Register im Wechsel zieht, entlockt ihr auch die Sprache anderer Instrumente, wie Trompete, Gambe und Klarinette.

Mit 3 400 Kilogramm ist das Instrument auf der Kirchenempore nicht gerade ein Leichtgewicht.

Ein Kraftakt, um bei diesem Bild zu bleiben, war auch die Finanzierung des Projektes. 305 000 Euro brachte der Orgelförderverein St. Bartholomäus in einem siebenjährigen Spendenmarathon auf.

Pünktlich zur Einweihung war das Instrument tatsächlich bezahlt. „Bei dem Entwurf der neuen Orgel galt es, das romantische Konzept von 1906 aufzugreifen und den großen Bestand an historischen Pfeifen der ursprünglichen Orgel von damals zu erhalten“, erläutert der Organist Klaus Wörtche in der fast 40-seitigen Festschrift, die zu Ehren der Weihe herausgegeben wurde.

Zur Erinnerung: Die alte Orgel verstummte, nachdem Heinz Röhrig (74) am 4. Oktober 2015 die Variationen des bekannten „Halleluja“ von G.F. Händel letztmals intonierte. Am nächsten Tag demontierten die Mitarbeiter aus Bautzen das alte Instrument. Lediglich ein Teil der Pfeifen wurde zur Instandsetzung und Wiederverwendung in den Osten transportiert. Es folgte die Renovierung der Empore in St. Bartholomäus, auch ein bislang verdecktes Buntglasfenster wurde aufwändig restauriert.

Eine Delegation aus Groß-Zimmern reiste im Juni dieses Jahres nach Bautzen, um die neue Orgel bereits im Montagesaal des Unternehmens zu besichtigen.

Mit einem großen Lastkraftwagen wurden die in unzählige Kisten verpackten Orgelteile dann auf den Weg geschickt und in Groß-Zimmern mit Glockengeläut begrüßt.

Fünf Orgelbauer waren dann gut drei Wochen lang mit dem Zusammenfügen der Technik beschäftigt. Anschließend wurden die 1287 Pfeifen gestimmt. „Ein Prozess, bei dem wir zwar ein Stimmregister einsetzen, aber das eigentliche Stimmen erfolgt mit dem menschlichen Gehör“, erklärte Baumeister Dirk Eule. Mit der Wahl dieses Unternehmens, dies beweist der Klang des fertigen Instruments, wurde die richtige Entscheidung getroffen. „Nach der Wende wurden alle Orgeln durch die Landeskirche katalogisiert und geprüft“, erzählte Dirk Eule, der schon als Bub mit dem Fachmann „in der Orgel herumgekrochen ist“. Ein Erlebnis, das nachhallte, denn was lag nun näher, als die Ausbildung zum Orgelbauer? Als er 1994 seine Lehre begann, traf er hier auch seine große Liebe: Anne-Christin Eule, die das Unternehmen inzwischen gemeinsam mit ihrem Ehemann leitet. Der jüngste Geniestreich des Bautzener Erfolgsunternehmens residiert nun auf der Empore in Groß-Zimmern, um Gottesdienste, besondere Kirchenfeiertage und Konzerte auszuschmücken.

Bei Pfarrer Christian Rauch, der schon als kleiner Bub in seiner Heimatstadt Worms die Orgel spielte, weckt das Instrument auch Wehmut. Aus dem Stegreif intoniert der Geistliche verträumt einige Stücke: „Ich habe schon mit 15 Jahren die Gottesdienste als Organist begleitet – das fehlt mir manchmal.“

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