Internationaler Frauentreff bringt Flüchtlinge und Einheimische zusammen

Auf der Suche nach einer neuen Familie

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Angst, Verfolgung, Tod – das erwartet viele Flüchtlinge in ihren Heimatländern. Im internationalen Frauenkreis finden die Damen Zuflucht, ein offenes Ohr und vor allem Gleichgesinnte. Die Freundinnen Lola, Hinda und Nimao (von links) aus Somalia. Sie sind jetzt eine Familie.

Klein-Zimmern - „Hinda, Somalia“ steht auf dem gelben Papierzettel, den die junge Frau mit dem roten Kopftuch an ihrer Robe befestigt hat. Ihr gegenüber sitzt „Claudia, Deutschland“. Von Corinna Hiss 

Mehr Informationen gibt es beim ersten internationalen Frauentreff im Haus St. Barbara in Klein-Zimmern nicht. Die Atmosphäre soll heimelig sein, daher wird sich geduzt. Die unterschiedlichsten Nationen sitzen zusammen, meist auch am Kleidungsstil der Frauen zu erkennen. Hinda und ihre Freundinnen Lola und Nimao tragen bunte Gewänder, auffallende Kopftücher und sind geschminkt. Anderer Frauen, die „Syrien“ angeheftet haben, tragen ebenfalls Kopftücher, dazu aber Jeans und Pulli. Viele haben ihre Kinder mitgebracht. Ältere beginnen sofort im Nebenraum zu spielen, Babys bleiben bei ihren Müttern auf dem Arm, hier und da quäkt eines dazwischen.

Monika Fahrenholz-Müller vom Caritasverband Darmstadt ist überwältigt vom Andrang der Frauen, die der Einladung zum ersten internationalen Frauentreff gefolgt sind. Sie wohnen größtenteils in Groß- und Klein-Zimmern sowie Dieburg, „Wir haben die Veranstaltung initiiert, damit Frauen, die sich hier fremd fühlen, Anschluss finden“, erzählt FahrenholzMüller. Jeden dritten Freitag im Monat soll das Treffen stattfinden, schon die erste Begegnung ist ein voller Erfolg. In Flüchtlingsheimen und Notunterkünften wurden Einladungs-Flyer ausgehängt, die in verschiedenen Sprachen geschrieben waren.

Sprache bedeutet Menschsein

„Toll, dass so viele gekommen sind“, beginnt Monika Fahrenholz-Müller den Nachmittag. Die Sprachbarriere stellt die Caritasmitarbeiterin vor ein ernstzunehmendes Problem: „Ich möchte euch alle begrüßen, aber wie mache ich das?“ Schließlich versteht nur etwa die Hälfte der anwesenden Frauen die Sozialpädagogin. Darunter die vielen Deutschen, die gekommen sind und einige wenige Flüchtlinge, die schon länger einen Sprachkurs besuchen. Der Rest sitzt zum Teil ratlos an den liebevoll dekorierten Tischen. Fremd fühlt sich aber trotzdem niemand. Wer kann, übersetzt in die Landessprache. „Je mehr Sprachen du sprichst, desto mehr bist du Mensch“, zitiert die Pädagogin ein Sprichwort. Die anwesenden deutschen Frauen, die zum größten Teil der katholischen Pfarrgemeinde St. Bartholomäus angehören, sprechen neben ihrer Muttersprache höchstens Englisch oder etwas Spanisch. Keine von ihnen kann Somalisch, Arabisch oder Mazedonisch. Beim internationalen Treff zeigt sich aber, dass die geflüchteten Frauen schon einiges in den Sprachkursen gelernt haben. Ihr Deutsch ist bruchstückhaft, nicht immer korrekt, zeugt aber dafür von ihren intensiven Bemühungen, hier Anschluss zu finden.

„Uns ist es am allerwichtigsten, dass sich die Frauen begegnen“, betont Nina Glaser von der Pfarrgemeinde St. Bartholomäus, die den Nachmittag mit organisiert und mit Kaffeekannen und einem Lächeln von Tisch zu Tisch geht. Besonders freut es sie, wenn die Frauen Gleichgesinnte kennenlernen und so die Einsamkeit überwinden. „Eine syrische Dame saß ganz allein am Tisch und hatte keine Gesprächspartner. Wir haben sie dann umgesetzt und sofort begann sie, mit den anderen syrischen Frauen Freundschaft zu schließen“, berichtet sie.

Neue Familie in Deutschland

Hinda hat zum Glück bereits Gleichgesinnte gefunden, die sie jetzt als ihre Familie bezeichnet. Die 23-Jährige floh vor knapp eineinhalb Jahren nach Deutschland. Mutter, Vater und Geschwister ließ sie in Somalia zurück – bis heute weiß sie nicht, wie es ihnen geht und ob sie überhaupt noch leben. Zurück nach Afrika will sie auf keinen Fall. „Ein Tag dort und ich wäre tot“, sagt sie leise und in gebrochenem Deutsch. Was sich momentan alles in ihrem Heimatland abspielt, das vermag die junge Frau nicht in Worte zu fassen. „Somalia hat viele Probleme“, ist das einzige, was sie dazu sagt. Seit fünf Jahren ist Hinda verheiratet, ihr Mann ist in Somalia geblieben. Das junge Paar hat keinen Kontakt, es gibt weder Internet noch Telefon, um sich zu verständigen. Trotzdem sieht Hinda zuversichtlich in die Zukunft. Sie ist fröhlich und dankbar für die Gemeinschaft hier: „Deutschland ist gut“, sagt sie lächelnd.

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