Pfarrfastnacht Teil 1

Super Show und „alles von Laienhand“

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Pfarrer Christian Rauch als Elvis mit neuem Nummernschild: VF für „Vatkanisches Ferdel“

Groß-Zimmern - Köln, Meenz, Dieburg? Von wegen. Das närrische Herz pochte am Samstagabend besonders laut in der Gersprenzgemeinde. Zur 44. Pfarrfastnacht hatten die Macher der Sitzung ein Programm der Superlative gestrickt. Von Ursula Friedrich. 

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„Atemlos...“ zieht sich die Sängerin aus

Ein Füllhorn närrischer Büttenreden, zynischer Zwiegespräche, munterer Gesangseinlagen, Zimmerner Episoden und charismatischen Show- und Tanzvorführungen kippten die 120 Akteure der Pfarrfastnacht in der Mehrzweckhalle aus. Der Funke sprang im Nu über. Gut 400 Gäste feierten ausgelassen den Höhepunkt des Zimmerner Fastnachtstreibens: die 44. Pfarrfastnachtssitzung von St. Bartholomäus. Sitzungspräsident Friedrich Faust hatte mit seinen närrischen Mitstreitern ein Programm der Superlative zusammengestellt. „Licht aus, Spott, an, ein jeder zeige, was er kann!“, gab Faust die Narrenmanege frei. Bemerkte stolz: „Alles ist von Laienhand.“

Knapp fünf Stunden füllten Büttenredner, Protokoller, Sänger, Tänzer, Turner und Elferrat mit ihren Darbietungen. Im Narrentreiben hatte man sich ausnahmsweise in die Hände des Gottes Jokus begeben. Ohne Tabus.

Tanz-Girls, Matrosen und Männerballett

Höllisches Volk mit himmlischen Gespielinnen: Die Elfchen.

Sogar die Nachbarn, Gegenstand einer jahrzehntelangen Hass-Liebe, durften hier Töne anschlagen. Die Dieburger Speeslochfinken (mit Bürgermeister Dr. Werner Thomas als prominentestem Sänger) begeisterten mit einem Potpourri des Narrengesangs. Im Vorjahr feierten sie ihr Debüt – diesmal glänzten sie als kleine Routiniers: Elfies Tanz-Girls, die mit Show- und Gardetanz begeisterten.

Bissiges Politiktheater? Eldorado der Pfeiffen – Zwei Stammtischbrüder (Gregor Beckmann, Michael Gorsboth) feuerten gnadenlos gegen Merkel, Kommunalpolitik, Dibborsch und Zölibat. Nach der „Zimmerner Maut“ („Unsere Mautblitzer stehen vorn und hinner´m Dorf“) beschwor das Duo förmlich ein Horrorszenario: Die interkommunale Zusammenarbeit mit Dieburg könnte gar in einer Taufbeckengemeinschaft gipfeln? Wird Zimmern dann von Groß-Dieburg einverleibt? Nur das Duo Jaqueline und Chantal konnte diesen Redebeitrag mit noch mehr Garstigkeiten und Haaren auf den Zähnen toppen.

Die Zwillinge Sandra und Tanja Ihring gingen bei der Männerjagd mit der Beute nicht gerade zimperlich um.

Nie waren Matrosen mit mehr Sexappeal unterwegs: Im knappen Outfit verzauberten die Desert Roses mit ihrem diesjährigen Showtanz besonders Männerherzen. Kontrastprogramm: Die TV-Turnmädchen mit Trainer Alexander Weyrauch boten ein fulminantes Feuerwerk aus Turn-, Tanz- und Karateelementen.

Nicht grazil, doch himmlisch anzuschauen schwebten die Elfchen dann des Weges. Das Männerballett der Pfarrei lud rund um Oberteufel Faust zum himmlisch-satanisches Intermezzo. Sie sind ein Markenzeichen der Zimmerner Fastnacht und brillieren Jahr um Jahr von feinsinnig bis originell. Zwerchfellalarm versprach Manfred Göbel mit seinen „Zimmerner Leit“.

Pfarrfastnacht in Groß-Zimmern

Pfarrfastnacht in Groß-Zimmern

Auf der Suche nach einem Image ging es virtuos daher - schlussendlich war es eine Mundart-Hommage aus der Bütt, die im Abgesang der Zimmerner Hymne gipfelte. Göbel: „Nur der uff dem Glückgipfel thront, der in unserer Gmoi grad wohnt.“ „Isch geb disch net her für all mei Geld“, vertonte Otto Sorrentino die Heimatliebe. Und Thomas Beutel warb (als Image-Pflege) für „en Springturm am Gailsloch wie die Dibboijer! Ewwer so, des mer beim huppe die Sonn" net im Gesicht hat.“ In diesem Tenor ging es auch mit Ehrenbürgermeister Dieter Emig, Gaby und Georg-Heinz Geier weiter („En lange Lui uff em Rote Platz - mit dem Pentz druf“) bis ein Bestechungsversuch an Landrat Hans Peter Schellhaas (12 Ringel Fleischworscht vom Metzger Bach) in einem eigenen Kfz-Kennzeichen gipfelte: GZ (für Groß-Zimmern) wäre das Non-Plus-Ultra. Lediglich Pfarrer Christian Rauch legte hier ein Veto ein. Als reinkarnierter Elvis Presley präsentierte er das Nummerschild für seine Nachbarschaft: VF für „Vatikanisches Ferdel“.

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