Sein Schätzchen wartet in der Garage

Trotz hohen Alters: Bei den Oldies läuft alles wie geschmiert

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Scheckheft gepflegt und zweifach prämiert: Der Güldner G 40S von Horst Korndörfer.

Groß-Zimmern - Das sonore Tuckern klingt in ihren Ohren wie eine Arie. Der Duft nach Öl und Diesel ist besser als jedes Parfüm. Die 23 Männer des Alt-Eisen-Clubs halten ihre Geliebte in der Garage - am besten gleich mehrere: Traktoren, zum Teil aus Vorkriegszeit. Von Ursula Friedrich 

Vor über zwei Jahren gründeten der Groß-Zimmerner Volker Rockel und der Klein-Zimmerner Joachim Köbel aus einer Bierlaune heraus den Alt-Eisen-Club. „Es gibt noch mehr so Dolle wie uns“, lacht Rockel. Inzwischen sind es 23 Männer, die ihre Freizeit am liebsten mit Schrauben verbringen, um ihre Schätzchen auf Vordermann zu bringen. Einer von ihnen ist Horst Korndörfer, der mit zwei Schleppern am Groß-Zimmerner Kerbumzug mit rollt. Drei Jahre hat er für die Restauration seines Güldner G40S Baujahr 1940 benötigt. Unterstützt von Sohnemann Sven, der dem Oldie fachmännisch eine knallrote Lackierung verpasste. „Ist einer fertig, kommt der nächste dran“, erklärt Alt-Eisen-Chef Volker Rockel lachend.

Und so hält es auch Horst Korndörfer. In der Garage stehen die „Innereien“ eines noch älteren Schleppers. Den Stock, Baujahr 1939, mit wassergekühltem Deutz-Motor hat er per Zufall in einer alten thüringer Scheune entdeckt. Für die ehemaligen Besitzer eine Rostlaube. Für Korndörfer ein Schatz. „Zwei Zylinder, 2200 Kubik“, erklärt der Oldtimerexperte.Vielleicht kriegt er seine jüngste Erwerbung fit, um bei der Kerb 2016 mitzutuckern. Als Zaungäste stehen bereits zwei Nachwuchsschrauber Spalier: Luca (7) und Mio (5), die in die Fußstapfen des begabten Opas treten wollen. Ehefrau Ute hat eine hohe Toleranzschwelle. „Andere Männer muss man in der Kneipe suchen“, schmunzelt sie. „Ich weiß immer, wo meiner steckt: in der Garage.“

Auch Volker Rockel poliert seinen Schlepper. „Der ist besser in Schuss als sein Besitzer. Bei uns knacken die Knochen!“ flaxt er. An Kerb wird er eine Rolle an seinen Bulldog hängen, um zugereiste Kerbborschte über die Umzugsstrecke zu chauffieren. Auch wenn die Oldies 50 Jahre und älter sind, läuft Dank der Intensivpflege alles wie geschmiert. Rund 50 Traktoren gehören zum Club, allein vier hegt und poliert Joachim Köbel. Alle vier Wochen treffen sich die Clubmitglieder zum Fachsimpeln im Schrauberlatein. An Kerb rollen sie erstmals mit und stellen Lanz, Deutz, Eicher und Co. dem Kerbpublikum vor. Vielleicht findet sich sogar die ein oder andere Dame, die auf dem Notsitz Platz nimmt. Der Alt-Eisen-Club ist zwar eine Männerdomäne, doch für Frauen offen, sollte sich eine Dame finden, der Schraubenschlüssel und Motoröl wichtiger sind als Nagelfeile und Handcreme.

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