Weiterhin wechselnde Mehrheiten

Wähler wollen mehr Frauen an der Spitze

+

Groß-Zimmern - Nachdem nun auch die kumulierten und panaschierten Stimmen gezählt sind, hat sich das Trendergebnis vom Sonntagabend für Zimmern bestätigt: Die CDU bleibt mit 43,1 Prozent der Stimmen stärkste Partei, hat aber ebenso wie die SPD (30 Prozent) einige Wähler verloren. Von Gudrun Fritsch 

Nach dem vorläufigen Ergebnis sähe die Sitzverteilung im Parlament wie oben aus.

Die Grünen sind mit 12,2 Prozent fast gleich geblieben. Die FDP konnte leicht zulegen (6,2 Prozent). Die ZiLi schafft auf Anhieb 8,5 Prozent und ist damit viertstärkste Kraft im Parlament. . Zimmern liegt nach der Kommunalwahl am Sonntag insgesamt im hessenweiten Trend. Die großen Parteien verlieren Stimmen, die Kleinen gewinnen hinzu. Zwar kann die CDU in der Gemeindevertretung auch weiterhin den Ton angeben, aber Verluste von 3,5 Prozent stimmen gewiss nachdenklich. Dass die Christdemokraten statt bisher 17 jetzt nur noch 13 Sitze inne haben, liegt aber in erster Linie daran, dass das Parlament von einst 37 auf insgesamt 31 Sitze reduziert wurde. Ähnlich wie bei fast allen Parteien haben die Zimmerner auch bei den Christdemokraten gezeigt, dass sie mehr Frauen in verantwortlichen Positionen sehen wollen. Die einstige Vorsitzende der Gemeindevertretung Katharina Geibel wurde von Listenplatz 28 auf Position sieben befördert.

Die früher traditionell im Ort dominierende SPD, seit geraumer Zeit zweitstärkste Partei, hat weitere drei Prozent ihrer Wähler verloren. Hier überholt die junge Jenny Aschenbrenner, ursprünglich auf Platz vier, den Spitzenkandidaten Chris Kowal und den Parteivorsitzenden Christian Hader. Nach der neuen Berechnung kommen die Sozialdemokraten auf neun Sitze, drei weniger als zuvor. Geringfügig sind die Verluste von 0,7 Prozent bei den Grünen, die mit nunmehr 12,2 Prozent weiterhin drittstärkste Partei bleiben. Auch hier wurde mit der bisherigen Fraktionsvorsitzenden Marianne Streicher-Eickhoff eine Frau von Listenplatz drei an die Spitze kumuliert. Die Grünen werden in der Gemeindevertretung nun mit vier Personen vertreten sein, was in erster Linie der Reduzierung geschuldet ist.

Die Liberalen im Ort können mit einem Plus von 3,7 Prozent deutlich zulegen und sind jetzt mit 6,2 Prozent in etwa bei ihrer früheren Stärke angelangt. Sie konnten wahrscheinlich auch davon profitieren, dass die Freien Wähler in Groß-Zimmern nicht mehr angetreten sind. Während die FDP sich einst intensiv für die Einführung des Kumulierens und Panaschierens eingesetzt hat, haben die Wähler es in diesem Fall offensichtlich kaum genutzt. Hier blieb die Listenfolge fast komplett erhalten, allerdings wird bei zwei Sitzen mit Monika Belke auf Platz zwei für die FDP erstmals eine Frau im Parlament vertreten sein. Da jedoch Voraussetzung für eine Fraktion ist, dass die Partei mindestens drei Sitze im Parlament hat, dürfte für die FDP gelten: Gewonnen und doch verloren.

Liveticker zur Kommunalwahl 2016

Die Zimmerner Liste (ZiLi) erhielt nicht nur auf Anhieb 8,5 Prozent der Stimmen, sondern kann als viertstärkste Kraft gleich drei Sitze in der Gemeindevertretung einnehmen. Auch hier wünschen die Wähler mehr Frauenpower. Neben Janek Gola und Viola Schönig, die auf den Listenplätzen eins und zwei standen, wurde Marina Gola-Richter von Rang sechs auf drei kumuliert. Wie sich der Gemeindevorstand künftig zusammen setzen wird, ist eine komplizierte Rechnung, die auf dem Proportionalverfahren nach Hare-Niemeyer basiert. Neben Bürgermeister Achim Grimm besteht das Gremium aus fünf ehrenamtlichen Beigeordneten. „Die Gemeindevertretung hat diese Reduzierung kürzlich mit einer Änderung der Hauptsatzung beschlossen, eine spätere Erhöhung der Beigeordnetenzahl auf sieben wäre jedoch ohne erneuten Satzungsbeschluss möglich“, erklärt Wahlleiter Stefan Herbert und ergänzt: „Am Freitag ist Wahlausschusssitzung. Es wird einige Korrekturen geben, die Gesamtstimmenzahl weicht wohl noch geringfügig ab.“ Das bisherige Ergebnis bleibe aller Voraussicht nach jedoch bestehen. Demnach kämen für die CDU zwei, für SPD, Grüne und ZiLi jeweils ein Vertreter in den Gemeindevorstand.

Galerie: Wie viele Frauen mischen in der Lokalpolitik mit?

Die Fraktionen werden nun diskutieren, wen sie in das Gremium entsenden. Entsprechend werden andere Mandatsträger auf der jeweiligen Liste nachrücken. In den kommenden Wochen wird es wohl auch um die Bildung einer Koalition oder um mögliche Kooperationen gehen, da auch die CDU keine absolute Mehrheit hat. In der vergangenen Legislaturperiode haben sich wechselnde Mehrheiten sowie oft eine lose Kooperation von Christdemokraten und Grünen bewährt. Diese Kombination könnte auch künftig Mehrheiten sichern.

Kommentare