Im Reich der Nikoläuse

Trotz Kälte und Sturm: Glühweinkerb gut besucht 

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Gerhard Mestekemper und Maximilian Wiesner (rechts) haben sich der Nikolausproduktion verschrieben.

Groß-Zimmern - Kurz vor 18 Uhr füllt sich am Samstagabend der rote Platz. Die Zimmerner wollen die Eröffnung des Weihnachtsmarktes mit Roland Cöster, dem Vorsitzenden des Schwarzen Bocks, und Bürgermeister Achim Grimm erleben. Von Ulrike Bernauer 

Damit haben viele das erste Highlight jedoch verpasst, denn bereits um 16 Uhr hatte die Tanzschule Henrich einen Tanz gezeigt, der die anwesenden Zuschauer regelrecht begeisterte. Bürgermeister Grimm bedankt sich zuallererst bei dem Schwarzen Bock, der den Weihnachtsmarkt wie in den vergangenen Jahrenüberhaupt möglich gemacht hat. „Die Herren opfern ihre Freizeit, um Ihnen hier zwei vergnügliche Tage zu bescheren. Ohne euch gäbe es diesen Weihnachtsmarkt nicht.“ Cöster begrüßt besonders die vielen Kerbjahrgänge, die dem Markt auch den Namen als „Glühweinkerb“ beschert haben.

Ab und zu lodert am Stand der Kerbborschte 1961/62 eine Flamme auf, dann hat Otto Sorrentino mal wieder ein bisschen Rum für die Feuerzangenbowle entflammt. Am Stand gibt es auch anderes Hochprozentiges, wie heißen Slibowitz. Sorrentino freut sich darüber, dass er in zwei Kerbjahrgängen zu Hause ist, sein eigentlicher Jahrgang ist 1951/52. Aber: „Ich bin angeheiratet und fahre seit 25 Jahren den Traktor bei für die Jüngeren.“

Während die meisten Buden auf dem roten Platz für das leibliche Wohl mit warmen Speisen und Getränken sorgen, hat die Klasse R 7b der Albert-Schweitzer-Schule eine Tombola aufgebaut. „Wir haben bei Zimmerner Geschäften gesammelt und viele tolle Preise erhalten“, sagt Lehrerin Saskia Mayer. Die Überraschung für die Loskäufer ist doppelt. Erstens ob ihr Los gewinnt und zweitens was sie dann wohl gewonnen haben. Das sieht man nämlich nicht auf den ersten Blick. Alle Preise sind liebevoll in Geschenkpapier verpackt. Pia Woll kommt aus Klein-Zimmern, ist dort aber noch Neubürgerin. Sie ist mit ihrer Familie gekommen. „Wir wollen einen Glühwein trinken und etwas essen, aber insgesamt besuchen wir natürlich den heimischen Weihnachtsmarkt.“

Toni Schorrmair war früher schon mal auf dem Weihnachtsmarkt, als der noch hinter dem Glöckelchen stattfand. „Wir vermissen hier draußen ein wenig das Kunsthandwerk, auch so das altmodische wie Holzspielzeug oder Krippen. Auf dem Platz gibt es ja nur Essen und Trinken.“ Zu einem Weihnachtsmarkt gehört auch Musik. Viele Besucher freuen sich auf den evangelischen Posaunenchor, der mit seinen adventlichen Weisen wieder für die rechte Stimmung sorgt. Ein Novum sind die Herren von Concordians aus Nieder-Gründau. Das Männer-Vokalensemble singt Weihnachtslieder hauptsächlich aus dem alpenländischen Raum. „Meine Frau ist gebürtig aus Groß-Zimmern“, sagt Sänger Marek Michel „und mein Schwager ist der Dieter Krawatz vom Schwarzen Bock, der uns eingeladen hat.“

Bilder: Weihnachtsmarkt in Groß-Zimmern

In der Mehrzweckhalle erfreuen sich die Besucher an Kunsthandwerk. Gerhard Mestekemper und Wilhelm Freisberger sitzen hinter Dutzenden von Nikoläusen. Der Kleinste ist gerade einmal einen- , die größten vielleicht 30 Zentimeter groß. „Die sind alle selbst gemacht“, sagt Freisberger. „Vor etwa zehn Jahren haben wir damit angefangen, erst nur für die Familie und Freunde, und dann sind es so viele geworden, dass wir sie inzwischen verkaufen müssen.“

Silke Zilles aus Groß-Zimmern fasziniert vor allen Dingen die Kinder. Sie sitzt an einem Spinnrad. „Ich stelle meine eigene Kleidung von der Wolle direkt bis zum Tragen her. Die Wolle habe ich direkt beim Schäfer in Nieder-Klingen geholt und diese Arbeit ist für mich ein Ausgleich für meinen Beruf im IT-Bereich und zu meiner Leidenschaft geworden. Ich hoffe, dass ich bald in den Vorruhestand gehen kann, dann will ich das auch anderen Frauen beibringen.“

Am Sonntag ging der Markt zwar weiter, aber wegen des heftigen Sturms musste das Programm etwas abgeändert und beispielsweise der Auftritt der Kinderchöre in die Halle verlegt werden. Sicher und sturmfest stand allerdings das Zelt vom „Schwarzen Bock“, in dem bis in den späten Abend gesellig und bei guter Laune die Zimmerner Glühweinkerb gefeiert wurde.

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