Tüftler im Reparaturcafé

Von der Uhr bis zur Kaffeemaschine

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Der Kaffeeautomat, den Hans Düsel (oben links) mitgebracht hat, kann nicht repariert werden. Ronald Hillgärtner kann ihn nicht öffnen.

Groß-Zimmern - Erna Böhm ist auf der einen Seite betrübt. Ihre Kienzle-Wanduhr aus den 1960er Jahren kann Stefan Wüst heute nicht reparieren. Der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik schätzt allerdings, dass die Uhr gar nicht kaputt ist, sondern nur aufgezogen werden muss.

Mangels passenden Schlüssels ist das aber nicht gleich möglich. Wüst hat sich genau wie Ronald Hillgärtner als ehrenamtlicher Bastler beim Reparaturcafé im Mehrgenerationenhaus (MGH) zur Verfügung gestellt. „Ich habe zu Hause viel Werkzeug, aber ich kann kaum alles mitbringen“, sagt Wüst. Deshalb schlägt Angelika Seidler, Mit-Organisatorin des Cafés, vor, dass Menschen, die etwas zur Repararatur mitbringen wollen, vorher anrufen und erzählen, um welches Gerät sich handelt. „Ich repariere auch zu Hause viel für Freunde und Verwandte“, sagt Wüst, „denn ich bin dagegen, gleich alles wegzuwerfen, was nicht mehr funktioniert und dafür etwas Neues zu kaufen.“

Aufgrund seines Berufes und seiner vielen Reparaturen ist Wüst inzwischen richtig fit darin, sich in neue Dinge einzuarbeiten. Hillgärtner sitzt mit Hans Düsel zusammen. Letzterer hat einen kleinen Café-Automaten mitgebracht. Auch hier besteht das Problem darin, das Gerät überhaupt zu öffnen. Am Gehäuse sind Schrauben verpresst, die Hillgärtner daran hindern, das Gerät zu öffnen. Die Männer vermuten, dass manche Geräte so konzipiert sind, damit man sie gar nicht reparieren kann.

„Die wären dann wohl auch teurer.“ Manchmal können also auch die Tüftler nur insofern helfen, als dass sie den Menschen, die Entscheidung erleichtern, ob sie den Gegenstand in die Tonne werfen oder doch einem Handwerksbetrieb anvertrauen sollten. Uhrenbesitzerin Böhm findet das Angebot des Reparaturcafés gut.

„Wenn ich nochmal etwas habe, komme ich wieder.“ Zu Hause wird sie erst einmal schauen, ob sie den Uhrenschlüssel findet und dann entscheiden, ob sie mit dem geliebten Stück zum Uhrmachermeister geht oder wartet bis zum nächsten Café im MGH.

Schwarz und stark: Perfekter Kaffee ist Geschmackssache

Düsel kann nicht sagen, ob er den Kaffeeautomaten wegwirft. Das muss seine Tochter entscheiden, der gehört das Gerät. Dennoch begrüßt auch er, dass es eine Stelle gibt, wo man Geräte anschauen lassen kann. Einmal monatlich wird dieses spezielle Café jetzt wieder bis zu den Sommerferien stattfinden, immer am ersten Dienstag im Monat. Das nächste Reparaturcafé öffnet am 5. April im MGH seine Türen.

Dann wird auch jemand im Reparaturteam sein, der Schmuck wieder auf Vordermann bringen kann. Außer den Elektrogeräten können auch noch Fahrräder repariert werden. Monika Mohring kann zudem bei Textilreparaturen helfen, sie hat ihre Nähmaschine mitgebracht. Wer etwas vorbeibringen will, sollte sich möglichst vorher anmelden unter 618999 – auch um die Frage des benötigten Werkzeugs zu klären.

bea

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