Umwelterziehung im Kindergarten

Waldgeister werden zu Trennmeistern

Machen aus Müll ein Theaterstück: Astrid Geiß (links) und Tom Hicking, unterstützt von Praktikantin Sabrina Merz.

Groß-Zimmern - Mittels Umwelterziehung auch noch die Lachmuskeln trainieren – das macht das Mülltheater möglich. Bereits bei ihrer Premiere in der Kindertagesstätte Hörnertweg hatten Mülli, Kasperle und Großmutter vergangene Woche für viel Gelächter gesorgt. Von Ursula Friedrich 

Nun kreischten und lachten auch die Waldgeister des Waldkindergartens, als das Müllensemble anlässlich der Hessenaktion des „Sauberhaften Kindertages“ in der Einrichtung Station machte. Dabei ist der Hintergrund durchaus ernst: In Deutschland werden gigantische Müllberge produziert, vieleskommt achtlos in den Müll. Und das nicht nur wegen dieser Wegwerfmentalität und den schier grenzenlosen Inspirationen der Verpackungsindustrie, sondern auch, weil Müll häufig falsch entsorgt wird.

Umweltschutz und Müllvermeidung sind zwei Anliegen, die Astrid Geiß, Erfinderin der Initiative Zimmern glänzt, schon den Kleinsten kindgerecht näher bringt –nun sogar besonders kreativ. Mit dem Mülltheater touren Geiß und ihr „Gegenpart“ Tom Hicking durch die Gemeinde, unterstützt von Jahrespraktikantin Sabrina Merz. Das Handpuppentheater mit Geiß als menschliche Zusatzprotagonistin trifft den Nerv des jungen Publikums. „Unser Theaterstück ist für Kindergartenkinder und Schüler der ersten Klassen konzipiert“, so Geiß, die mit ihrem blauen Müllmonster den „guten“ Part im Stück verkörpert. Ihr Gegenpol ist Kasper (alias Hicking), die Personifizierung eines Umweltsünders. Dass ein Bataillon alter Flaschen, Chipstüten, Farbdosen, ja sogar ausrangierte Handys unter seinem Bett zunehmend üble Aromen verströmen, kümmert ihn ebenso wenig, wie das Schicksal der Großmutter, die alles entsorgen muss. Doch wohin? „Schwarze Tonne? Oder in den gelben Sack?“ Die kleinen Geister der Waldschule sparen nicht mit Empfehlungen. Schließlich sind sie vorbereitet, denn bereits vor vier Wochen sammelten die 18 Knirpse im Wald Müll. „Das Pfand für die vielen Flaschen hat sogar für zwei große Tüten Gummibärchen gereicht“, erklärt Erzieherin Anne Mittendorf.

Auch Geiß ist mehrfach mit unterschiedlichen Gruppen gestartet, um Zimmern vom Müll zu befreien. Gerade die Landesaktion „Sauberhafter Kindertag“ macht in der gesamten Region junge Müllsammler mobil. In Zimmern gab es unter dem Motto „Sammeln statt Gammeln“ für den Eifer vom Ministerium bereits Bestnoten. Geiß sieht Müllsammlungen inzwischen kritisch: „Wenn Kinder aus Eigeninitiative sammeln möchten, dann ist das in Ordnung, aber letztlich räumen sie meistens weg, was Erwachsene weggeworfen haben.“

Spielkreis statt Kneipentour: Wenn Freunde Eltern werden

Damit es zum Wegwerfen in Feld und Flur erst gar nicht kommt, genießen bereits die Kleins- ten kurzweilige Umweltpädagogik, denn das Umwelttheater wird keine Eintagsfliege bleiben, sondern auch weiterhin auf Tournee gehen. Und trotz des ernsten Themas, ist eine vergnügliche Stunde vorprogrammiert.

Die gemeinsame Theaterinitiative von Zimmern glänzt und der Kinder- und Jugendförderung lebt von ihren Protagonisten, die sich die Bälle mühelos zuschießen.Und sie lebt von viel Improvisation sowie dem Humor Tom Hickings, der mit dem hohen Piepsestimmchen der Großmutter auch mal lauthals das Lied „Atemlos durch die Nacht“ schmettert.

Kommentare