In Zimmern gibt es viel Unterstützung für Flüchtlinge

Willkommenskultur wird hier gelebt

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Auch in Klein-Zimmern sind Flüchtlinge untergebracht, hier treffen sie sich mit Klein-Zimmernern im St. Barbara-Haus. 

Groß-Zimmern - Das Thema Flüchtlinge ist zurzeit in Deutschland in aller Munde, dazu gehört auch das Wort Willkommenskultur. In Groß-Zimmern wird diese gelebt, für Flüchtlinge gibt es zahlreiche Angebote. Von Ulrike Bernauer 

Da ist als erstes der Arbeitskreis Flüchtlinge zu nennen, der sich um viele Belange der Menschen aus den fernen Ländern kümmert. Rund 40 Personen gehören ihm an, viele von ihnen sind sehr aktiv. Aufgaben gibt es zahlreiche. Etwa, wenn die Flüchtlinge damit überfordert sind, Formular auszufüllen, sei es für eine Anmeldung oder eine Kontoeröffnung bei einer Bank. Aber auch in ganz alltäglichen Dingen brauchen die Neuankömmlinge Hilfe, sie kennen sich schließlich in ihrer Gastgeberkommune nicht aus.

Beim Arbeitskreis Flüchtlinge gibt es Ehrenamtliche, die eine Patenschaft beispielsweise für eine Familie übernehmen, es gibt aber auch Bürger, die ganz punktuell einmal einspringen, wenn beispielsweise eine Fahrt zum Arzt zu übernehmen ist. Hierbei ist auch der Ortsverein des Roten Kreuzes involviert, der weitere Fahrten zu Ärzten oder Kliniken übernimmt. „Das bringt auch Vorteile, weil die Versicherung über das DRK läuft“, sagt Jugendpfleger Tom Hicking, der im Rahmen des Programmes „Soziale Stadt“ auch für den Arbeitskreis Flüchtlinge zuständig ist.

Das Erlernen der deutschen Sprache ist für die Flüchtlinge ein ganz wichtiges Thema. Die Kinder können sie sich leichter aneignen, wenn sie Kindergarten oder Schule besuchen.

Für die Erwachsenen werden zwei Deutschkurse angeboten, die von zwei Ehrenamtlichen übernommen werden. Hier gibt es in der Unterrichtszeit sogar eine Betreuung für die Kinder der Teilnehmer. Für die Schulkinder gibt es an der Albert-Schweitzer-Schule ein besonderes Modell. Die Kinder besuchen keine besonderen Förderklassen, sondern nehmen an Regelklassen teil. Einige Stunden verbringen sie allerdings nicht in ihren regulären Klassen, sondern sie erhalten noch einen besonderen Förderunterricht. Hier wird nicht nur Deutsch gelernt, sondern auch die Gemeinde erkundet.

In Groß-Zimmern gibt es auch verhältnismäßig viele Kinder unter den Flüchtlingen. So unterhält das St. Josephshaus der katholischen Kirche ein ganzes Haus für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Diese werden hier betreut bis sie volljährig sind, manche in besonderen Fällen auch darüber hinaus.

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Vom Arbeitskreis Flüchtlinge wird auch das Sozialkaufhaus geleitet, dessen Angebot sich nicht nur an die Neuankömmlinge aus fernen Ländern richtet, sondern an alle sozial bedürftigen Menschen. Bis zu den Sommerferien war es im Kinder-, Jugend- und Nachbarschaftszentrum angesiedelt. Im Moment wird allerdings nach neuen Räumlichkeiten gesucht. Wenn das Sozialkaufhaus wieder eröffnet, dann hat es neben Kleidern auch Geschirr und Dinge des täglichen Bedarfs im Angebot.

Relativ neu ist eine Zusammenarbeit mit Groß-Zimmerner Vereinen. Der Turnverein und die beiden Fußballvereine, FSV Groß-Zimmern und Viktoria Klein-Zimmern, bieten Flüchtlingen Trainingsmöglichkeiten an. Eine Frau aus Eritrea spielt beispielsweise seit neuestem im Turnverein Volleyball, weiß Ulrike Schultheis, Koordinatorin des Arbeitskreises Flüchtlinge.

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Selbstverständlich ist auch die Gemeinde in die Flüchtlingsarbeit involviert. Sie ist per se zuständig für die Unterbringung der Flüchtlinge und Asylbewerber, die ihr vom Landkreis zugewiesen werden. Allerdings geht das Engagement der Gemeinde noch darüber hinaus. Sie versucht denjenigen, die schon ein wenig länger da sind, auch den Einstieg in die Arbeit zu ermöglichen. Gefragt sind hierbei Vereine, in denen Flüchtlinge erst einmal auf 1,50-Euro-Basis mit Hand anlegen. Das hat für die Vereine und die Neuankömmlinge Vorteile. Letztere lernen besser Deutsch und bekommen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, die Vereine haben Unterstützung bei ihrer Arbeit.

Zusätzlich gibt es noch den internationalen Frauentreff, der einmal monatlich im Haus Elisabeth in Groß-Zimmern stattfindet. „Es ist auch geplant, dass wir einen regelmäßigen Treff im JUZ einrichten“, sagt Tom Hicking.

Allerdings stoßen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Arbeitskreises Flüchtlinge mitunter an ihre persönlichen Kapazitätsgrenzen. Neue Mitstreiter für unterschiedlichste Aufgaben werden also gesucht. Der Arbeitskreis trifft sich das nächste Mal am Montag, 14. September, um 19 Uhr im Mehrgenerationenhaus. Vorher kann man aber auch Ulrike Schultheis, die Koordinatorin des Arbeitskreises, unter s  06071 71265 kontaktieren.

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