Vereinsteam berichtet in Zimmern

Frauen helfen Frauen: Nein zu Gewalt

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Aktiv gegen Gewalt an Frauen und Kindern: Haiyan Held und Ursula Pavez Sandoval (r.).

Groß-ZImmern - „Er war im Stress, ihm ist die Hand ausgerutscht“, oder: „Er schlägt nur, wenn er getrunken hat. “ Häusliche Gewalt wird häufig verharmlost, heruntergespielt und als „Privatsache“ abgetan. Von Ursula Friedrich 

Nur allmählich löst sich das ewige Tabuthema aus der gesellschaftlichen Starre. Der Verein „Frauen helfen Frauen“ mit Sitz in Dieburg arbeitet seit Jahren daran, mit Opfern einen individuellen Weg aus der Gewalt zu finden. Die Problematik schilderten die engagierten Frauen jetzt bei einem Treffen in Groß-Zimmern. Auch Polizeibeamte werden inzwischen stärker sensibilisiert, die Rechtsprechung zugunsten der Opfer gestärkt. Im Vorjahr wurden allein in der Amtsanwaltschaft Frankfurt 2 025 Verfahren aufgrund häuslicher Gewalt und 369 Verfahren wegen Stalkings eingeleitet. Häusliche Gewalt ist ein gesellschaftliches Dauerthema. Der Verein „Frauen helfen Frauen“ hat sich daher für das kommende Jahr zum Ziel gesetzt, mehr Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben.

Für Betroffene ist der Gang zur Beratungsstelle in Dieburg oft ein schwerer. „Was alle Opfer verbindet ist die Scham“, berichtete Ursula Pavez Sandoval. „Das berührt mich immer wieder. Frauen schämen sich zutiefst für ihre Ohnmacht und die erfahrene Erniedrigung.“ Anlässlich des weltweiten Aktionstages „Nein zu Gewalt an Frauen“ am 25. November berichtete das Vereins-Team im evangelischen Gemeindezentrum Groß-Zimmerns über seine Arbeit, Schwierigkeiten und kleine Erfolge. „Den Tätern geht es um Macht und Kontrolle“, sagte die Leiterin der Beratungsstelle. Betroffene fänden sich in allen Gesellschaftsschichten, vom Akademiker bis zum einfachen Arbeiter.

Mit vier Frauen versucht das Team Opfern individuelle Auswege aus der Gewalt zu zeigen. „Unsere Beratung ist vertraulich, auf Wunsch anonym und kostenlos“, erklärte Haiyan Held, eine des Mitarbeiterinnen des Kleeblatts. Wenn Gewaltsituationen eskalieren, wird Frauen und Kindern ein Schutzraum im Frauenhaus geboten, das 20 Plätze bietet und das einzige im Landkreis Darmstadt-Dieburg ist. „Die Frauen bleiben bei uns zwischen einem Tag und einem Jahr“, berichtete die Sozialpädagogin, die wie ihre Kolleginnen außerdem zahlreiche Zusatzqualifikationen absolviert hat.

Die lange Verweildauer im Frauenhaus wirft den Fokus auf ein weiteres Problem. „Seit Anfang des Jahres haben wir massive Probleme, bezahlbaren Wohnraum für alleinerziehende Mütter zu finden“, beklagte Pavez Sandoval. Geplant ist daher, 2016 eine weitere Wohnung als Notunterkunft anzumieten, die zudem auch behindertengerecht sein soll. „Warum packt sie nicht einfach die Koffer?“ Dass dieser oft achtlos ausgesprochene Satz an vielem scheitert, ist leidvolle Erfahrung der Sozialpädagoginnen. „Wer sich entscheidet, den Mann zu verlassen, für den fangen die Probleme erst an“, beschreibt Pavez Sandoval aus Erfahrung. „Die Gefährlichkeit der Situation steigt.“

Auch, wo dieser endgültige Schritt nicht getan wird, weil den Opfern jahrelangen Martyriums Mut und Kraft fehlen, suchen die Profis nach Hilfestellungen. Sicherheitspläne werden entwickelt, und sei es nur, dass Nachbarn einen Wohnungsschlüssel erhalten, oder die Order, die Polizei zu verständigen. Manchmal ist es auch im Beratungsteam nötig, Supervision zu betreiben, oder mit der Kollegin zu sprechen, um das Leid der Opfer, mit dem man täglich konfrontiert wird, zu bewältigen. Ein Schlüssel des Überlebens in diesem Beruf sei es, kleine Erfolge zu feiern. Etwa wenn eine Frau nach drei Jahren mit der festen Absicht wiederkommt: „Jetzt bin ich bereit.“ 462 Beratungsgespräche haben die Aktiven von „Frauen helfen Frauen“ im Vorjahr geführt. 173 Frauen und 115 Kinder nahmen ihre Hilfe in Anspruch.

Der Verein hat seinen Sitz in der Rheingaustraße 21 in Dieburg,   25666, email: beratungsstelle@frauenhelfenfrauen-da-die.de.

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