Große Parteien geben Stimmen ab

Verluste bei SPD, CDU und Grünen

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Am Mittag standen die Wähler vor einigen Wahlbezirken sogar in der Schlange. In der Mehrzweckhalle wurde viel diskutiert.

Groß-Zimmern - In der Gemeinde ist zunächst kein kommunalpolitischer Erdrutsch in Sicht. Nach dem gestrigen Trendergebnis, das bis zum Redaktionsschluss vorlag, hat besonders die SPD Einbußen zu verzeichnen. Das Minus von 6,4 Prozent dürfte den Genossen zu Denken geben. Von Gudrun Fritsch

Wahlhelferin Gaby Wolf und Kati Reum, die seit 1998 in Zimmern lebt und regelmäßig zur Wahl geht.

Auch CDU und die Grünen verlieren, haben sich in der Wählergunst allerdings mit Verlusten von 2,5 und 0,7 Prozent nur relativ geringfügig verändert. Die Zimmerner Liste (ZiLi) mit Janek Gola an der Spitze kommt aus dem Stand auf 9,3 Prozent und die FDP ist mit einem Plus von 4,7 Prozent nicht nur deutlich besser als 2011, sondern kann auch das Ergebnis von 2006 (damals 4,4 Prozent) klar steigern. Allerdings rutscht sie mit insgesamt 7,2 Prozent hinter die ZiLi auf den vierten Platz der Parteien. Das vorläufige Zwischenergebnis, das Trendeergebnis, kann sich nach Auszählung der Listenkreuze jedoch noch stark verändern. Gestern Abend konnten in den zehn Wahlbezirken der Gemeinde (davon zwei Briefwahlbezirke) nur die Listenstimmen und die eindeutig ungültigen Stimmen ausgezählt werden. Wahlleiter Stefan Herbert hatte am Sonntag einen sehr langen Arbeitstag, auch einige andere Helfer haben im Rathaus reichlich Überstunden gemacht. Doch an Ausschlafen ist nicht zu denken, denn heute muss Herbert um 7.30 wieder vor Ort sein und auch morgen noch werden die kumulierten und panaschierten Stimmen weiter ausgezählt. „Mit einem vorläufigen amtlichen Endergebnis kann wohl frühestens am Dienstagabend gerechnet werden“, Herbert.

Da die Freien Wähler, die bei der Wahl 2011 noch 2,8 Prozent der Stimmen erhielten, jetzt nicht mehr angetreten sind, wurden deren „Verluste“ unter dem Minus der „Sonstigen“ (4,4 Prozent) verzeichnet. Unterzieht man das erste Ergebnis einer kurzen Analyse, so fällt ins Auge, dass die größten Verluste der SPD in den Wahlbezirken vier (Minus 16,6) und drei (Minus acht Prozent) liegen. Die CDU verliert die meisten Stimmen im Briefwahlbezirk eins (neun Prozent) und in Klein-Zimmern (6,4 Prozent). In Eben diesen Bezirken hat die ZiLi die meisten Wähler: Bezirk drei mit 16,6, Bezirk vier 13,8 und Klein-Zimmern 12,7 Prozent. Man könnte also spekulieren, dass es eine Wählerwanderung von SPD und CDU zur rechten Zimmerner Liste gibt.

Die Wahlbeteiligung schien bis zum Mittag recht gut, am Abend lag sie bei 47,3 Prozent. 2011 haben zwar mit 55,6 Prozent deutlich mehr Wähler von ihrem Recht Gebrauch gemacht, allerdings war zeitgleich auch die Bürgermeisterwahl. Vor einigen Wahllokalen in der Mehrzweckhalle bildeten sich sogar Schlangen. Das hatte jedoch eventuell auch mit der längeren Verweildauer der Menschen in den Kabinen zu tun. „Viele kommen mit einem Spickzettel und haben sich anscheinend genau vorbereitet“, berichtete Wahlhelferin Gaby Wolf, die auch für die SPD kandidiert. Häufig wurde über die teils handtuchgroßen Zettel gescherztund eine Forderung wurde oft wiederholt: „Die Kabinen müssen unbedingt der Größe angepasst werden.“ Mit Schrecken blickten diejenigen auf die großen Faltbögen, die sich zuvor noch nicht mit der Wahl befasst hatten. „Mich hat ein Mann ganz entsetzt gefragt, wie viele Kreuzchen er denn machen darf“, sagte Oriana Hiemenz.

Gut informiert war Kati Reum. Seit 1998 lebt sie in Zimmern und geht regelmäßig wählen. „Ich finde es wichtig, weil man so doch wenigstens die Möglichkeit hat, seine Meinung kund zu tun und eventuelle radikale Tendenzen vielleicht zu verhindern“, sagte sie. Besonders wichtig sind der Mutter eines siebenjährigen Kindes Themen wie Kita und Schule. Mit wie vielen Sitzen die Parteien und Gruppierungen in die Gemeindevertretung einziehen werden ist noch unklar, zumal die Zahl der Parlamentarier in Groß-Zimmern aktuell auf 31 reduziert wurde.

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