Erfahrene Förster denken hundert Jahre voraus

Waldwirtschaftplan: Jeder bekommt sein Holz

Groß-Zimmern - Spannend, lehrreich und informativ waren die Berichte von Revierförster Martin Starke und Forstamtsleiter Helmut Seitel am Donnerstag im Haupt- und Finanzausschuss. Von Gudrun Fritsch 

Starke bot zunächst einen Rückblick auf das Jahr. Angefangen von der Waldweihnacht über Fortbildungen, Pflanzungen, Feierlichkeiten – unter anderem zum zehnten Geburtstag der Waldschule – bis hin zum Aufstellen neuer Bänke oder Tafeln wurde deutlich, dass im Wald viel los ist. Zentrale Themen des Berichtes über den Zustand des Waldes war das Eschentreibsterben (siehe oben) und der Umgang mit dem bedrohlichen Eichenprozessionsspinner. Auch wenn dem aus Südostasien importierten Pilz, der für das Eschensterben verantwortlichen ist, bei der Bekämpfung von resistenten Krankenhauskeimen eine positive Eigenschaft zugeschrieben werden könne, verlaufe seine Präsenz für die Bäume zumeist tödlich.

In der Region ist der Zimmerner Gemeindewald am stärksten betroffen, da hier Eschen auf rund 35 Hektar stehen. Ein kleiner Trost: Das Holz lässt sich sehr gut vermarkten, sofern es zügig in den Verkauf gelangt. Schwierig sei die Bekämpfung des Pilzes, der unbeschadet auch harte Winter überlebt. Nicht alle Eschen sind jedoch betroffen. „Bundesweit sind etwa drei Prozent der älteren Bäume resistent“, sprach Seitel die Hoffnung der Naturschützer aus, mit diesen Bäumen den Bestand zu retten. „Die Welt ist ein Dorf geworden“, sagte Seitel und bezog sich damit auch auf die Probleme mit dem Eichenprozessionsspinner. Auch aus diesem Grund müssten erfahrene Förster hundert Jahre vorausdenken können.

Die gefürchteten Raupen kommen an allen Eichen-Arten vor und bevorzugen warme Regionen, das heißt lichte Eichenwälder, Waldränder und Einzelbäume. Neben den Fraßschäden liegt die eigentliche Schadwirkung des Eichenprozessionsspinners in den gesundheitlichen Auswirkungen der Raupenhaare auf den Menschen. Die Berührung oder das Einatmen können beim Menschen zu heftigen Allergien führen. „Bei uns wird zu biologischen Schädlingsbekämpfungsmitteln gegriffen“, sagte Seitel. Doch die Wirkung sei kaum flächendeckend möglich, da die Insektizide die Raupen nur in einer bestimmten Entwicklungsphase vernichten könnten.

Der Schwarzwald wird wild: Nationalpark entwickelt sich

Großes Lob fand der Forstamtsleiter für das Projekt Messeler Hügelland als eine Maßnahme der Daseinsvorsorge. „Hier wurde mit wenig Geld viel erreicht“, betonte er. Mit viel Zeitaufwand führten die Förster jährlich rund 4 600 Kinder durch den Wald, bisher gab es für das auslaufende Projekt 50.000 Euro pro Jahr. Sehr positiv fanden auch die Ausschussmitglieder diese Arbeiten und Zahlen aus dem Wald. Reiner Raab von den Grünen wollte wissen, woher die Differenz zwischen Plan- und Ist-Zahlen beim Holzeinschlag komme (siehe Kasten). Der Unterschied liege nicht daran, dass es einen Überschuss an bestimmten Baumarten gebe, sondern an der Natur, die sich mit Witterung oder andere Einflüssen nicht an Pläne halte, so Starke. Auch die Nachfrage von Bürgern könne befriedigt werden. „Jeder bekommt sein Brennholz“, betonte der Förster.

Der Waldwirtschaftsplan steht ebenso wie die Einbringung des Haushaltes 2017 auf der 14 Punkte umfassenden Tagesordnung des Parlaments am Dienstag, 15. November. Die öffentliche Sitzung im Rathaus (Obergeschoss) beginnt um 20 Uhr.

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