Obst lieber von hier als bei Apple Store

Frauen feiern eben anders

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Die Närrinnen schauten bei der Weiberfastnacht nicht nur zu, sondern wurden bei Polonaisen auch selbst aktiv.

Groß-Zimmern - Es toben die Närrinnen bei der ökumenischen Frauenfastnacht. Im Pfarrheim wurde am Donnerstagabend ein tolles Programm geboten. Von Ulrike Bernauer

Bei den Ihring-Schwestern, die als Bänkelsängerinnen auftraten, flossen etliche Lachtränen. Sie hatten sich bei ihrem Gesang auch Pfarrer Christian Rauch vorgenommen. „Unsern Pfarre wird des Joahr doch 40, des iss bis dohee nit mäi weit. Unn sou loangsoam merkt er bei sich selbst, noagt an ihm auch der Zahn der Zeit. Beim Frisör woar er gonz verwunnert: häbb ich echt sou wenisch Hoarn?. Ja! Deshalb wers aach bisje dairer, zum Hoarschnitt kommt Finderlohn.“ Ganz explizit wünschten sich die beiden Schwestern im Gegensatz zu den vorherigen Jahren am Ende des Vortrages keinen Kuss vom Pfarrer, sondern vom Dekan.

Selten war Rauch so schnell auf der Bühne, um die zwei Bänkelsängerinnen zu herzen. Auch Elisabeth Schaffer hatte vorher für etliche Lacher gesorgt. Sie hatte Probleme mit der Technik. Das fange schon früh morgens an, wenn die Kaffeemaschine statt für das schwarze Gebräu zu sorgen, erst einmal ein Gespräch beginnen will. „Dou emal paar Bohnen nin“, sagt das Gerät, um dann noch Wasser und eine Entkalkung zu fordern. Schlussendlich fährt die Rednerin entnervt und ohne Kaffee ins Büro. „Whatsapp, Facebook, all die Sache, solle’s Lewe leichter mach. Smartphones, Tablets, Touchscreenpads un die neumodische Ferz. Email, Google, Gmx, für mich daacht des alles nix. Ihr könnt im Apple Store ruhig sein, ich kaaf moi Obst beim Birkenhof ein.“

Emanze in allen Lebensbereichen

Milli Stumpf outete sich als Emanze. Nachdem Frauen in allen Lebensbereichen die Oberhand gewonnen haben, wollen sie nun auch die Politik übernehmen. „Wir bringen den Laden schon wieder in Schuss, denn was die Männer da machen, das ist doch Stuss. Mer werden das Staatsschiff schon richtig lenken, denn Männer, die können ja nicht richtig denken.“ Dafür erhielt die Emanze viel Applaus. Musiker Gerhard Kuhr hingegen kommentierte diesen Satz mit einer sehr gequält klingenden Fanfare.

Ein bisschen anders hatte sich Elke Thill emanzipiert. Sie schwärmte von den Damen ab 70. „Ja die Schwäche der Männer, die haben mir entdeckt. Mir aber sind in der Küche und im Schlafzimmer perfekt. Wir trinken kein Schnaps - mir lebe gesund“, erklärte Thill und provozierte mit dem letzten Satz einen heftigen Einspruch von Pfarrer Christian Rauch, den Thill natürlich sofort konterte, indem sie dem Pfarrer damit drohte, ihm kein Kartoffelgemüse mehr zu bringen, was den geistlichen Herrn sofort verstummen ließ.

Elfriede Burger, als Fraa von de Besch, musste zur Kur, „in Urlaub geschickt uff Krankeschoi.“ Natürlich lacht sich die Zimmnerin einen Kurschatten an, erlebt aber mit ihm wenig Spannendes. „Fühl dich wie zu Haus“, sagt sie zu ihm, „da zeiht der gleich sei Klamoote aus, macht de Fernseher ou und huppt in mei Bett und schläft sofort ein, ach was war des nett.“

Katharina Fischer glänzte als Kleingärtnerin, die aber nach einiger Gartenarbeit zum Schluss kam, dass sie ihren Garten lieber zubetoniert und dann grün anstreicht, um anschließend ungestört rauschende Gartenfeste feiern zu können. Gaby Geier erteilte den Närrinnen Nachhilfeunterricht im Zimmnerisch, was viele der Damen gar nicht benötigten. Sie konnten in der Regel die Übersetzungen vom Hochdeutschen ins Zimmnerische synchron mitsprechen. Dass auf diesen Beitrag die gemeinsam gesungene Nationalhymne folgte, war absolut konsequent.

Frauenfastnacht in Groß-Zimmern

Frauenfastnacht in Groß-Zimmern

Waltraud Emig hatte die Sitzung eher ernst begonnen. Sie forderte neben der Integration von Flüchtlingen, die sie begrüßte, auch mehr Achtung und mehr Menschlichkeit für Jugendliche, die sich in der Gemeinde engagieren. Die Damen und vereinzelten Herren im Publikum konnten nicht nur die Reden genießen, sondern auch drei Tanzvorführungen sehen. Den Anfang machte die Garde des Turnvereins mit ganz neuen, jungen Frauen, die ihren Tanz genauso perfekt vorführten wie die altbewährte Garde. Auf die Bühne kamen auch die Huppdohlen. Sie verteilten als „Sarotti-Mohren“ erstmal Süßes, bevor sie die Zuschauer mit ihrem Tanz und nicht nur mit ihren Kostümen begeisterten.

Zuletzt präsentierten sich die Elfchen, diesmal nicht in einheitlichen Kostzümen, sondern als Engelchen und Teufel gekleidet. Auch sie durften, wie alle anderen Tänzerinnen, nicht ohne eine Zugabe vor der Bühne gehen.

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