Cybermobbing verhindern: Präventionskonzept der ASS macht Eltern und Lehrer aufmerksam, Schüler werden zu Mentoren

Wenn der ehemalige Freund zum Opfer wird

Groß-Zimmern - „Wir haben die Kinder bewaffnet“, sagt die Schulpädagogin Bärbel Tippe. Mit Handys, Smartphone, Laptop und Co. werden schon die Jüngsten zu Tätern im Worldwideweb (www).

Mit einem umfassenden Präventionsprogramm hat die Albert-Schweitzer-Schule (ASS) auf die Herausforderung reagiert, eine neue Smartphone-Generation über die Gefahren der Medien aufzuklären. „Wir leisten bereits seit 15 Jahren Präventionsarbeit“, berichtet Tippe.

Als eine der ersten Einrichtungen im Landkreis wurde für die Gesamtschule in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendförderung der Gemeinde ein Konzept mit dem Schwerpunkt Gewalt entwickelt.

Das Programm körperlicher Auseinandersetzungen wurde von einem abstrakten verdrängt: Cybermobbing. In sozialen Netzwerken wie Facebook und Whats App wird der ehemalige Freund zum Opfer, der beliebte Banknachbar zum Gespött der Klasse. Es wird denunziert, gelogen, gehetzt, Fotos und Filmchen werden publiziert (neudeutsch: gepostet).

Bundesweit ist jeder sechste Schüler von Mobbing betroffen. Nach zum Teil gravierenden Vorfällen auch an der ASS hat die Schule reagiert. „Wir mussten intervenieren“, erläutert Tippe, die auch in Zusammenarbeit mit dem Schulelternbeirat einen Informationsbrief an alle Eltern verschickte und einen Elternabend veranstaltete. „Das Cyberspace ist eine Weilt, in der Ältere kaum noch Schritt halten können“, gibt die Üädagogin zu bedenken. „Und viele Eltern sind völlig arglos.“

Das Präventionskonzept zielt auch auf die Aufklärung der Erziehungsberechtigten, in Workshops werden Lehrer fit gemacht. Vor allem aber wendet sich das Angebot an die 870 Schüler in allen Schulzweigen. Allein im Rahmen der Projektwoche werden drei Tage für Präventionsunterricht genutzt. Nach wie vor spielen dabei auch die Themen Interkulturelles und soziales Lernen, Gewalt und Sexualität eine Rolle.

Derzeit wird für den Jahrgang sechs ein Workshop angeboten: „Wie gehen wir mit Medien um?“, der in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg durchgeführt wird und jede Menge Spaß macht. Im Rollenspiel mit Messer, Gabel und Löffel erfahren die Schüler der G6b, welchen Weg Informationen nehmen können und wo eventuell Gefahren lauern.

Die Schweizer-Schule setzt auf Aufklärung. „Die Bestrafung steht nicht im Vordergrund“, erklärt Jutta Berger, Lehrerin an der ASS.

Kommt es zu einem einmaligen Verstoß, wird mit- einander gesprochen, aufgeklärt, der Versuch unternommen, Empathie zu entwickeln: Wie fühlt sich der andere?

Die Mediation mündet in einen Vertrag, der den Schüler verpflichtet, sein Verhalten nicht zu wiederholen und die Zivilcourage zu zeigen, Verstöße zu melden.

Weil man nicht mit erhobenem Zeigefinger vorgehen möchte, werden „digitale Helden“ für die Mediation eingesetzt. Schüler werden zu Mentoren ausgebildet und engagieren sich für das soziale Gefüge an der ASS.

Neun Jugendliche aus den Jahrgängen acht bis zehn haben sich inzwischen zu digitalen Helden ausbilden lassen. Kommt es trotz Prävention und Mediation zu Mobbing im Internet, ist ein Schulverweis nicht ausgeschlossen. Cybermobber machen sich nämlich strafbar. „Ab dem 14. Lebensjahr ist man strafmündig, vorher werden Eltern zur Verantwortung gezogen“, hebt Tippe hervor. J ula

Kommentare