Gebäude des einstigen Kinderladens Kinderfrei(t)räume komplett umgebaut

Wieder Flüchtlinge in der Röntgenstraße

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Die Zimmer bieten alles, was man fürs Erste braucht.

Groß-Zimmern - Gibt es in diesem Fall einen „genius loci“? Unweit der ehemaligen Sammelunterkunft, in der während der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zahlreiche Asyl- bewerber aus der Türkei, aus Kurdistan, Afrika und später auch vom Balkan untergebracht waren, ist jetzt eine neue eröffnet worden. Von Klaus Holdefehr 

„Wir haben uns damals gut verstanden mit den Menschen, die im heutigen Apart-Hotel wohnten, und manche Kinder waren auch hier im Kindergarten“, erinnert sich Sabrina Neri. Diese Erfahrung habe mit dazu beigetragen, das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus der Familie Lauria zur Flüchtlingsherberge umzubauen. Wenige Wochen nach der Fertigstellung des Hartmann-Komplexes an der Angelgartenstraße mit 54 Plätzen (wir haben berichtet) ist damit nun in Groß-Zimmern eine weitere Unterkunft mit bis zu 56 Plätzen betriebsbereit. Damit werden in der Gemeinde unter Einbeziehung des Hartmann-Hauses in der Bahnhofstraße jetzt 160 Plätze für Flüchtlinge in drei Sammelunterkünften bereit gestellt. Hinzu kommen einige Privatunterkünfte sowie das „Haus Elisabeth“ in Klein-Zimmern.

Sabrina Neri ist Tochter des Bauunternehmers Antonio Lauria. Der kleine, zupackende Mann mit transalpinem Reibeisen-Charme hat natürlich Regie geführt beim Umbau seines 1993 entstandenen Hauses, bei dem es nicht zuletzt darum ging, die große Fläche des ehemaligen Kinderladens im Erdgeschoss in kleinere Einheiten zu filetieren. Das wird von außen vor allem deutlich an der geänderten Fensterfront: Die einst weit gespannte gläserne Transparenz ist mit einer Teilsatinierung versehen worden, die neugierigen Passanten den Einblick verwehrt.

Die Famiglia, von links: Sabrina Neri, Ehefrau Rosaria Lauria, Vater Antonio Lauria sowie Schwiegervater und Patron Raffaele Azzarello.

Drinnen geht’s ein wenig verschachtelt zu, so dass man sich für einen Moment in einem Labyrinth wähnt. Der Zuschnitt der Zimmer ist nicht eben üppig, die Zahl der Betten variiert von einem bis vier, korrespondierend zur Raumgröße. Farbig gemusterte Bettwäsche gibt dem ansonsten eher kargen Raum eine freundliche Note. In der Mitte stehen Tische und Stühle entsprechend der Anzahl der Betten. Und jedem Bewohner stehen zwei Blechspinde zur Verfügung, von denen einer zum Teil bereits durch Wechsel-Bettwäsche, Geschirr und Besteck belegt ist. So ist jedenfalls die Idee der Laurias: Jeder Flüchtling hat seinen persönlichen Hausrat. Und in jedem der Zimmer gibt es einen Kühlschrank.

Die Küche – eine pro Etage, außer für die ebenfalls ausgebauten Kellerräume, die dem Erdgeschoss angegliedert sind – ist zugleich Gemeinschaftsraum. Einen weiteren, größeren Versammlungsraum gibt es oben unter dem Dach.

Unwillkürlich stellt sich als Bild ein, wie eine der im Groß-Zimmerner Asylkreis engagierten pensionierten Lehrerinnen hier Deutschunterricht erteilt. Nebenan ist ein Büro, „für Frau Bruckmann“, wie Sabrina Neri mit Hinweis auf die kommunale Flüchtlingsbeauftragte Sandra Bruckmann sagt. Die Sanitärräume sind nach Geschlechtern getrennt, die Duschen mit Plastikwänden vom restlichen Raum abgeteilt. Über die Halbwertzeit dieser Lösung wird es Diskussionen geben. Ebenso zum Thema Mülltrennung, für die es zumindest eine Reihe getrennter Behältnisse gibt, und eine Anleitung durch Piktogramme. Manche Wohnbereiche haben eigene Sanitärräume, was damit zu tun hat, dass die oberen Etagen von der Eigentümer-Familie bewohnt wurden. Diese etwas komfortableren Bereiche denkt die Familie künftig den Familien mit Kindern zu.

Zehn Plätze gibt es im Kellerbereich, wo zu diesem Zweck eigens die Fenster vergrößert worden sind. 18 Plätze bietet das Erdgeschoss, 16 sind es im ersten Stock, zwölf unterm Dach. Die Flüchtlingsbeauftrage Bruckmann wird stundenweise im Haus sein. An einen fest beauftragten Hausmeisterdienst denken die Laurias zwar nicht, aber der Lagerplatz fürs Bauunternehmen von Antonio Lauria ist direkt hinterm Haus, so dass es immer wieder Anlass gibt vorbeizuschauen, und zum Gebäudekomplex gehören zwei Wohnungen für Mitarbeiter des Bauunternehmens, so dass die allermeiste Zeit potenzielle Helfer in der Nähe sind. Außerdem steht hinter dem Projekt eine italienische „familigia“, zu der unter anderem auch Antonio Laurias Ehefrau Rosaria und sein Schwiegervater Raffaele Azzarello gehören. Am Donnerstagvormittag waren sie alle recht aufgeregt, denn sie erwarteten die ersten Bewohner und die wollten sie bei sich aufnehmen wie Gäste.

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