Für barrierefreie Wohnungen ist der Bauantrag gestellt

Was wird aus dem „Haus Hirschkopf“?

Wo der Dauerregen einen kleine See gebildet hat, sollen Wohnungen für Menschen mit Handicps entstehen. Links die in Sanierung befindliche alte Friedensschule, im Hintergrund der rückwärtige Giebel von Haus Hirschkopf. Längst zum Einhorn geworden ist der Hirsch am Giebel an der Wilhelm-Leuschner-Straße. Laut Bauherr Janek Riedl muss er aber auch nicht erhalten werden. - Fotos (2): Holdefehr

GROSS-ZIMMERN - Wohl noch in diesem Jahr werden 18 Menschen mit Handicaps im Projekt betreuten Wohnens der Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) in Groß-Zimmern eine neue Bleibe finden. Der Neubau wird auf dem Areal der früheren Wirtschaftsgebäude von „Haus Hirschkopf“ entstehen. Von Klaus Holdefehr

Was aus dem denkmalgeschützten Wohnhaus an der Wilhelm- Leuschner-Straße wird, ist allerdings noch völlig unklar.

Schnell und ziemlich einmütig haben die Groß-Zimmerner Kommunalpolitiker Baurecht geschaffen, nachdem ihnen das Projekt Mitte vergangenen Jahres erstmals präsentiert wurde. Hilfreich war dabei, dass es sich um ein Vorhaben im Innenbereich handelt, für das ein vereinfachtes Verfahren gilt.

Zu diesem Zeitpunkt waren die nach Jahrzehnten des Leerstands baufälligen Nebengebäude mit Zustimmung der Unteren Denkmalschutzbehörde bereits niedergelegt.

Das Wohnhaus selbst und der zugehörige Torbau hatte die Behörde allerdings vor einigen Jahren als „Denkmal“ eingestuft – sehr zur Überraschung der Gemeinde Groß-Zimmern, die kurz zuvor das Objekt mit Mitteln aus der Ortskernsanierung erworben hatte, um auf dem Gesamtgelände zusätzlichen Parkraum für das Ortszentrum zu schaffen. Das ging nunsomit nicht mehr, auch Interventionen auf dem „kurzen Dienstweg“ in Wiesbaden fruchteten nichts, und so verkaufte die Gemeinde die Immobilie – wohl ohne finanziellen Verlust – an das Unternehmen Riedl Bau aus Gundernhausen weiter.

Für das Rohbauunternehmen erschien die innerörtliche Lage des bebaubaren Grundstücksteils attraktiv, und mit dem Partner NRD wurde ein Nutzungskonzept gefunden, das Menschen mit Handicaps mitten im Ort, mitten im Leben ansiedelt und als Facette der Inklusion angesehen werden darf.

Mit großem Wohlwollen wurde ein Bebauungsplan aufgestellt, dessen Geltungsbereich die zu erhaltende Bausubstanz mit einschließt.

Im Verfahren scheiterten die Grünen im Kommunalparlament mit dem Versuch, im Plan auch die Pflicht zur Erstellung eines Nutzungskonzepts für den Altbestand zu verankern. Der Bebauungsplan wurde in der Gemeindevertretersitzung Anfang Februar als Satzung beschlossen.

Es bleibt grundsätzlich bei der denkmalschützerischen Pflicht zum Erhalt der Altbauten. „Wir haben immer noch kein Nutzungskonzept“, sagte Bauunternehmer Janek Riedl auf Nachfrage dem LA. „Es ist eine schwierige Immobilie, mit niedrigen Geschosshöhen, und auch Brandschutz ist ein kompliziertes Thema.“

Gespräche mit der NRD über eine mögliche Nutzung des Altbaus als Gemeinschaftseinrichtung für die künftigen Bewohner des Neubaus habe es gegeben, doch sei auch das keine Perspektive, weil die NRD für den barrierefreien Wohnraum im Neubau nur eine flächenbezogene Erstattung durch den Landeswohlfahrtsverband erhalten, zusätzliche Fläche aber nicht finanziert werde. „Die Groß-Zimmerner Ortsmitte ist als Einzelhandels-Standort rückläufig“, so Riedl weiter. „Wohnraum wird allerdings benötigt, so dass wir grundsätzlich zu einer solchen Nutzung neigen.“

Da das Haus allerdings sehr schwierig zu sanieren und entsprechend zu nutzen sei, habe man dem Denkmalschutz den Abriss und Ersatz durch einen Neubau mit der selben Kubatur vorgeschlagen. Ein Verfahren, das beispielsweise zur Lösung für das „Elisje-Haus“ in Schaafheim wurde.

Wie Kreispressesprecher Frank Horneff auf Nachfrage mitteilt, „kann die Untere Denkmalschutzbehörde kein Nutzungskonzept einfordern, wohl aber ein sehr, sehr wachsames Auge auf das Hirschkopfhaus haben, den Eigentümer anhören und auf die Erhaltungspflicht eines Denkmales hinweisen.“

Riedl stuft den ästhetischen und historischen Wert dieses Denkmals aber eher niedrig ein. Es habe nämlich kein Sichtfachwerk, und sogar der Hirschkopf mit dem prägnanten Geweih könne laut Behörde weg.

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