Grün-Weiß Taufe mit individuellen Paten

„Wirst bleiben ein Kerbborscht“

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Taucherbrille mal anders: Einer der Täuflinge hat beim Bad in der Gersprenz seine Brille verloren. Als er sie nach mehreren Tauchgängen tatsächlich wieder in den Händen hält, ist der Jubel groß.

Groß-Zimmern - Am Ende sind alle bis in die letzte Haarspitze nass. Auch wenn die Paten vom Jahrgang 1993/94, die ihre Kerb 2013 feierten, nicht mit dem Kopf ins trübe Gersprenzwasser getaucht werden, die nassen spritzer bei der Taufe am Samstag treffen jeden. Von Ulrike Bernauer

Auch Franziska Blank, Kerbmädchen 2013, ist von Kopf bis zur Sohle nass. Da schützt auch kein Habit. Für sie ist es das erste Mal, dass sie das Gersprenzwasser so hautnah zu spüren bekommt. Als der Jahrgang die Kerb ausrichtete, blieb ihr das Bad erspart. Offiziell war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt, wer Kerbmädchen sein würde. Die junge Frau schlägt sich allerdings gut. Mit dem Megaphon ruft sie am Gailsloch die Kerbborschte, die eigentlich noch gar keine sind, aber hier zur Taufe antreten, einzeln nach vorne.

Eine gute Idee hatten die Grün-Weißen 2013. Jeder der neuen Kerbborschte hat nicht nur seinen individuellen Taufpaten, sondern erhält auch einen ganz speziellen Taufspruch. „Tequila und Äppelwoi werden dir folgen ein Leben lang, und du wirst bleiben ein Kerbborscht immerdar“, steht auf der Urkunde von Niklas Blank, der von seiner Schwester Franziska getauft wird. Stefan Laus" steht Max Kessler zur Seite. Der Täufling kann sich über den Spruch freuen: „Selig sind die, die Kerb feiern, denn Ihnen ist das Paradies mit Äppler sicher.“ Kerbvadder Laurin Uebel trägt mit Fassung, dass die Paten genauso nass sind wie die Täuflinge. „Es war angenehm“, sagt er hinterher. Unangenehm sei die Begegnung der dritten Art gewesen. Eine tote Ratte fanden die Organisatoren beim Einstieg in die trüben Fluten der Gersprenz vor.

Das Wasser steht ihnen nur bis zum Po: Natürlich darf die Zimmerner Hymne am Ende der Zeremonie am Gailsloch nicht fehlen.

„Vier Sitzungen hatten wir im Vorfeld, dann wussten wir, wie wir die Zeremonie durchführen würden“. Kerbmädchen Franziska habe den eher künstlerischen Part übernommen, „da wo wir Männer nicht so gut sind.“ Nachdem die Taufe vollzogen ist, freut sich Uebel unbeschwert auf das Fest: „Da können wir so richtig feiern.“ 19 Kerbborschte gehören dem aktuellen Jahrgang an. Grüne Sonnenbrillen haben sie auf. Die Paten drücken den Kopf eines jeden so heftig ins Wasser, dass die Brille von der Nase rutscht. Aber grün-weiße Kerbborschte sind lernfähig. Nach dem dritten Tauchgang lassen die anderen ihre Brillen immer bei ihren Kollegen, bevor sie sich dem Ganzkörperbad stellen. Doch einem können sie nicht entgehen: dem Trank, den es vor der Prozedur gibt.

Die zahlreichen Zuschauer können nur eine milchig-türkise Flüssigkeit erkennen, die aber nach den Gesichtern zu urteilen, nicht sehr gut schmeckt. „Wir haben Thüringer Luft – das ist ein Pfefferminzlikör – mit Wodka mit Knoblauch angereichert und das Ganze dann eine Woche ziehen lassen“, verrät Uebel im Nachhinein. „Wenn man Kerbborscht werden will, dann muss man da durch. Da gibt es eben auch mal was anderes als Bier oder Äppler zu trinken.“ Niklas Hauptstein muss als letzter die Gießkanne komplett leeren. Doch er hat Glück im Unglück, sein Taufpate hält die Kanne so schräg, dass viel des grünen Tranks auf seinem T-Shirt und in der Gersprenz landet.

Bilder: Kerb in Groß-Zimmern

Die Neuen melden sich zuletzt natürlich auch noch einmal zu Wort. „Unseren täglich Äppler gib uns Heute und vergib uns unsere Promille, wie auch wir vergeben den Alkoholfreien. Und führe uns nit nach Dibborsch, sondern erlöse uns von der Fastnacht. Denn dein ist des Dreigestirn und die Kerbborschte und de Giggel, in Ewigkeit Kerb!“

Ganz so warm wie Paten und Täuflinge beteuern ist das Gersprenzwasser wohl doch nicht. Statt noch einmal zum Wehr zu schwimmen, heißt es für alle eigentlich nur, so schnell wie möglich raus aus dem Wasser.

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