Gemeinde Hilft mit Mietzuschuss

Zwei Ärzte kommen 2015 hinzu

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Internistin Beate Schlitt, Dr. Michael Wiedekind (l.) und Dr. Oliver von Falkenhausen (r.) sowie ihre Kollegin Dr. Hannelore Weber sind zufrieden. Mit Hilfe der Gemeinde konnte das Hausarztzentrum in der Kreuzstraße Dr. Christoph Weimer (2. v. r.) sowie die Weiterbildungsassistentin Dörthe Weißenborn anstellen. Zusätzliche Räume gibt’s gleich vis-à-vis (zu sehen in der Fensterspiegelung).

Groß-Zimmern - Seit 31 Jahren sind Dr. Udo Engelhard und Dr. Georg Rudolph mit ihrer Gemeinschaftspraxis in der Georg-Dascher-Straße für die Patienten da. Ende des Jahres gehen beide in den Ruhestand. Von Gudrun Fritsch

Da sich keine Nachfolger für die Praxis fanden, drohte im Ort ein Ärztenotstand. Jetzt konnte das Hausarztzentrum mit Hilfe der Gemeinde zwei neue Kollegen einstellen. Sieben Allgemeinmediziner praktizieren derzeit im Ort. Neben Rudolph und Engelhard sucht auch Thomas Menke, der sich zuvor mit Dr. Christian Schneider-Rothaar in der Wilhelm-Leuschner-Straße eine Praxis teilte, seit gut einem Jahr einen neuen Partner. Auch Dr. Hannelore Weber, Dr. Michael Wiedekind, Dr. Oliver von Falkenhausen und Beate Schlitt im Hausarztzentrum in der Kreuzstraße sind von der drohenden unterversorgung betroffen. Sie müssen mit mehr Patienten rechnen. „Natürlich wollen wir helfen, aber im Rahmen des Möglichen“, sagen sie im Gespräch mit der Presse. Selbst der Justiziar der Ärztekammer hatte keine Antwort darauf, ob es rechtens wäre, Patienten abzuweisen“, berichtet Wiedekind. Junge Ärzte zu finden ist fast unmöglich. Die Mediziner bevorzugen die Metropolen und gesicherte Arbeitszeiten mit Anstellungsverträge, möglichst als Facharzt.

„Unsere Arbeitsbedingungen werden immer schwieriger, der bürokratische Aufwand nimmt ständig zu und wir tragen das volle Risiko, auch für die Angestellten. Mit Hausbesuchen und Bereitschaftsdiensten kommen wir auf eine 60-Stunden-Woche“, berichtet Wiedekind. Eigentlich fühlen sich die vier Teilhaber in der Gemeinschaftspraxis als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) wohl. „Die Erträge werden solidarisch entsprechend der Arbeitszeiten geteilt. Eine akribische Aufrechnung ist nicht mehr möglich“, erklärt von Falkenhausen. Auf den Hilferuf im Sommer reagierte auch die Gemeinde.

Viel Glück mit Räumlichkeiten

Auf der Basis von Anstellungs-Verträgen werden hier nun ab 2015 zwei neue Hausärzte eingestellt. Dr. Christoph Weimer kommt aus einem Anstellungsvertrag beim Sana-Klinikum in Offenbach. Als Neffe von Dr. Rudolph hat er lange versucht einen Partner zu finden, um die Praxis des Onkels zu übernehmen. „Es hat sich kaum einer gemeldet. Und die wenigen, die Interesse hatten, wollten nur auf Anstellungsbasis arbeiten.“ Ein weiterer Grund, die Praxis nicht zu übernehmen, seien die hohen Kosten für notwendige Investitionen gewesen, sagt der 41-Jährige Zimmerner im Gespräch mit dem LA. Derzeit arbeitet Dr. Weimer bereits als Vertretung im Hausarztzentrum.

Für die Praxisassistentin Dr. Weißenborn ist es ein Ausbildungsvertrag. Sie wird eine vor der Niederlassung vorgeschriebene zweijährige Ausbildung absolvieren. Viel Glück hatten die Ärzte bezüglich der Räumlichkeiten. Die ehemalige Praxis für Physiotherapie, direkt gegenüber in der Kreuzstraße, wurde angemietet. Dazu zahlt die Gemeinde Groß-Zimmern einen auf zwei Jahre befristet Mietzuschuss.

Zwei neue barrierefreie Sprechzimmer

Bürgermeister Achim Grimm weiß, dass er sich bei defizitärer Haushaltslage in einer Grauzone befindet, denn ein solcher Zuschuss kann nur als „freiwillige Leistung“ eingestuft werden und die sind bei der Kommunalaufsicht nicht gern gesehen. Doch scheint es im vorliegenden Fall wohl durchzugehen, weil die medizinische Versorgung in der Gemeinde anders wohl nicht sicher gestellt werden könnte.

Derzeit ist auf den 100 Quadratmetern noch das Büro des Inhabers Nadir Yetkin untergebracht. „Die Räume sind ideal und relativ frisch renoviert. Wir erhalten so barrierefrei zwei neue Sprechzimmer, einen Behandlungsraum und einen Wartebereich“, schwärmt Schlitt, die nun noch Techniker sucht, die die Praxen per Kabel unter der Straße vernetzen. Zwischen 3000 und 4000 Patienten betreut das Hausarztzentrum derzeit, mit den beiden „Neuen“ könnten bis zu 2000 Patienten hinzukommen. Die Zahl bisher Mitarbeitern im Hausarztzentrum wird zusätzlich zu den beiden Ärzten im kommenden Jahr von derzeit zehn auf dann 14 Personen erhöht.

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