Erweiterungsbau der Kläranlage eingeweiht

Zwei Stränge für sicheren Betrieb

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Die Kläranlage aus der Vogelperspektive. Kernstück der erweiterten Anlage ist das Kombibecken (rechter Bildrand).

Groß-Zimmern - Gut 22 Monate dauerte die Bauzeit an der Kläranlage der Gemeinde. Der Erweiterungskomplex wurde jetzt offiziell in Betrieb genommen. Von Stefan Scharkopf 

Gleich zu Beginn der kleinen Feierstunde hatte Bürgermeister Achim Grimm eine nicht unwichtige Nachricht: Die veranschlagten Kosten von 3,7 Millionen Euro für die Erweiterung der Kläranlage werden eingehalten, sagte er mit Blick in die Runde: „Das wäre eine tolle Schlagzeile.“ Und nicht nur das: Es zeichnet sich ab, dass der Betrag gar etwas unterschritten werden kann, auch wenn die Schlussrechnungen derzeit noch nicht vorliegen. Die Gemeinde ist mit 1,6 Millionen Euro dabei, 747.000 Euro steuerte das Land Hessen hinzu. Alles in allem wurden 6500 Kubikmeter Erde bewegt, 1500 Kubikmeter Beton und 180 Tonnen Bewehrungsstahl verarbeitet.

Am Dienstag wurde der Erweiterungsbau – die größte Einzelinvestition der Gemeinde in den vergangenen 20 Jahren – mit Vertretern aus lokaler Politik, beteiligten Planungsbüros, ausführenden Unternehmen und Mitarbeitern der Gemeinde offiziell eingeweiht.

Vor allem drei Gründe waren für die Erweiterung verantwortlich: Die Gemeinde wächst – und mit ihr die Menge an Fäkalien und Abwasser. Kläranlagen müssen jährlich Eigenkontrollberichte an das Regierungspräsidium Darmstadt schicken. Darin werden die mengenmäßigen und stofflichen Belastungen, die die Anlagen zu bewältigen haben, weitergemeldet. Ausschlaggebend sind die sogenannten Einwohnergleichwerte (EW). Das sind Referenzziffern für die Schmutzfrachten im Abwasser, die von Bevölkerung und Gewerbe eingebracht werden.

In den Berichten ließ sich ablesen, dass die von der Kläranlage zu bearbeitende Abwasserbelastung schon weitaus höher war, als die Größe eigentlich zulässt. Nur durch „die sehr gute Betriebsführung und unter Verwendung unterschiedlicher Hilfsmittel“, wie es heißt, konnten die Grenzwerte eingehalten werden, die die Einleitung der Kläranlagenabwässer, etwa in die Gersprenz, erlauben. Die Ausbaugröße beträgt nun 27.500 EW, bislang waren es 16.500 EW (bei etwa 14.000 Einwohnern). Hinzu kam die gesetzliche Vorgabe, die Reinigungsleistung von Kläranlagen zu erhöhen. Im Fall von Groß-Zimmern war dies nur durch Erweiterung des bestehenden Komplexes möglich. Bereits 2013 fiel im Gemeindeparlament die Entscheidung für den Ausbau.

Ein ganz wesentlicher Punkt für die Ertüchtigung war auch die Betriebssicherheit. Bisher war die Anlage einstraßig ausgelegt – was problematisch bei anfallenden Reparaturen war. Die vom Regierungspräsidium Darmstadt geforderte und nun umgesetzte Zweistraßigkeit bedingt, dass zwei Reinigungsstränge parallel nebeneinander die Schmutzfrachten des Abwassers behandeln können und im Schadensfall ein Strang ohne Komplikationen für Reparaturen oder Wartung außer Betrieb genommen werden kann und der andere weiterläuft.

Herzstück des Komplexes ist, wie Gerald Krause von der Darmstädter Firma Unger erläuterte, das zusätzliche Kombibecken mit Belebungsteil und Nachklärbecken sowie das neue Speicherbecken für Überschuss-Schlamm. Zudem gibt es ein neues Zwischenpumpwerk. Damit der Schwerverkehr das ganze Geviert besser ansteuern kann, wurde zudem eine neue Zufahrtstraße gebaut.

Ganz ohne Probleme lief die Bauzeit nicht ab. Verzögerungen ergaben sich im Winter 2014/15 durch hohe Grundwasserstände. In der Baugrube mussten teils sechs Pumpen dem ständig hervorsprudelnden Grundwasser Herr werden, was zu Verzögerungen führte. Auch der feuchte Winter 2015/16 setzte dem Projekt zu.

Wie Bürgermeister Grimm darlegte, konnte die Gemeinde die Investitionskosten zahlen, ohne den Bürger mit Beiträgen zur Kasse zu bitten. Die Betriebskosten belaufen sich derzeit jährlich auf 474.000 Euro. Nach der Erweiterung kommen noch mal 119.000 Euro obendrauf. Die Kosten werden durch die Abwassergebühren beglichen. Um dieses Plus abzudecken, hatte die Gemeindevertretung 2015 beschlossen, die Gebühren beim Abwasser von 2,30 auf 2,56 Euro pro Kubikmeter zu erhöhen und im selben Zuge den Obolus beim Niederschlagwasser von 80 auf 47 Cent pro Quadratmeter versiegelter Grundstücksfläche zu senken.

Groß-Zimmern hat jetzt eine um etwa ein Drittel vergrößerte Kläranlage, die allen Anforderungen entspricht. Das Ende der Fahnenstange dürfte das aber nicht sein. Abhängig ist die Reinigungsleistung immer auch von umweltrechtlichen und politischen Vorgaben.

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