Druckgrafik von Hermann Struck und Jakob Steinhardt

Zu Unrecht vergessen

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Jakob Steinhardt, Rahel, 1954, Holzschnitt, 1/30, 41x31 cm

Frankfurt - Eine Ausstellung im Frankfurter Jüdischen Museum erinnert an die Berliner Druckgrafiker Hermann Struck und Jakob Steinhardt. Von Eugen El 

Nicht nur die Begeisterung für Druckgrafik verband sie. Die Künstler Hermann Struck (1876-1944) und Jakob Steinhardt (1887-1968) waren im Umfeld der Berliner Secession um Max Liebermann und Lovis Corinth aktiv. Sie pflegten ein aktives Interesse für die Lebenswelt des Ostjudentums und waren ebenso Zionisten. Struck war es, der Steinhardt noch in Berlin mit druckgrafischen Techniken vertraut machte. Nach seiner Emigration nach Palästina in den 1930er Jahren unterrichtete Jakob Steinhardt Druckgrafik an der Jerusalemer Kunsthochschule Bezalel.

Druckgrafik von Hermann Struck und Jakob Steinhardt bis 23. März im Jüdischen Museum Frankfurt, Untermainkai 14/15. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10–17 Uhr , Mittwoch 10–20 Uhr

Nun zeigt das Jüdische Museum Frankfurt in einer Kabinettausstellung Radierungen, Holzschnitte und Lithografien beider Künstler. Seit Anfang 2014 ergänzen zahlreiche Blätter die druckgrafische Sammlung die Museums, deren Schwerpunkt die Arbeiten Strucks und Steinhardts bilden. Während des Ersten Weltkrieges war Jakob Steinhardt in Litauen stationiert. Für die dort nach orthodoxem Ritus lebenden Juden entwickelte er eine Faszination. So zeigen zwei 1920 und 1921 entstandene Radierungen Szenen aus dem Alltag im Schtetl. Die Blätter demonstrieren Steinhardts damalige Nähe zum Expressionismus. Noch vor Kriegsausbruch gründete er mit Ludwig Meidner eine Künstlergruppe. Sie nannten sich „Die Pathetiker“.

Eindrücke in illustrierten Tagebüchern verarbeitet

Auch Hermann Struck verbrachte im Ersten Weltkrieg einige Zeit in Osteuropa. Die künstlerische Arbeit brach er dabei nicht ab. Struck verarbeitete seine Eindrücke zu druckgrafisch illustrierten Tagebüchern. Eine 1915 entstandene Radierung zeigt das einfühlsame Porträt eines jüdischen Lastträgers aus Lodz. Zahlreiche Arbeiten aus der Vorkriegszeit sind ebenfalls Teil der Frankfurter Ausstellung. 1912 lebte Struck als Vertreter einer zionistischen Organisation zwei Monate lang in den USA. Mehrere Blätter aus dieser Zeit zeigen Ansichten von New York. Die deutlich konturierte Brooklyn Bridge auf einer Radierung von 1912 wirkt inmitten eher angedeuteter, kleiner Häuser und Schiffe wie ein Ungetüm. Die Brücke dominiert die Bildkomposition. Die nächtliche Skyline New Yorks erscheint bei Struck fast schon alteuropäisch. Die Form der Wolkenkratzer auf seinen Blättern lässt an Kirchtürme denken.

Die Kabinettausstellung im zweiten Obergeschoss des ehemaligen Rothschild-Palais vermag es, zwei zu Unrecht vergessene Künstler dem Betrachter näherzubringen. Deren Einsatz für die Druckgrafik beeindruckt auch heute noch. Informative Texttafeln liefern den jeweiligen Kontext zu den ausgestellten Blättern. In Vitrinen gezeigte Originalpublikationen ergänzen die Schau. Überdies zeigt die Ausstellung zwei exemplarische jüdische Lebensläufe in den Umbrüchen und Katastrophen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Quelle: op-online.de

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