Der Junge und die Alte Musik

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Seit drei Jahren arbeitet Simone Di Felice an der Oper Frankfurt und hat es in dieser Zeit vom Korrepetitor zum Dirigenten gebracht.

Frankfurt - Wenn sich im Bockenheimer Depot der Vorhang für die Frankfurter Neuinszenierung von Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“ hebt, gibt Simone Di Felice sein Debüt als Dirigent. Von Klaus Ackermann 

Normalerweise kühlen junge Dirigenten ihr Mütchen an zeitgenössischem Ton. Ganz anders ist das bei Simone Di Felice, der sich auch mit Alter Musik gut auskennt und Claudio Monteverdis „I’incoronazione di Poppea“ dirigieren wird. Auch ein Debüt am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters, das den Italiener als Pianist und Cembalist schätzen lernte. Premiere hat die letzte Oper des Renaissance-Komponisten am Samstag im Bockenheimer Depot. Regie führt Ute M. Engelhardt, in der Titelrolle ist die irische Mezzosopranistin Naomi O’Connell zu erleben. Monteverdis frühes Musikdrama, das die Zeit des römischen Kaisers Nero zurückholt, gilt als erste Oper historischen Sujets. Im Mittelpunkt steht Nobelhure Poppea, die über Neros Bett an die Macht will und dabei weder Rücksicht auf ihren Gatten noch auf Ehefrau und Mutter Neros nimmt. Auf der Strecke bleibt auch der kaiserliche Erzieher und Philosoph Seneca, dessen moralische Appelle verhallen.

Ganz schön heftig dieser Stoff des 74-jährigen Monteverdi, der zwei Fassungen lieferte. In Frankfurt wird die etwas kürzere venezianische Version gespielt, bei den Rezitativen und Duetten greife man aber auch aus dramaturgischen Gründen auf die neapolitanische Fassung zurück, erläutert Di Felice. Zudem sind Extrastücke von Monteverdi-Zeitgenossen eingewoben, wie das damals üblich war. „Überraschungen, wie sie auch Engelhardts Inszenierung zu bieten hat, die ansonsten das Rom Neros beschwört“, sagt der Italiener.

Musikalisch eingerichtet hat das Stück der Cembalist Andreas Küppers, der zum sechs Musiker zählenden Basso continuo gehört, das auch der Dirigent am 2. Cembalo beflügelt. Zuständig fürs harmonische Gerüst der vielen Rezitative, die das Drama vorantreiben. Dazu gehört die 13-saitige Lirone. Natürlich nutzt der Dirigent auch die historische Klangforschung, die Streicher spielen mit Barockbögen auf Darmsaiten, zwei Blockflöten sind mit von der Partie, und auch der Zink mit seinem Ton zwischen Flöte und Trompete ist bei kaiserlichen Aufzügen gefragt. Zudem sind den Protagonisten (wie eine Art Leitmotiv) Instrumente zur Seite gestellt – Poppea etwa begleiten Harfentöne, das Ewig-Weibliche charakterisierend.

Zwar arbeitet Di Felice schon in dritter Spielzeit als Korrepetitor in Frankfurt, doch habe er schon etwas Bammel gehabt, als er das erste Mal vors Orchester trat, um es auf Monteverdis schnelle Wechsel zwischen Begleitung und Initiative einzustimmen, sagt der Dirigent. Doch war er wie auch bei der irischen Mezzosopranistin O’Connell angenehm überrascht von der durchweg kollegialen Zusammenarbeit. Di Felice wurde in der italienischen Kleinstadt Chieti unweit von Pescara geboren, absolvierte ein Klavier- und Dirigierstudium in Italien und an der Karlsruher Musikhochschule und spricht exzellent deutsch. An deutschen Opernhäusern schätzt der Italiener vor allem, dass man auch Solorepetitor die Chance zu dirigieren bekommt. Das sei in Italien unmöglich. In Frankfurt lebt er gern, hat freilich noch starke Bindungen an seine Heimat. Und das nicht nur übers Olivenöl, das „La Mamma“ regelmäßig schickt.

Quelle: op-online.de

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