Kerry Renards Stück „Zauberhafte Zeiten“ in der Komödie Frankfurt

Magische Momente

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Zauberlehrlinge: Debbie (Vera Weisbrod) und Chris (Christopher Krieg) wollen Magisches vollbringen. 

Frankfurt - Vom Investmentbanker zum Magier ist es ein langer, vor allem aber eher unglaubwürdiger Weg. Für Chris Redford, einen machohaften New Yorker Single aber wird dieser „Karrieresprung“ in Kerry Renards Komödie „Zauberhafte Zeiten“ Realität. Von Maren Cornils 

Schuld an dem ungewöhnlichen Jobwechsel ist die Wirtschaftskrise, die es mir Chris nicht gut meint: Erst findet er nach 14-tägigem Angelurlaub in Kanada eine wildfremde halbnackte Frau in den heimischen vier Wänden vor, dann eröffnete sie ihm auch noch, die neue Wohnungseigentümerin zu sein und präsentiert ihm kurzerhand die Kündigung. Doch das Ganze wäre keine Boulevardkomödie, würde sich aus dieser eigentlich traurigen Situation nicht eine gagreiche Konstellation entwickeln, bei der auch noch Amor ein Wörtchen mitzureden hat. Und so werden Krankenschwester Debbie, die in der Krise zwar nicht den Job, wohl aber die Wohnung verloren hat und der schnöselige Chris im Verlauf eines in jeder Hinsicht magischen Abends nicht nur zu perfekten Zauberlehrlingen, sie entwickeln auch noch zarte Gefühle füreinander, die selbst Chris’ hyperprotektive Mutter und der immer wieder mit Atemnot und hochrotem Kopf in die Wohnung im achten Stockwerk einfallende Briefbote nicht stören können.

Folker Bohnet hat das Stück der kanadischen Autorin, das nun in der „Komödie“ in Frankfurt zu sehen ist, mit Christopher Krieg (Chris), Stefan Schneider (Postbote) und Michaele Klarwein (Chris’ Mutter) hervorragend besetzt. Krieg gibt den arroganten Draufgänger, dem der tiefe Sturz in die Arbeitslosigkeit noch bevorsteht, Schneider komisch grimassierend den neugierigen Postbediensteten, der immer stärker Anteil am Schicksal seiner „Kunden“ nimmt, und Klarwein die überdreht Glucke, deren größter Wunsch es ist, den Sohnemann endlich unter die Haube zu bringen.

Übertriebenen Handlung

Lediglich Vera Weisbrod kommt im ersten Drittel des Stücks als unglaubwürdige Mischung aus eiskalter Zicke und girliehafter Träumerin daher. Erst will sie Chris aus der Wohnung ekeln, dann bietet sie ihm Asyl an und schließlich zaubert sie ihm auch noch samaritermäßig einen Ersatzjob aus dem Hut. Damit nicht genug hängt Debbie noch bevor der potentielle Zaubermeister überhaupt den ersten Trick als Nagelprobe präsentiert hat, den eigenen Job als Pflegerin für Schlupflid-operierte Millionäre an den Nagel, um sich Chris als Assistentin anzudienen.

Zugegeben, würde man die Handlung ernsthaft hinterfragen, würden viele Komödien wie Baiserschaum in sich zusammenfallen. Hier aber wird eindeutig übertrieben. Was nichts daran ändert, das Renards Stück durchaus Charme besitzt, denn Chris und Debbie mutieren nicht nur zu wahren Meistern der Illusion und überraschen ihr Publikum mit gekonnten Zaubertricks. „Zauberhafte Zeiten“ besitzt auch viel Dialogwitz. Darüber hinaus glänzen Schneider und Klarwein als permanente Störenfriede, die es zwar nur gut meinen, dem jungen Glück aber immer wieder im falschen Moment in die Bude platzen. Passend dazu darf Frank Sinatra in den Umbaupausen Evergreens wie „New York, New York“ oder „Strangers in the Night“ schmettern und so für das richtige Big-Apple-Feeling sorgen.

„Zauberhaufte Zeiten“ ist noch bis zum 15. März in der Komödie Frankfurt zu sehen

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Quelle: op-online.de

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