Knebel und Nachtsheim blicken auf 30 Jahre Badesalz zurück

Mundart macht manches möglich

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Gerd Knebel und Henni Nachtsheim sind zurzeit mit ihrem neuen Programm „Dö Chefs“ auf Tournee, anlässlich ihres „Jubiläums“ haben sie zudem eine Elf-CD-Box veröffentlicht.

Frankfurt - Mit Jubiläen haben sie es nicht so: Gerd Knebel und Henni Nachtsheim stehen als Comedy-Duo Badesalz seit 30 Jahren auf der Bühne - oder doch 32 Jahre? Von Detlef Kinsler

„Erbarme, zu spät, die Hesse komme“ - das selbstbewusste Aufbegehren der Frankfurter Musiker gegen die Übermacht aus Köln, Hamburg, München und Berlin mit dem „Pampa Power“-Festival vor 25.000 Besuchern im FSV-Stadion 1984 brachte die Bands aus der Region letztlich nicht auf Augenhöhe mit der Konkurrenz aus dem Rest der Republik. Trotzdem legten die Sänger der beiden Topbands vom Main, Henni Nachtsheim und Gerd Knebel, mit den Rodgau Monotones und Flatsch! den Grundstein für ihren heutigen Status als Comedians. Da war Mundart angesagt, Absurdes und Skurriles in den Songtexten an der Tagesordnung und bei Flatsch! zählten Kostüme zum Klamauk.

Als Badesalz kultivierte das Duo seine Sketch-Kultur und blieb dem Dialekt treu. „Wenn ich mir jetzt vorstelle, das auf Hochdeutsch zu machen, nee. Ganz richtig kriegten wir es nie hin, da müssten wir uns sehr bemühen“, lautet Knebels klares Bekenntnis zum Lokalkolorit. „Wir haben uns drauf geeinigt, wir sprechen Frankfurterisch. Weil das sehr kompatibel ist und man es noch gut verstehen kann“, bezieht Nachtsheim Position.

Der Dialekt bringt „eine Portion Rauheit und Frechheit“, vermutet Knebel. „Du kannst gerade in unserem Bereich unter dem Deckmäntelchen des Hessischen Sachen grober, härter sagen. Die bekommen dann eine andere Schärfe.“ Und man kann sich gut dumm stellen. „Du kannst mehr Persönlichkeit in den Text legen, ihn anders bebildern, das kriegt eine andere Farbe. Im Dialekt siehst du den Charakter anders“, pflichtet Nachtsheim bei. Was sich mit dem Rock’n’Roll nicht wirklich realisieren ließ, nämlich bundesweite Akzeptanz zu erreichen, fiel mit der Comedy um einiges leichter. 1990 strahlte die ARD die Sketchreihe „Och Joh“ aus, 1996 kam der Film „Abbuzze“ in die Kinos, drei Jahre danach gab es Badesalz-„Comedy-Stories“ auf Sat1. „Die CDs haben überall in Deutschland gestanden.“

Aktuell feiern Badesalz ihren 30. Geburtstag. Dabei soll der erste Auftritt bereits an Weihnachten 1982 im Sinkkasten gewesen sein, die erste CD kam dafür erst 1990 heraus. „Wir haben das ein bisschen laissez-faire genommen, der genaue Termin ist doch scheißegal, es geht mehr um die Geste“, schmunzelt Nachtsheim. Jubiläen zu feiern war ihnen ohnehin suspekt. „Das ist komisch. Wie sich selbst ein Denkmal setzen“, moniert Knebel. Aber mit der Idee, den Fans eine Elf-CD-Jubiläumsbox anzubieten, konnten sich beide anfreunden. „Alleswassesaufcedesogegebbehat!“ heißt dieses Bis-dato-Lebenswerk. Nach „Alles Gute von Badesalz“ 1994 bewusst keine „Very Best Of ...“-CD. „Einfach zu allem stehen, nichts ausklammern“ war die Devise.

Die Box war nicht mehr als ein kurzes Innehalten, die volle Konzentration gehört dem neuen Live-Programm „Dö Chefs“. In einem aufwendig gestalteten Bühnenbild laden Henry und Paul als Gastwirte in ihre Kneipen ein und bieten damit quasi ein neues Genre an. „Wir spielen jetzt seit vielen Jahren Comedy-Theaterstücke mit zwei festen Figuren. Es sind ja keine Sketche, keine Nummern-Programme mehr“, erläutert Nachtsheim. Taktische Überlegungen gab es dabei nie. „Dass wir uns so gut gehalten haben, gerade im Moment wieder vor vielen ausverkauften Hallen spielen, ist für uns natürlich super.“

Badesalz treten am 6. und 7. Februar im Congress Park Hanau auf, am 20. Februar in der Aschaffenburger Stadthalle sowie am 12. und 13. Juni im Offenbacher Capitol.

Quelle: op-online.de

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