Künstlerin Michelle Concepción

Raumgreifende Malerei

+
Große Formate und mikroskopische Strukturen: Die aus Puerto Rico stammende Künstlerin geht gern Risiken ein.

Offenbach - Das ehemalige Zollamt in der Offenbacher Stadtmitte hat sich zum Atelierhaus gewandelt, in dem Künstler Wand an Wand mit Designern, Musikern und Filmemachern arbeiten. Wir stellen einige Nutzer vor. Von Eugen El 

Der erste Eindruck eines aufgeräumten, laborartigen Ateliers täuscht: Wenn die Malerin Michelle Concepción an ihren Bildern arbeitet, dann ist in ihrem Raum im zweiten Obergeschoss der Offenbacher „Zollamt Studios“ kein Durchkommen möglich. Normalerweise nutzt sie mehrere Arbeitstische gleichzeitig. Concepcións Acrylbilder entstehen in horizontaler Position, auf Leinwand und Papier. Sie trägt die mit Wasser verdünnte Farbe mit breiten Pinseln, in mehreren sich überlappenden Schichten auf. Die Bilder brauchen viel Zeit zum Trocknen.

Nicht zufällig lassen ihre Arbeiten an Mikroorganismen denken, die man nur unter einem Mikroskop zu sehen bekommt. Schon während ihres Kunststudiums in Chicago hat sich Concepción, 1970 in San Juan (Puerto Rico) geboren, für die mit dem bloßen Auge kaum wahrnehmbaren Strukturen interessiert. Ihr Interesse galt aber auch der deutschen Malerei der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: dem Blauen Reiter, dem Expressionismus, Beckmann und Kirchner. In den neunziger Jahren kam Michelle Concepción nach Deutschland. Die Liebe führte sie nach Offenbach, wo sie ein Gaststudium an der Hochschule für Gestaltung (HfG) absolvierte.

Einen hohen Grad an Professionalität kann man Concepción nicht absprechen. Sie wird von mehreren Galerien im In- und Ausland vertreten. Die Galerie Arte Giani wird ihre Arbeiten auf der in den ersten Februartagen stattfindenden „Kunst Messe Frankfurt 15“ zeigen. Im Auftrag von Innenarchitekten fertigt Concepción auch Auftragsarbeiten an, die sich oft an früheren Werken aus ihrem Portfolio orientieren. In solchen Fällen müsse sie eine Zeitreise unternehmen, berichtet die Künstlerin. Denn dann greift sie eine bereits mehrere Jahre zurückliegende Arbeitsweise auf.

Vibrierende Formen und feine Strukturen

Michelle Concepcións Werke sind keine Illustration wissenschaftlicher Zusammenhänge. Sie lassen vielerlei Deutungen zu. Die Formen auf ihren Leinwänden und Blättern vibrieren. Sie wirken zuweilen wie Körper. Auch ein genauer Blick auf ihre feine Struktur lohnt sich. Die neuen, helleren Bilder zeugen zudem von einen Entwicklungsschritt. Dafür greift Concepción auf eine Serie von verspielt-experimentellen Papierarbeiten zurück, die in ihrem vorherigen, wesentlich kompakteren Atelier entstand. Dort hat sie notgedrungen improvisieren müssen. Die räumliche Einschränkung habe sich für sie ausgezahlt, erzählt Concepción. Neue Wege auszuprobieren, Risiken einzugehen, sei für ihren künstlerischen Lernprozess unentbehrlich. Dabei müsse man auch die Möglichkeit des Scheiterns in Kauf nehmen.

Der Umzug in die „Zollamt Studios“ hat es Michelle Concepción wieder ermöglicht, an großen Formaten zu arbeiten und auf mehreren Ebenen zu experimentieren. Ihr Atelier oszilliert zwischen Ordnung, Struktur, Planung und der schieren Lebendigkeit der Malerei.

Quelle: op-online.de

Kommentare