Kunstmesse

Frankfurter Potenziale

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Die Skulpturen und Plastiken von Samuel Salcedo sind ein Blickfang auf der neuen Frankfurter Kunstmesse. J Foto: dpa

Frankfurt - Frankfurt hat seit Jahren wieder eine Kunstmesse. Bis 3. Februar zeigen etwa sechzig regionale, nationale, wie auch internationale Aussteller in der Messehalle 1.2 Kunst von der Antike bis zur Gegenwart. Von Eugen El

Etwas verloren wirken sie, die bunten, zwerghaften Goethes aus Kunststoff, die der Künstler Ottmar Hörl zum 100. Jubiläum der Frankfurter Universität vergangenes Jahr vor dem Poelzigbau aufstellen ließ. Nun stehen sie in einer Ecke der großzügigen Messehalle 1.2 und warten auf Käufer. Hörl zählt neben den früheren Museumsdirektoren Jean-Christophe Ammann, Klaus Gallwitz und Hans Ottomeyer zum künstlerischen Beirat der „Kunst Messe Frankfurt 15“.

Es ist eine große Bandbreite von Positionen zu besichtigen. Zuweilen ergeben sich interessante Nachbarschaften. Bei Walz Kunsthandel aus Überlingen begegnet man Radierungen von Goya ebenso wie einem ikonischen, leider immer noch utopischen Plakat von Käthe Kollwitz aus dem Jahr 1924: „Nie wieder Krieg“. Biedermeiermöbel finden sich in der Messehalle genauso wie orientalische Teppiche, asiatische und afrikanische Skulpturen und sogar historische Automobile. Vorherrschend ist jedoch die Malerei.

Zum prägnanten Bildmotiv der Kunstmesse, das diverse Werbemittel ziert, wurde ein Gemälde des spanischen Künstlers Salustiano ausgewählt. Die runde Leinwand zeigt das fotorealistische Porträt eines blässlichen Mädchens, das etwas aus der Zeit zu fallen scheint. Für den Galeristen Victor Lope aus Barcelona, der Salustianos Arbeiten ausstellt, ist der deutsche Markt wichtig. Er vertritt seine Künstler auch auf Messen in Karlsruhe, Köln und Berlin. Von der neuen Messe erhofft sich Lope viel.

Die Nähe als Vorteil

Eine Arbeit von Sascha Boldt auf dem unkonventionellen Stand des Frankfurter „Kunstverein Familie Montez“.

Leszek Skurski möchte für seine in Künzell ansässige Galerie „Red Corridor“ vor allem neue Kontakte zu Kunstsammlern knüpfen. Das Potenzial dafür sei in Frankfurt groß, sagt Skurski. Das Gute an einer Messe sei das fachlich interessierte Publikum. Die Galerie, die früher ihre Räume in Fulda hatte, zog erst kürzlich ins ländliche Künzell um. „Natürlich ist die Nähe zu Frankfurt ein Vorteil“, erzählt Skurski. Dennoch agiert „Red Corridor“ global. Die Galerie war bereits auf Messen in London, Miami und Singapur vertreten. In Frankfurt zeigt Skurski auch eigene Arbeiten. Den unkonventionellsten Auftritt hat Mirek Macke mit seinem „Kunstverein Familie Montez“. In einer Petersburger Hängung zeigt Macke einen Mix aus Malerei, Zeichnung, Fotografie und Objekt. Seine Künstler sparen nicht mit zuweilen provozierenden Motiven, bleiben dennoch auf einem qualitativ hohen Niveau. Man hat Spaß am Entdecken, denn viele der gezeigten Künstler sind aus der unabhängigen Szene in Frankfurt und Offenbach bekannt. Verzichtet hat Macke auf den messeüblichen grauen Teppichboden, was seinem Stand zugute kommt.

Im Vergleich zu gestandenen Messen, wie etwa der „Art Cologne“, fällt der Rundgang durch die „Kunst Messe Frankfurt 15“ kurz aus. Das neue Frankfurter Format steht erst am Beginn. So ist auch manch eine Ecke der Halle 1.2 leer geblieben. Vielleicht musste deshalb eine ganze Armee von Kunststoff-Goethes einziehen.

„Kunst Messe Frankfurt 15“ bis 3. Februar in Halle 1.2 der Messe. Geöffnet: Samstag bis Montag 12-20 Uhr, Dienstag 12-18 Uhr. Tageskarte: 18 Euro

Quelle: op-online.de

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