Michael Quast inszeniert im Cantate-Saal in Frankfurt die Darmstädter Lokalposse „Datterich“ mit Hans Diehl in der Hauptrolle

Die Legende vom philosophischen Trinker

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Nur Kartenspiel und Wein im Kopf (v.l.n.r.): Knerz (Peter Schlapp), Datterich (Hans Diehl), Spirwes (Philipp Hunscha) und Bennelbächer (Jörg Zick).

Frankfurt - „Grausamkeit, dein Name ist Lisettche!“. Das sagt der Datterich (Hans Diehl) zu der Bedienung im Wirtshaus, für die er zuvor reichlich Süßholz geraspelt hat. Von Thomas Ungeheuer 

Doch die stets nüchterne Lisette (Susanne Schäfer) will dem alten Säufer, der sich gern bei ihr mit seinen nichtsnutzigen Kumpanen zum Kartenspiel um Geld trifft, kein Glas mehr ausschenken. Schon gar nicht, wenn er ihr für den Wein zu wenig auf den Tisch legt. Hoffnungslos pleite ist der gekündigte Finanzbeamte. Wie gerufen kommt ihm da der junge Drehergeselle Schmitt (Dominic Betz). Gutgläubig gibt der fleißige Handwerker dem Schnorrer mehrere Schoppen aus. Verspricht der Mann in zerlumpter Kleidung schließlich, dass er ihm bei der Verwirklichung seiner beruflichen Pläne zur Seite stehen will. Plant doch der gepflegte Geselle, in Darmstadt ein eigenes Geschäft aufzumachen. Auch will Datterich seinem neuen Schützling eifrig dabei helfen, das Herz der liebreizenden Marie (Lucie Mackert) zu gewinnen. Sie ist die Tochter des wohlhabenden Drehermeisters Dummbach (Michael Quast). Bei dem kultivierten Herrn war Schmitt in die Lehre gegangen. Aber wird sein einstiger Meister den Verliebten mit offenen Armen empfangen?

Seit ihrer Uraufführung im Jahr 1862 war die Darmstädter Lokalposse „Datterich“ immer wieder auf den Bühnen zu sehen. Auch Michael Quast hat das Stück schon 2007 am Staatstheater Darmstadt mit sich selbst in der Titelrolle inszeniert. Im Frankfurter Cantate-Saal geht dem gebürtigen Heidelberger jetzt Sarah Groß als Co-Regisseurin zur Hand. Zumindest Quast müsste wissen, wie man Ernst Elias Niebergalls Komödie in südhessischer Mundart reizvoll, spannend und vor allem auch witzig inszeniert. Aber erstaunlicherweise geschieht dies nicht auf der schlicht von Anna Sophia Blersch gestalteten Bühne. Das ist umso bedauerlicher, weil Quast und Groß über neunzehn teils begnadete Theaterschauspieler verfügen. Vor allem Dominic Betz kann in seinem erfrischenden Spiel der jugendlich-naiven Figur des Schmitt wunderbar komische Facetten zeigen. Auch Lucie Machert gelingt es, als Marie eine angenehme Nähe zum Publikum aufzubauen. Etwas, das man bei den übrigen Mitgliedern des Ensembles eher vermisst. Selbst dem sonst hinreißend auftretenden Hans Diehl als Datterich mag dies nicht so recht gelingen.

Merkwürdigerweise liegt dies an der Bühnensprache. In ihr glückt es nur wenigen im Ensemble, die zahlreichen Pointen der Dialoge gewinnbringend zu betonen. Hessisch nach Darmstädter Art wirkt hier selbst für einen gebürtigen Hessen oft fremd. So kann man sich beispielsweise auf der Bühne nicht klar entscheiden, ob das selig machende Getränk nun „Wei“ oder „Woi“ heißen soll. Zudem mangelt es an der richtigen Silbenbetonung einzelner Worte. Wie kann eine aufmerksame Regie über solche Fehler hinwegsehen? Unklar bleibt auch, warum der „Datterich“ eingedenk der Pause fast dreieinviertel Stunden dauern muss. Wenn schon harsche Streichungen im Originaltext wegen Werktreue nicht in Frage kommen - über mehr Tempo in der Handlung hätte sich bestimmt niemand im Premierenpublikum beschwert.

Quelle: op-online.de

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