Die Referenten, Dr. Niels Holm, Geschäftsführer Anlagenbaufirma LimnoTec aus Hille (NRW), und Helmut Schneble vom Darmstädter Planungsbüro Bullermann Schneble, wurden immer wieder von Zwischenrufen unterbrochen. Ein radikaldemokratischer Vorschlag aus dem Auditorium kam gleich zu Beginn der Vorträge: „Wir Hergershäuser können doch jetzt alle hier abstimmen, ob wir die Anlage wollen. Dann kann sich die Firma das Geld für die weitere Planung sparen!“
Dass der Entscheidungsprozess anders verläuft, machte die Bürgermeisterin klar, die bereits seit April – vor dem Antrag der Firma LimnoTec am 18. Mai – mit Anfragen kritischer Bürger bombardiert worden war. Nach dem Antrag, der jetzt auch auf der Homepage der Stadt für die Bürger einsehbar sein wird, habe man mit der Infoveranstaltung die Öffentlichkeit frühzeitig beteiligen wollen. Bis Ende Juli werde der Magistrat einen Beschluss fassen, der dann am 30. August Thema in der Stadtverordnetenversammlung sein werde. Danach folge eine einmonatige Offenlegung des Vorhabens, ehe die Stadtverordneten wieder gefragt sind abzuwägen und einen Beschluss zu fassen. Die letzte Station wäre dann der Antrag auf Genehmigung beim Regierungspräsidium.
„Die Energiewende ist auf Bundesebene erwünscht.“
Coutandin machte ihre Position deutlich: „Die Energiewende ist auf Bundesebene von allen Parteien erwünscht und muss jetzt auf örtlicher Ebene auch umgesetzt werden.“ Unter erschwerten Bedingungen stellte Holm die Anlage vor (s. Info-Kasten).
„Die 1,3 Hektar große Standortfläche soll über den bisher landwirtschaftlich genutzten Dieburger Weg von Hergershausen aus erschlossen werden“, sagte er. Die Anlieferung erfolge über die Kreisstraße. Die Hergershäuser befürchten, dass auch die Bahnhofstraße von der B26 aus zum Lieferweg wird. Unbestritten war auch bereits, dass der landwirtschaftliche Weg, der zur Anlage führt, in seinem momentanen Zustand für den schweren Verkehr völlig ungeeignet ist und ausgebaut werden muss.
Geliefert wird der Mais während der Erntezeiten im September und Oktober. Da sei mit fünf Fahrten pro Tag zu rechnen. Im Mai und Juni wird die Gras- und Pflanzensilage mit durchschnittlich vier Fahrten am Tag gebracht.
Beruhigt schien kaum jemand
Ganzjährig wird Gülle und Pferdemist geliefert, und zwar mit zwei bis drei Fahrten am Tag. „Ein Großteil der Substrate, etwa 80 Prozent, kommt aus diesem westlichen Bereich des Ortes. Da gibt es kurze Transportwege und Lieferanten direkt am Standort, was ein Grund für die Auswahl dieses Areals gewesen ist“, sagte Schneble.
Auch die Windrichtung zum Ort hin macht den Bürgern Sorgen. Bei einem Abstand von 700 Metern zur geschlossenen Wohnbebauung sei mit keinen Geruchs- oder Lärmbelästigungen zu rechnen, versuchte Andreas Kutschke, der Sachverständige für Immissionsschutz, zu beruhigen.
Aber beruhigt schien kaum jemand nach diesem Abend. Bürgermeisterin Coutandin versicherte, dass sich der Magistrat mit der Verkehrsproblematik befassen werde und lud die Bürger ein, bereits in den nächsten zwei Wochen Einsprüche und Anregungen schriftlich an den Magistrat zu schicken. Hans-Werner Bieder von der Firma LimnoTec sagte, die Planung könne auch auf einen anderen Standort umgewandelt werden: „Aber dann müsste uns jemand in den nächsten Wochen ein solches alternatives Grundstück verkaufen“.
Der Magistrat, so Coutandin, werde nächste Woche nach alternativen Standorten schauen.
Die Hergerhäuser wollen sich am Samstag um 19 Uhr erneut im Bürgerhaus treffen, um ihre Protestbewegung zu koordinieren.


© Petra GrimmLimnoTec- Geschäftsführer Dr. Niels Holm





