Maria Vollmer greift als „Marianne“ in die Klischeekiste

Schweres Los für die Männerwelt

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Maria Vollmer brachte zum Abschluss des Münsterer Kulturprogramms 2015 „Sünde, Sekt & Sahneschnittchen“ auf die Kulturhallen-Bühne.

Münster - Eine Frau über 40 hat’s nicht leicht. Ebenso aber auch die Herren der Schöpfung, die von Kabarettistin Maria Vollmer in der Münster Kulturhalle auf humoristische Weise analysiert wurden. Von Jens Dörr 

Hans-Jürgen ist einer, der sich Gedanken macht. Zum Beispiel liegt ihm der Naturschutz am Herzen. „Neulich hat er Kröten über die Straße getragen“, sagt dazu Marianne. Und spottet: „Da wollten die gar nicht hin.“ Besser kommen in ihrem mitunter hormongesteuertem Bild vom schwachen Geschlecht da schon Mucki-Typen wie jener aus der Cola-light-Werbung weg, wenngleich sie sich die Häme über die Diskrepanz zwischen großem Bizeps und kleinem Gehirn nicht verkneifen kann. „Marianne“, das ist die Kunstfigur, mit der die Kölner Kabarettistin Maria Vollmer in ihrem Programm „Sünde, Sekt & Sahneschnittchen“ die deutschen Bühnen entert. Am Freitagabend war dies zum Abschluss des Münsterer Kulturprogramms vor 150 Zuschauern in der Kulturhalle der Fall.

Die mit zahlreichen Preisen (im Duo mit Eva-Maria Michel unter anderem mit dem Publikumspreis des „Reinheimer Satirelöwen“) dekorierte ausgebildete Tänzerin und Musikerin (unter anderem Gesang und Schlagzeug) ordnete sich im Laufe des Abends dann auch in dieses humoristische Genre ein – es ist Comedy, was sie darbietet, auch wenn ihre Öffentlichkeitsarbeit sie als „Kabarettistin“ ankündigt, sie 2016 für einen Kabarettpreis in Kiep kandidieren und beim „Kabarett der Galgenstricke“ in Esslingen mitwitzeln will. Dazu sind ihre Gags indes nicht tiefgründig genug, politisch ohnehin nicht. Durchaus gesellschaftskritisch sind sie, mag mancher vielleicht entgegen – und wie vorhersehbar die ein oder andere Pointe ist, darüber lässt sich auch immer streiten. Den Grenzbereich zwischen Comedy und Kabarett, der ohnehin fließend ist, kann man Vollmer dann doch getrost zugestehen. Was bei allem sowieso nicht heißt, dass Vollmer nicht lustig wäre und sie die Lacher auch in Münster nicht rasch auf ihre Seite bringen würde.

„Das Leben als Frau über 40“

Denn das schafft sie, besonders wenn sie erzählt, weniger bei ihren Gesangseinlagen, dafür umso mehr bei der ein oder anderen schauspielerischen Parodie. In diesen Darstellungsformen widmet sie sich leicht verdaulicher Kost, wobei „das Leben als Frau über 40“ das große Thema von Vollmer, pardon: Marianne, ist. „Der Kalorienbedarf einer Frau über 40 ist schon mit einer Milchschnitte gedeckt“, stellte die Blondine etwa fest. Ihre Bekannte im gleichen Alter auch: „Brigitte hat 46 Erdnüsse nach und nach fotografiert, hat alle bei Facebook gepostet und geschrieben: Heute habe ich es mal richtig krachen lassen.“ Wenn Marianne selbst es mal richtig krachen lässt, dann verabredet sie sich beim Mädelsabend zum Trash-TV bei Sekt, taucht in die skurrilen Welten von „Frauentausch“ und „Bauer sucht Frau“ ein. Ohne Hemmungen wird dann nicht nur über die Gratwanderung zwischen Job und Familie geplaudert, wobei Vollmer ihre Marianne auf unterhaltsame Weise doch ein wenig sozialkritisch werden lässt.

Vor allem aber wird über die Herren der Schöpfung gelästert. Mariannes Gatte Reiner etwa unternimmt den verzweifelten Versuch, ein wenig maskuliner und werbefigurähnlicher daherzukommen, indem er seinen Konsum an Cola light erhöht. Das ein oder andere männliche „Sahneschnittchen“, womit auch dieser Teil des Titels erläutert wäre, sorgt auch bei der „Frau über 40“ noch für sündige Träume. Dort garantiert nicht vorkommen wird hingegen Helmut. Der macht sich als Bestatter selbstständig, weil das kein geschützter Beruf ist. Mariannes gemeine Vermutung: „Kennste dich mich sonst nix aus – trägste Oma aus dem Haus!“

Quelle: op-online.de

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