Altes floriert auf Sperrmüllbörse

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Klaus Kneip und Karin Schüler: Zwei Sperrmüll-Börsianer freuen sich über eine gut funktionierende Institution.

Münster ‐ Als Reiner Weber Anfang der 1990-er Jahre noch ein junger Vater war, kam ihm eine gute Idee: „Warum sollte ich Spielsachen und Fahrräder, aus denen meine Kinder herausgewachsen waren, einfach wegwerfen? Von Jasmin Frank

Und auch Möbel, die noch gut waren, mussten doch nicht einfach auf den Müll, nur weil sie mir nicht mehr gefielen. Jeder weiß doch, dass man sich in jungen Jahren über eine gebrauchte, aber gut erhaltene Erstausstattung gefreut hätte“, erzählt der Abteilungsleiter für Inneres und Finanzen der Münsterer Gemeindeverwaltung. Kurz entschlossen rief er die Sperrmüll- und Bauschuttbörse ins Leben, die bis heute bestens läuft. Wenn dienstags im Schaukasten des Rathauses die Inserate ausgehängt werden, stehen oft schon die ersten Interessenten bereit und notieren, was so alles abgegeben wird. Viele haben in Zeiten des Wohlstands Dinge übrig, die noch bestens genutzt werden können. Und ebenso viele Menschen haben auch bedingt durch die Wirtschaftskrise kaum Geld, sich etwas anzuschaffen.

Jetzt treffen zwei erfahrene Sperrmüllbörsianer über die segensreiche Institution aufeinander: Karin Schüler hat schon öfter Dinge abgegeben und Klaus Kneip sich bereits das ein oder andere gute Stück abgeholt. „Die größte Nachfrage hatten wir vor ein paar Jahren, als wir einen Kühlschrank mit Gefrierfach inseriert hatten. Obwohl er schon recht alt war, ging er sofort weg und es haben viele Leute angerufen“, erzählt Schüler.

„Wir sind ja in der Nachkriegszeit groß geworden“

Die Münstererin kann sich aber nicht von allen Sachen so einfach trennen und meint: „Ja, mein altes Hollandrad, das war schon schwierig für mich. Ich habe daran gehangen. Aber es war mir einfach zu schwer zum Treten. Und es im Keller herumstehen zu lassen war es ja dann doch zu schade. So wird es wenigstens benutzt.“

Nicht nur ihr fällt es schwer, sich von lange gewohnten Teilen verabschieden zu müssen, auch ihr Mann Norbert Pürschel hat damit so seine Probleme. „Wir sind ja in der Nachkriegszeit groß geworden und da war es mit allem immer knapp. Wir mussten überall sparen. Nun hatten wir ein richtig schlechtes Gewissen, unseren Fernseher, der noch einwandfrei funktioniert, zu entsorgen, nur um einen neuen zu haben. Wir haben immer darauf gewartet, dass er mal kaputt geht, damit wir endlich einen Flachbildschirm anschaffen können, aber er läuft mit seinen 16 Jahren noch prima“, erläutert der Rentner seine Einstellung. Erst über die Sperrmüllbörse konnten sie sich dazu durchringen, den guten Fernseher wegzugeben, da ihn ja nun jemand anderes nutzt.

In diesem Fall ist das Klaus Kneip, der meint: „Ich bin Frührentner und habe wenig Geld. Da muss ich zusehen, dass ich meine Sachen günstig bekomme. Als jetzt vor kurzem mein Fernseher kaputt gegangen ist, habe ich mich richtig gefreut, die Anzeige von Frau Schüler zu lesen.“ Er hat auch schon einiges an Mobiliar über das Angebot der Gemeinde zusammengetragen, von einer Eckbank mit Tisch bis hin zu einer Couch.

Sie und ihr Mann haben ihr Leben lang gearbeitet

Seine Nachbarin, Rosemarie Fröhlich, die ihn manchmal begleitet, weiß genau wie es ist, mit wenig Geld auskommen zu müssen. „Mein Mann ist in der gleichen Situation und da hat man eigentlich nie die Möglichkeit, sich etwas Neues anzuschaffen. Ich kann auch gar nicht verstehen, wie man etwas, das noch gut ist, wegwerfen kann. Aber für uns ist es ja prima so“, lacht sie und berichtet, dass sie ein Jahr per Hand gespült hat, als ihre Spülmaschine kaputt gegangen war und sie dann auch ein gebrauchtes Haushaltsgerät angenommen hat.

„Ich hätte nie gedacht, dass es so viele arme Leute in Münster gibt“, mein Karin Schüler später. Sie und ihr Mann haben ihr Leben lang gearbeitet und beziehen eine gute Rente. Doch nicht überall läuft es in Zeiten der Arbeitslosigkeit so glatt und vielen Menschen fehlt das Geld, sich über die notwendigen Alltagsbedürfnisse hinaus etwas zu leisten. Daher ist sowohl für Anbieter als auch für die Abnehmer die Bauschutt- und Sperrmüllbörse in Münster ein interessantes Angebot, das zudem noch durch die Müllvermeidung die Umwelt schont.

Quelle: op-online.de

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