Kritik am neuen Urnengrab-Gemeinschaftsfeld

Anonym und würdevoll bestatten

+
Noch Baustelle, schon verunglimpft: Münsters Gemeinschaftsgrabanlage für anonyme Urnenbestattung wurde als „Massengrab“ bezeichnet und mit Containern verglichen.

Münster - Die Bestattungskultur ist europaweit im Wandel und Münster trägt dem Rechnung mit einer Urnengemeinschaftsgrablage. Noch ist sie am Rande des Gottesackers im Bau, und doch sehen sich die Verantwortlichen bereits verunglimpft. Von Thomas Meier 

Was die Gemeinde als würdevolles Bestattungsfeld ansieht, wurde im Bericht einer Zeitung despektierlich als „Massengrab“ bezeichnet. Der Umgang mit dem Tod ist individuell, ein Trend liegt beim pflegefreien Gemeinschaftsgrab. Konventionelle Bodengräber werden immer seltener gewünscht, liegen gegenüber Urnenbestattungen bei 30 zu 70 Prozent. Und weil immer mehr Menschen nach ihrem Tod niemandem mit einer Grabpflege zur Last fallen möchten, nehmen auch die anonymen Bestattungen stark zu. Anonym, aber sich mit anderen gemeinsam bestatten zu lassen, mit denen man auch gemeinsam lebte, ist ein Wunsch, dem die Gemeinde Münster eben mit ihrer neuen Urnengemeinschaftsgrabanlage nachkommen möchte.

„Es soll ein Alternativangebot zu den im Umkreis bestehenden Friedwäldern sein“, erklärt Tatjana Maier von der Friedhofsverwaltung der Gemeinde. Damit biete man den Bürgern neben Erdbestattungen, Urnenwänden und Urnenbestattungen in Gräbern oder unter von Rasen umgebenen Grabsteinplatten eine weitere Möglichkeit, ihre Verstorbenen im Ort beizusetzen. „Auch Bürger ohne Familienanhang, die aber gerne in ihrer Heimatgemeinde beigesetzt werden möchten, bekommen damit die Gelegenheit, in einer würdigen Anlage, die durch die Gemeinde gestaltet und gepflegt wird, ihre letzte Ruhe zu finden“, sagt Maier.

Bundesweit gibt es mittlerweile pflegefreie Gemeinschaftsgrabstätten der unterschiedlichsten Ausführungen. Unter anderem in Messel, Weiskirchen, Hainhausen, Jügesheim, Dudenhofen und Nieder-Roden sind ähnliche Grabanlagen zu finden. Auch im europäischen Ausland bilden diese Gemeinschaftsgrabstätten einen festen Bestandteil der sich wandelnden Friedhofskultur.

Der Änderungen im Friedhofsbereich wegen und zum Zwecke einer kompetent begleitenden Friedhofsplanung wurde 2010 Kontakt mit der Firma Cemterra aus Münster-Hiltrup aufgenommen. Die Experten für Friedhofssanierung und -planung erarbeiteten eine Bestands- und Bedarfsanalyse sowie Entwicklungspläne für die Friedhöfe in Münster und Altheim. Sie präsentierten den Gemeindevertretern Möglichkeiten und Varianten von neuen, bedarfsgerechten Grabarten. Einer dieser Vorschläge war das Gemeinschaftsurnengrabfeld, da nicht nur die Zahlen der Urnenbeisetzungen stetig steigen. Auch der Wunsch nach anonymen Beisetzungen nimmt immer mehr zu. Im Jahre 2012 wurden von 132 Verstorbenen 20 in anonymen Grabfeldern oder Ruheforsten außerhalb von Münster beigesetzt. 2013 waren es von 129 Verstorbenen 28.

Da der Trend zur Beisetzungen in anonymen Gräbern immer stärker zu erkennen war, beschloss der Gemeindevorstand Mitte 2013, Cemterra solle Gestaltungsvorschläge für ein Urnengrabfeld am Treppenaufgang an der Rathenaustraße am Friedhof ausarbeiten. Verschiedene Planungen wurden vorgestellt, 2014 wurde die Maßnahme ausgeschrieben. Ein historischer Grabstein, der seit 1958 auf dem Friedhof steht, wird das Feld zieren.

„Da 2014 von 119 Verstorbenen 13 außerhalb der Gemeinde beigesetzt und in diesem Jahr von 116 Verstorbenen bereits 21 in anonymen Grabfeldern oder Ruheforsten außerhalb von Münster beigesetzt wurden, sind wir der Überzeugung, den richtigen Weg in unserer Planung eingeschlagen zu haben“, erklärt Bürgermeister Gerald Frank. Dem pflichtet Tatjana Maier bei: „Viele äußern den ausdrücklichen Wunsch nach solchem anonymen Gemeinschaftsgrab. Es ist mehr als nur eine Alternative zur weit entfernten Friedwaldruhestätte. Hier haben die Hinterbliebenen kein Grab, dass über Jahrzehnte gepflegt werden muss. Dennoch ruht der Verblichene in der Gemeinschaft, in der er lebte.“

Quelle: op-online.de

Kommentare