Arbeitskreis Asyl bewirtet Flüchtlinge

Sich als Ort der Zuflucht präsentiert

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Kai Herd, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, begrüßt mit Töchterchen Valentina auf dem Arm die Gäste.

Münster - Es hatte geregnet und es war kühl. Gespannt warteten die Gastgeber, der Heimat- und Geschichtsverein Münster, der Arbeitskreis Asyl Münster und die Ahmadiyya Muslim Gemeinde Münster/Eppertshausen auf ihre Gäste. Von Peter Panknin 

Eingeladen waren alle sich derzeit in Münster aufhaltenden Flüchtlinge. Und sie kamen, in großen und kleinen Gruppen, alle zu Fuß. Bis auf etwa sechs von den 41 Registrierten trafen nach und nach alle ein. Das Café des Museums war warm, das von Mitgliedern der Ahmadiyyas zubereitete Essen war fertig, nur der Salat wurde noch ganz frisch angemacht. Das Untergeschoss des Museums an der Gersprenz war gefüllt mit Menschen, die sich in unterschiedlichsten Sprachen, oder einfach nur mit Gesten, unterhielten. Die mitgebrachten Kinder wirbelten herum, sofern sie es altersmäßig schon konnten, oder waren malender weise dem Trubel um sie herum entrückt. Erste Kontakte mit deutschen Kindern wurden ohne Probleme geknüpft, Kinder sind da wesentlich unkomplizierter als Erwachsene.

Kai Herd begrüßte als Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Münster die Gäste und erläuterte Sinn und Zweck der Zusammenkunft. Er verwies auf die Geschichte Münsters, einen Ort, der schon öfter Zuflucht und neue Heimat für vertriebene Menschen geboten hat. Beispielhaft die Zeiten nach dem 30jährigen Krieg, der Münsters Bevölkerungsstand dramatisch reduzierte und der sich nicht zuletzt durch Zuwanderung von anderen Orten wieder erholt hat. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg musste und hat Münster zahlreiche Flüchtlinge aufgenommen, die den Ort inzwischen selbst und durch Nachkommen geprägt haben. Die Mitglieder der Ahmadiyya Gemeinde haben ebenfalls eine Vergangenheit als Flüchtlinge, wenn das auch inzwischen weit mehr als 20 Jahre her ist und ihre Nachkommen hier geboren sind, die Schule besucht und eine Ausbildung oder ein Studium absolviert haben. Sie haben sich hier in Münster eine neue Heimat aufgebaut. In Erinnerung an ihre eigene Ankunft als Flüchtlinge will die Muslim Gemeinde dazu beitragen, neu angekommenen Flüchtlingen eine ähnlich positive Aufnahmekultur zu bieten, wie sie sie selbst bei ihrer Ankunft erlebt haben.

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Mitgastgeber Zahid Viqar als Vorsitzender der Ahmadiyya Muslim Gemeinde schloss sich seinem Vorredner an, fasste sich kurz, hieß die Gäste in arabischer Sprache willkommen und wünschte allen einen guten Appetit. Es dauerte einen kleinen Moment, bis sich der erste Gast an das Buffet traute, aber dann war der Bann gebrochen, und jeder bediente sich. Es gab ein Reisgericht mit Geflügelstückchen, einer leckeren Sauce, eine Süßspeise und frischen Salat. Trotz der betont „milden Würzung“, so die Köche, war es für einige Gäste, vorwiegend für die mit deutscher Zunge, ungewohnt scharf. Gleichwohl wurde von allen Anwesenden das Essen als hervorragend eingestuft: Es blieb auch fast nichts übrig.

Zu den Gästen gesellten sich alle Pfarrer der christlichen Gemeinden in Münster und sie wurden in die Gesprächsrunden mit einbezogen. Bürgermeister Gerald Frank begleitete die zahlreichen Interessenten der Ausstellung im Obergeschoss des Museums. Dort präsentieren sich örtliche Sportvereine in der Gegenwart und in ihrer Vergangenheit. Zahlreiche Flüchtlinge, überwiegend die jüngeren unter ihnen, versuchten die Texttafeln in der Ausstellung zu identifizieren und vorzulesen. Verständnisfragen wurden gerne und ausführlich von Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins beantwortet. Inzwischen war Kaffee und Tee bereitet worden und fanden guten Zuspruch. Erstaunlich immer wieder die regen Gespräche, trotz der unterschiedlichen Sprachen – es hat funktioniert.

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Da die Flüchtlinge in Münster dezentral untergebracht sind, war es auch für sie eine Möglichkeit, sich mit Leidensgefährten auszutauschen. Manch ein in Münster oder Deutschland geborener Gast räumte ein, erstmalig im Museum an der Gersprenz zu sein und bewunderte die gemütliche Atmosphäre des historischen Ortes. In der Bewertung waren sich alle einig: eine gelungene Veranstaltung, um sich mit der neuen Umgebung etwas vertrauter zu machen, Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund kennenzulernen und ungezwungen aufeinander zuzugehen. Einhellig wurde der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass dies keine einmalige Veranstaltung sein möge und spätestens dann, wenn neue Flüchtlinge in Münster eintreffen werden, eine Wiederholung stattfinden werde.

Quelle: op-online.de

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