„Arthaus“ in Altheim wird ein Jahr jung und feiert

Unaufdringliche Musik zum Steinpilz-Pesto

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Viele Zaungäste verfolgten die Lichtprojektionen am Rathaus in Altheim, während im Inneren Projektionen von Pilzen das abendliche Menü begleiteten.

Altheim - Bei den Darmstädter Jugendstiltagen 2016 erstrahlte die Mathildenhöhe in Orange. In vielen Farben leuchtete dagegen das alte Rathaus in Altheim. Anlass war der erste Geburtstag des „Arthauses“. Von Peter Panknin 

Der alte Mollerbau ist in die Jahre gekommen und wird als Rathaus nicht mehr gebraucht. Die einen wollten sich von dem lästig gewordenen Gebäude trennen, andere sprachen sich für eine Neubelebung aus. Alle Bemühungen zur Trennung schlugen fehl, Anstrengungen zur Wiederbelebung haben jedoch nach anfänglichen Mühen und manchem Rückschlag zu deutlichen Lebenszeichen geführt. Zu verdanken ist dies einem Verein, der sich die Förderung von Kunst und Kultur zur Aufgabe gemacht hat. So wurde aus dem Rathaus wortspielerisch das „Arthaus“. Einige kreative Menschen haben sich zusammengefunden und bieten ein vielseitiges Spektrum für kunst- und kulturinteressierte Mitbürger an. Nach einem Jahr arbeitsreicher, aber erfolgreicher Aktivitäten fanden die Vereinsmitglieder es an der Zeit, das erste Jahr zu feiern. Und das tun sie genauso Intensiv, wie alles andere vorher.

Am Freitag war zum Auftakt der Feierlichkeiten eine Kunstkantine im Festprogramm vorgesehen. Nicht schnelle Nahrungsaufnahme stand im Mittelpunkt, sondern das gesamte Arrangement des Abends sollte zur niveauvollen Unterhaltung beitragen. Die Veranstaltung war ausgebucht, den ankommenden Gästen konnte man schon von Weitem ansehen, dass sie – gut gestylt und gut gelaunt – den besonderen Anlass des Abends zu würdigen wussten. Man pflegte unterhaltsamen Smalltalk mit einem Aperitif in der Hand vor dem Haus oder im Eingangsbereich, bevor man sich in den ehemaligen Sitzungssaal im Obergeschoss begab. Auf dem Weg dorthin ging es nur langsam voran, denn mit einigen „Aahs“ und „Oohs“ wurden die an Decken und Wänden projizierten Lichtbilder betrachtet. Der von der Luminale in Frankfurt und Lichtinstallationen in Erfurt, Wiesbaden und Darmstadt bekannte Lichtkünstler Jens Schader hatte das Innere der ehemaligen Verwaltungsherberge in ein Lichtkunstobjekt erster Güte verwandelt. Eigentlich ist Schader Architekt, hat sich aber darauf spezialisiert, mit Licht Räume zu schaffen. So sorgte er für ein besonderes Ambiente. In seinen Lichtprojektionen schufen unter der Regie von Max Petermann die ganz in Weiß gekleideten Emma Neuroth, Anja Haus und Martin Husemann ein mehrgängiges Menü für die Gäste.

Nicht nur die weiße Kleidung, sondern auch die in Weiß eingedeckten Tische und die nicht ganz so weißen Wände reflektierten zum Menü passende Bilder von Waldfrüchten, Pilzen und Meeresgetier (es gab unter anderem Pasta mit Steinpilz-Pesto, Steinbutt mit Kartoffelpüree und Blattspinat, Mozarella-Mango-Salat). Das Ganze war dezent unterlegt mit Musik, unaufdringlich aufgelegt von DJ Lyra Bird (bürgerlich Jens Bauer). Zwischen den einzelnen Gängen begab sich die Gesellschaft angeregt plaudernd nach draußen. Allen gemeinsam wurde ein Sorbet aus Basilikum und Zitronen angeboten, bevor man sich wieder ins Gebäude zum nächsten Gang bewegte.

Die Zeit schritt voran, denn es wurde allmählich dunkel. Jens Schader verlegte seine Gerätschaften für die Lichtprojektionen vor das Rathaus, unterbrach die Installation aber nach kurzer Zeit. Mit dem Ruf „ich muss rein, es gibt Mousse au Chocolat“ verschwand er wieder im Haus. Kurz darauf kehrte er, und mit ihm fast alle Gäste, wieder ins Freie zurück, um die nun in farbiges Licht getauchte Fassade des altehrwürdigen Gebäudes zu betrachten. Das Schauspiel ließen sich auch zahlreiche Altheimer Bürger nicht entgehen und gesellten sich zu den Schaulustigen.

Der Wettkampf zwischen der kräftig strahlenden Straßenlaterne an der Kreuzung, den Scheinwerfern vorüberfahrender Autos und den farbig leuchtenden Strukturen an der Hausfassade war zugegebenermaßen nicht ganz fair, aber die Natur hatte ein Einsehen mit den kreativen Menschen in Altheim: Der Vollmond versetzte mit Unterstützung einer zufällig vorbeiziehenden Wolke den Turm des „Arthauses“ ins rechte Licht. Nach und nach kehrten die Gäste ins Gebäude zurück, um sich DJ Lyra Bird und seiner nunmehr nicht ganz so dezenten Musik und dem Abtanzen der zuvor aufgenommenen Kalorien zu widmen. Ein rundum gelungener, harmonischer Abend.

Quelle: op-online.de

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