Veranstaltung des Ausländerbeirats

Schulen mangelt es an Islam-Lehrern

+
Münsters Ausländerbeirat führt vor 50 interessierten Besuchern mit Experten Diskussion zum bekenntnisorientierten Religionsunterricht. Informationen aus erster Hand: Nurgül Altuntas vom hessischen Kultusministerium (links, im Bild mit Fuat Kurt und Ilias Mubartz) erläuterte den Weg und die Bedingungen zur Einführung des IRU.

Münster - Am 17. Dezember 2012 übernahm das Land Hessen eine Vorreiterrolle: Islamische Gemeinden wie die türkisch-sunnitische DITIB oder die Ahmadiyya wurden als verfassungsmäßige Glaubensrichtungen anerkannt. Von Michael Just 

Damit war der Weg für einen bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht (IRU) an den Schulen frei. Im Schuljahr 2013/14 starteten 27 hessische Grundschulen mit dem Unterricht, im Schuljahr 2014/15 kamen weitere elf hinzu. Während es in Darmstadt, Frankfurt oder Offenbach schon den IRU gibt, steht die Einführung im Landkreis Darmstadt-Dieburg noch aus. Zu einer Informationsveranstaltung lud nun der Ausländerbeirat Münster mit seiner Vorsitzenden Hülya Lehr - in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Hessen (AGAH) und dem Kreisausländerbeirat - ins Münsterer Rathaus ein. Ziel war es aufzuzeigen, welche Inhalte im IRU-Unterricht zum Tragen kommen und was es für eine Initialisierung benötigt. Auf dem Podium saßen Nurgül Altuntas (Hessisches Kultusministerium), Stefan Zelder (AGAH), Fuat Kurt (DITIB) und Ilias Mubartz (Ahmadiyya). 50 Besucher zeigten Interesse.

Für Stefan Zelder ist die Veranstaltung nicht als Werbung für den IRU zu verstehen: „Es geht vielmehr um sachbezogene Informationen“, sagt er. Trotzdem spreche man sich im Rahmen der Gleichbehandlung für den IRU aus, da es für viele muslimische Kinder in Deutschland und damit auch in Münster kein adäquates schulisches Angebot gebe. Nurgül Altuntas vom Hessischen Kultusministerium ging unter anderem auf die Inhalte der islamischen Schulbücher ein. Bedeutsam sei, dass darin Kultur und Religion deutlich getrennt würden. Dazu spreche sich der Lehrstoff - mit als wichtigstem Aspekt - für eine plurale, werteliberale Gesellschaft aus, die die Akzeptanz anderer Religionen beinhaltet.

Dass viele Grundschulen in Hessen noch auf die Einführung des IRU warten, erklärt Altuntas damit, dass noch ein deutlicher Mangel an Lehrkräften vorliege. Derzeit stünden in Hessen 35 Lehrer zur Verfügung, die 70 Lerngruppen betreuen. Einige würden an bis zu vier Schulen parallel unterrichten. Die Ausweitung der Lehrkräfte bedarf laut Zelder Zeit: „Wir sprechen hier von staatlichem Unterricht und nicht von einem Unterricht in der Moschee.“ Islamkenntnisse alleine reichten nicht aus. Genauso wichtig sei eine pädagogische und didaktische Ausbildung. Dass es zum IRU kommt, braucht es - neben der Verfügbarkeit von staatlich anerkannten Lehrern - mindestens acht Schüler eines Jahrgangs. Von den Eltern muss zuvor eine Anmeldung für ihr Kind erfolgen.

Das Podium war sich einig, dass der IRU einen wichtigen Schritt zur Gleichbehandlung der Muslime darstellt. Ängste von Deutschen, dass damit eine Islamisierung der Gesellschaft einhergehen könnte, teilt man nicht. Viel eher sei fundiertes Wissen über den Islam von Vorteil: „Konform zum Grundgesetz befähigt es die Kinder zu einer reflektierten Dialogführung über ihren Glauben“, so Altuntas. Gerade die derzeit oft vorliegende Unwissenheit über den Islam würden Radikale ausnutzen, um junge Menschen zu gewinnen. Das unterstrich auch Ilias Mubartz von der Ahmadiyya: „Was die Terrorgruppe IS macht, ist absolut konträr zu den islamischen Glaubensvorstellungen.“ Nur jene, die nicht über den Islam gebildet sind, folgten dem IS.

Quelle: op-online.de

Kommentare