„Dafür sind wir noch zu jung“

Awo-Münster feiert Herbstfest und 50-jähriges Bestehen

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Ein Ständchen zum Awo-Geburtstag gaben die „Disharmoniker“ zum Besten.

Münster - Geburtstagskinder zu überraschen bedeutet für alle Beteiligten Freude. Am vergangenen Wochenende trug sich eine solche, gelungene Überraschung im Gemeinschaftsraum der Seniorenwohnanlage in der Walterstraße zu. Von Michael Just

Das Geburtstagskind war der Ortsverein der Awo Münster, der in diesem Jahr auf sein 50-jähriges Bestehen blickt. Die Überraschung gelang den „Disharmonikern“ und damit dem Awo-Chor des Landkreis Darmstadt-Dieburg, der mit seinem Leiter Günter Christ ganz unangemeldet zum Herbstfest erschien. Die zehn Sänger gaben im Beisein von Bürgermeister Gerald Frank rund ein halbes Dutzend Lieder zum Besten, die alle einen tiefen Hintergrund in der Arbeiterbewegung haben. Darunter waren Stücke wie „Das rote Herz“ oder „Die Gedanken sind frei.“

Mit dem Herbstfest beenden wir unser Jubiläumsjahr“, erklärte Elke Müller vom AWO-Vorstand. Auf die Mitglieder wartete ein Abendessen mit Leberkäse und Kartoffelsalat, dazu hatte Marga Bürger noch einen unterhaltsamer Vortrag parat. In ihm fragt sich der biblische Adam, ob aus seinen Rippen noch mehr Evchen werden sollen oder ob es besser sei, seine bereits hergegebene Rippe wieder zurückzuverlangen. Das Jubiläumsjahr begann für die Awo Münster mit dem Neujahrsempfang im Januar. Der Höhepunkt sagte sich März an, als man bewusst auf eine Feier mit großen Reden verzichtete und stattdessen eine Musik-Revue mit freiem Eintritt in der Gersprenzhalle organisierte. Zu Gast waren die „PepperRoses“, eine weibliche Gesangsformation, die unter dem Titel „Glamour, Schutt und Muckefuck“ die Nachkriegszeit musikalisch zum Leben erweckte. Das passte, denn damit wurde auch das Jahr 1966 tangiert, in dem der Awo-Ortsverein entstand. „Jeder, der das Programm sah und hörte, war begeistert“, bilanziert Elke Müller rückblickend den gelungenen Auftritt.

1966 wurde die Awo Münster auf Initiative von Herbert Kreher sowie dem damaligen Awo-Kreisvorsitzenden Friedel Eifert ins Leben gerufen. Der erste Vorstand bestand aus Herbert und Margot Kreher, Leo Barden, Adam Gebhardt und Johann Körner. Ewald Grimm engagierte sich schon bald mit einer Haus- und Straßensammlung. Mit weiteren Zuschüssen ermöglichte die AOK und der Landkreis Erholungsurlaub für sozial schwache Menschen im Ort. Richtungsweisend wurde die Gründung der Bewegungstherapie, die im letzten Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feierte. Bei ihr wird der gesamte Körper durch sanfte Gymnastik fit gehalten. Derzeit besteht das Angebot aus drei Gruppen, die allesamt von Dagmar Klinkerfuß geleitet werden.

Der zweite Schwerpunkt ist der Seniorenkreis, der 1980 ins Leben gerufen wurde und 2015 35-jähriges Bestehen feierte. Er wurde von Margot Kreher initiiert. Unter anderem fanden Fahrten nach Berlin, Bonn und zum Europaparlament nach Straßburg statt. Auch mehrwöchige, aktive Seniorenfreizeiten luden zur Teilnahme ein. Organisiert wurden die Fahrten von dem Ehepaar Kreher und Elisabeth Grimm. Daneben hat der Ortsverein auch bei den Altstadtfesten mitgewirkt. 1997 erfolgte ein Einschnitt, als das Ehepaar Kreher nach Passau zog. Der Seniorenkreis blieb aber Bestehen und wurde vom Awo-Vorstand in deren Sinne weitergeführt. Die Gruppe trifft sich derzeit alle 14 Tage für zwei Stunden. Dabei stehen Gedächtnistraining, Entspannungsübungen und Gesellschaftsspiele auf dem Programm. Die Geburtstage werden halbjährlich nachgefeiert. Feste Bestandteile im Jahresprogramm sind das Herbstfest und die Weihnachtsfeier. Weil die Awo-Mitglieder alle im fortgeschrittenen Alter sind, gibt es größere Ausflüge nur noch in Jubiläumsjahren. Auffallend ist bei den 60 Mitgliedern der große Frauenanteil von fast 95 Prozent.

Armut trifft immer mehr ältere Menschen

Das Herbstfest stand unter der traurigen Nachricht, dass Margot Kreher, die Gründerin des Seniorenkreises, verstorben ist. Auch wenn sie schon seit fast 20 Jahren in Passau wohnte, ist sie vielen Mitgliedern als Aktivposten der Awo-Münster noch in guter Erinnerung.

Für die Zukunft wünscht sich Vorsitzende Anneliese Löbig, dass vor allem jüngere Mitglieder Verantwortung übernehmen und mit neuen Ideen aktiv werden. Da der Nachwuchs ausbleibt, ist die Umsetzung genauso schwierig wie die Verjüngung des Altersdurchschnitts. So ist der Vorstand vor allem darauf ausgerichtet, das Bestehende zu erhalten und den Gruppen die bestmögliche Unterstützung zu geben. Neben Anneliese Löbig übernehmen im Vorstand seit Jahren Hilde Höhl, Maria Jäger, Elke Müller, Dagmar Klinkerfuß, Brigitta Stork und Elsbeth Müller Verantwortung. Zum Schmunzeln regte beim Herbstfest der Dirigent der Disharmoniker, Günter Christ, an. Als er fragte, wer vor 50 Jahren schon dabei war, ging keine Hand hoch. „Dafür sind wir noch zu jung“, lautete dazu die Erklärung aus der Runde.

Quelle: op-online.de

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