Musikalischer Abend im Museum an der Gersprenz

Im Bann von Nyckelharpa und Harfe

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Mit viel Freude beim Museumskonzert (von links): Steffen Huther, Lucianne Brady, Ian Kimber, Michael Gumbacurta (verdeckt) und Sue Ferrers.

Münster - Ein außergewöhnliches Konzert ließ die altehrwürdigen Dielen des Museums an der Gersprenz erbeben, so frenetisch klatschte und stampfte das Publikum Beifall, als Sue Ferrers auf der Nyckelharpa und Freunde auf Harfe, dem Schlagzeug, der Gitarre und anderen Instrumenten musizierten. Von Peter Panknin 

Britisch-schottisch-australisch-irisch-international waren die Klänge, die im fast überbesetzten Saal verzauberten. Dem Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins Münster, Kai Herd, war die Freude deutlich anzumerken, als er die zahlreichen Gäste des Abends willkommen hieß. „Es war einmal, so beginnen fast alle Märchen“, begann er seine Begrüßung und führte aus, wie mit Unterstützung der Gemeinde der Traum des Vereins, ein Museum zu betreiben, realisiert werden konnte. Kultur verstünden die Vereinsmitglieder als Auftrag, nicht nur in historischen Angelegenheiten. „Kultur beginnt nicht erst bei einem Abonnement für 60 Euro, sondern bereits im Kleinen für weniger Geld“, und wünschte den Gästen einen schönen Abend, verbunden mit dem aus Märchen bekannten Wunsch „und wenn sie nicht gestorben sind, kommen sie immer wieder“.

Danach begrüßte auch Bürgermeister Gerald Frank die Gäste und gab einen kurzen Überblick auf das kommende Programm. Das angekündigte musikalische Ereignis hatte viele Menschen zwischen Mitte 20 bis Ende 60 neugierig gemacht und ins Museum geführt. Die Stühle reichten nicht aus, daher wurden kurzerhand von Frisch-Auf noch 25 Sitzgelegenheiten herbeigeschafft, um allen Gästen einen Platz anbieten zu können. Auch das reichte nicht, einige blieben ohne zu murren stehen. Alle Gäste verhielten sich ruhig, denn jede Gewichtsverlagerung auf den Stühlen oder gar Schritte im Raum wurden gnadenlos von den laut knarzenden Dielen des alten Gemäuers verraten; auffallen wollte aber niemand. Die kleine, mit Teppichen belegte Bühne war dezent in rotes und gelbes Scheinwerferlicht getaucht, unterstützt von zahlreichen Kerzen, die im Hintergrund in Leuchtern auf der Bühne aufgestellt waren.

Das Konzert begann mit instrumentalen Klängen, gespielt von Sue Ferrers auf der Nyckelharpa, begleitet von ihrem Mann Steffen Huther. Zum Vortrag kamen überwiegend traditionelle Weisen, aber auch Eigenkompositionen, die alle auf der neu herausgebrachten CD der beiden festgehalten sind. Ein weiteres historisches Instrument trat in Erscheinung, eine keltische Harfe, die vor allem durch die typische gebogene Form der Säule auffällt. Lucianne Brady, geboren in Sydney, entlockte dem Instrument märchenhafte Töne, zunächst als Solistin, dann gemeinsam mit Nyckelharpa und Gitarre. Zauberhafte Stimmung kam auf, hier und da konnte man sehen, wie Paare dichter zusammenrückten, um die Musik zu genießen. Vor der Pause betrat ein weiterer künstlerischer Gast die Bühne, Michael Gumbacurta, der Konzert-Perkussionist ist in Kanada geboren und lebt in Kleestadt. Er ergänzte verschiedene Stücke mal sehr dezent, mal sehr rhythmisch. Mit der in Wien geborenen Sonja Kraushofer wurde das Abendprogramm weiter angereichert. Die in Offenbach lebende Sängerin – normalerweise ist sie in der österreichischen Band „L’Âme Immortelle“ (bedeutet: die Unsterblichen) zu hören – begeisterte mit ihrer Stimme das Publikum.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Nach der Pause ging es wesentlich temperamentvoller weiter. Künstler und Instrumente blieben, die Art der Musik wurde gewechselt. Sue Ferrers kündigte einen Sänger und Bassisten an, mit dem sie bereits vor einigen Jahren ihre Tournee durch Deutschland startete. Ian Kimber, Lead-Sänger und Bassist der Gruppe „Popproperly“, Australier und extra für diesen Abend aus Groß-Britannien angereist, betrat die Bühne und gab sein Können zum Besten. In ihrer in Deutsch geführten Moderation (sie ist seit Jahren mit dem Münsterer Steffen Huther verheiratet und unterrichtet als Streicherklassenlehrerin an der Freien Musikschule in Rodgau, Musikschule Dietzenbach und der Heinrich-Böll-Schule in Rodgau) führte sie aus, Münster sei sehr schön, aber ihr fehle das Meer. Ihre Frage, an den Bürgermeister gerichtet, warum Münster kein Meer habe, blieb unbeantwortet, war aber der Anlass für Ian Kimber, sein Lied vom Traum in der Wüste (My Island Home) und der Sehnsucht nach Wasser vorzutragen.

Wie es bei Musikern öfter vorkommt, steigerten sich die Akteure auf der Bühne gegenseitig, auch den Perkussionisten hielt es nicht auf seinem Stuhl, und er trommelte kräftig mit. In dieser Session kam jeder zu seinem Solo. Bemerkenswert hierbei das Solo der Harfe, rockig gespielt von Lucianne Brady.

So viel Begeisterung steckt natürlich an, das Publikum ging hervorragend mit durch rhythmisches Klatschen und Stampfen mit den Füßen – das alte Gemäuer der Mühle erlebte nie zuvor gehörte Klänge. Nach einigen Zugaben ging das glanzvolle Konzert nach fast drei Stunden Dauer zu Ende. Das Museum an der Gersprenz hat sich an diesem Abend einen Stern auf der Landkarte der Kleinkunstbühnen geholt.

Quelle: op-online.de

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