Durchaus Substanz vorhanden

Breitefeld: In 19 von 32 Gebäuden herrscht Leben

Münster - Münsters Ortsteil Breitefeld ist gar nicht so schlecht wie sein Ruf – zumindest was den Zustand der Gebäude angeht. Den haben Studenten der Hochschule Darmstadt bewertet. Von Jens Dörr

Wer ist in Münster-Breitefeld überhaupt angesiedelt? Darüber gibt diese Übersicht zweier angehender Umweltingenieure der Hochschule Darmstadt (HDA) Auskunft, die im Sommer 2015 auch bei einem Bürgerworkshop in der Kulturhalle ausgestellt wurde.

Dass Münsters Ortsteil Breitefeld, in dem überwiegend Gewerbe angesiedelt ist, rein optisch und mit Blick auf diverse etwa zwielichtige Vorgänge keine allzu attraktive Visitenkarte für die Gersprenz-Gemeinde darstellt, ist im Ort und in der Kommunalpolitik unumstritten. Gemeindevertreter und Rathaus unternehmen daher zunehmend Anstrengungen, Breitefeld zumindest mittel- und langfristig zu entwickeln und nicht zuletzt auch den Ruf des im Westen liegenden „Außenposten“ zwischen Freizeitzentrum und Wald/Ex-Muna zu verbessern. Grundlagen für die derzeitigen Überlegungen, was man im Ortsteil künftig wie anpacken sollte, liefert insbesondere die im Sommer 2015 von studentischen Gruppen aus angehenden Umweltingenieuren und Bauingenieure der Hochschule Darmstadt/HDA präsentierte Bestandsaufnahme, mit der auch erste Anregungen für ein Entwicklungskonzept einhergingen. Wenn sich das Gemeindeparlament am 25. April in der ersten Sitzung nach der Wahl neu konstituiert, dürfte auch in dieses Thema wieder Schwung kommen. Bei allem Nachholbedarf für den Ortsteil hat die Untersuchung indes auch zutage gefördert: Im Breitefeld ist bereits jetzt durchaus Substanz vorhanden.

Zwar klagen auch einige Gewerbetreibende über das negative Image, die fehlende ÖPNV-Anbindung und manch unschönes Gebäude, dennoch werden mehr Immobilien genutzt, als leer stehen. So zeigen insbesondere die baldigen Umweltingenieure Julia Mohr und Stefan Peter auf, dass in 19 von 32 Immobilien Leben herrscht. Sie haben nicht nur mittels Grundstücksinformationen, die der Landkreis Darmstadt-Dieburg zur Verfügung stellte, die Größen der einzelnen Areale in Münster-Breitefeld recherchiert und grafisch aufbereitet. Noch wichtiger erscheint die Art der Nutzung der Immobilien und darüber hinaus ihr baulicher Zustand.

Die beiden letztgenannten Aspekte bewerteten die Studenten in eigenen Beurteilungen. Wie Wohn- oder Gewerbegebäude in Breitefeld genutzt werden, ließ sich mit Ausnahme dreier Fälle recht klar nachvollziehen. Von Nutzungsarten von Betrieben aus der Automobilindustrie (Reifenhandel) über einen Caterer über das „Apart-Hotel“ und die „Live Arena“ bis hin zum Kreistierheim findet sich in der Aufbereitung der Hochschüler einiges Bekannte und auch einiges, dessen Sitz man im Westen Münsters nicht unbedingt vermutet hätte.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Beim baulichen Zustand der Immobilien ordneten die Studenten den Gebäuden Bewertungen von „neuwertig“ bis „abrissbedürftig“ zu. Dreimal vergaben sie die Bewertung „schlecht“, einmal „sanierungsbedürftig“. Wer von Münster aus nach Breitefeld fährt, findet insbesondere auf der linken Straßenseite mehrere Immobilien, die in Sachen Schönheit und Nutzbarkeit viel Luft nach oben haben. Zweimal wurde hingegen die Wertung „sehr gut“ vergeben, ein halbes Dutzend Mal auch „gut“.

Dass die Bewertungen allerdings nur eine erste und recht grobe Einordnung darstellen und die Studenten nicht genauer hinter jede Mauer blicken konnten, verdeutlicht ein Beispiel, konkret die Bewertung für das Kreistierheim: Dessen Zustand beurteilten die Studenten im vergangenen Jahr als „gut“. Anfang dieses Jahres gab der Vorstand des Trägervereins mit seinem Vorsitzenden Gerald Frank aber bekannt, dass in den kommenden Jahren 100.000 Euro investiert werden müssten. Auch deshalb ist der Umzug des Kreistierheims in Kooperation mit einem Langener Tierhotel (hat das Management des Tierheims im Auftrag des Trägervereins übernommen, wir berichteten) ausgemachte Sache. Bei der Suche nach einem neuen Standort läuft vieles auf ein Areal in Dieburg hinaus.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Julia Mohr und Stefan Peter (TU Darmstadt)/Repro: Dörr

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