Bestandsaufnahme zum Ortsteil Breitefeld

Häufigstes Attribut: „negativ“

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Nach der Präsentationen der Studenten arbeiteten Hochschüler, Gemeindevertreter, Bürger und Gewerbetreibende beim Bürger-Workshop zum Breitefeld in drei Kleingruppen zusammen.

Münster - Rund 30 Studenten der früheren FH, die Standorte in Darmstadt und Dieburg hat, präsentierten am Samstagvormittag in der Kulturhallebei einem Bürger-Workshop ihre Bestandsaufnahme zum Münsterer Ortsteil und legten erste Ansätze für ein Entwicklungskonzept vor. Von Jens Dörr 

Sie sind Umweltingenieure im vierten Semester des entsprechenden Bachelor-Studiengangs an der Hochschule Darmstadt beziehungsweise Bauingenieure im ersten Semester des Master-Studiengangs – und kennen sich seit einigen Wochen wohl besser mit dem Breitefeld aus als die meisten Einwohner der Gersprenz-Gemeinde selbst. Nachdem sie eine Bestandsaufnahme vorgelegt hatten, diskutierten die Studenten im Beisein von Bürgermeister Gerald Frank und Professorin Birte Frommer in drei Gruppen erste Eindrücke und Perspektiven mit Bürgern, Gewerbetreibenden und Gemeindevertretern. Aus der Gemeindevertretung waren Fraktionsmitglieder von SPD und ALMA gekommen, während die CDU fehlte. Mit den sieben Verwaltungs- und Parlamentsvertretern kamen zehn Bürger und neun Gewerbetreibende ins Gespräch. Sie sparten in den von Studenten moderierten Gruppen zu den Themen „Herausforderungen für Breitefeld“, „Identität von Breitefeld“ und „Entwicklungswünsche für Breitefeld“ nicht an grundlegender Kritik bei Entwicklung und Status quo des Ortsteils, gingen aber auch in den konstruktiven Diskurs, wie die Situation verbessert werden könnte. Das Thema wird darüber hinaus langfristig die politischen Gremien beschäftigen.

Denn dass im Breitefeld einiges im Argen liegen muss, verdeutlichten die Studenten unter anderem anhand einer Befragung vor Münsterer Lebensmittelmärkten: Die mehrheitlich in Münster wohnenden, insgesamt 99 Befragten benutzten als aufs Breitefeld zutreffende Attribute am häufigsten das Wort „negativ“. So sahen es 45 Prozent der Befragten, von denen wiederum 87 Prozent den Ortsteil überhaupt kannten. Die Minderheit antwortete in Tönen à la „Es gibt Schlimmeres“ und das Breitefeld sei „besser als erwartet“. Andere meinten, die Entwicklung dieses Ortsteils sei „gescheitert“ oder brachten ihn in erster Linie mit „Partys“, Düsterkeit und Abgeschiedenheit in Verbindung. Nur jeder Zweite äußerte derweil einen Wunsch, wie es mit dem Breitefeld weitergehen soll. 50 Prozent machten dazu keine Angaben. Wurden solche gegeben, standen „mehr Arbeitsplätze“, „mehr Sauberkeit“ und „mehr Ordnung und Sicherheit“ am höchsten im Kurs.

Wunsch nach einem besseren ÖPNV-Anschluss

Eine eher untergeordnete Rolle spielte in einer unter den ansässigen Betrieben durchgeführten Umfrage die Verkehrsanbindung, da das Gros der im Breitefeld Arbeitenden mit dem Auto und aus einem Umkreis von 20 Kilometern kommt. Dennoch trat etwa der Wunsch nach einem besseren ÖPNV-Anschluss auf – nach schnellerem Internet sowieso, wobei es hier bekanntlich positive Entwicklungen gibt. Grundsätzlich sahen die ansässigen Firmen die Entwicklungschancen des Ortsteils aber eher optimistisch. Die Studenten verhehlten indes eine geringe Beteiligung der Gewerbetreibenden an ihrer Studienarbeit nicht. Die befragten Bürger hätten sie hingegen als „offen“ erlebt.

Im ersten Entwurf von Entwicklungszielen legten die Hochschüler die Schwerpunkte Ortsbildverbesserung, zunehmende Erschließung und optimierte Nutzung vor. Nichts sei in Beton gegossen, man stehe trotz fundierter Datenerhebung, etwa einer Bestandsaufnahme zum Zustand der Breitefeld-Immobilien, zu deren Nutzung und zu verkehrs- wie umwelttechnischen Aspekten konzeptionell noch am Anfang, betonten die Studenten immer wieder. Aus ihren Recherchen leiteten sie eine Stufe darunter etwa die Unterziele Mobilitätsverbesserung, Entwicklung von Beherbergungsmöglichkeiten und Grundstücksaufbereitung zur Sprache. Andiskutiert wurden bereits auch Probleme in der praktischen Umsetzung. So stellten viele die Frage, wie man unwillige Privatbesitzer von Immobilien auf dem ehemaligen „Muna“-Gelände erreichen und im Sinne eines attraktiveren Breitefeld aktivieren könne.

Quelle: op-online.de

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