„Bürger-Workshop Rathausplatz“

Bald freier Blick aufs Rathaus?

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Platz mit Park-Charakter: für Autos und Pflanzen, aber ansonsten ganzjährig eher unbelebt.

Münster - Rund 30 Teilnehmer kamen zum „Bürger-Workshop Rathausplatz“ im Sitzungssaal des Rathauses zusammen, um zu ergründen, welches Gesicht das hauptsächlich als Parkplatz dienende Areal einmal bekommen soll. Von Thomas Meier

Planer zeigten erste, bereits 2011 erstellte Konzepte vor und die Workshopler brachten ihre Ideen und Anregungen ein. Nun wird das Erarbeitete vom Planungsbüro neu zusammengestellt und gelangt nach den Sommerferien in die politischen Gremien. Das Architektenbüro Eichler und Schauss aus Darmstadt machte vor vier Jahren erste Konzeptvorschläge, als die Stimmen derer sich immer lauter erhoben, dass der Rathausplatz immer mehr verwaise und zum reinen Autoabstellplatz verkommen sei. Die IG-Rathausplatz hatte bereits Vorarbeiten geleistet und sich positioniert. Nun kam mit Bürgermeister Gerald Frank der richtige Mann für den Workshop, denn er trat schon zur Wahl an mit dem Versprechen der SPD, mehr Bürgerbeteiligung bei wichtigen Ortsentwicklungsfragen zu wagen.

Insofern dürfte der neue Verwaltungschef etwas enttäuscht darüber gewesen sein, dass sich der „Münsterer Michel“ eher enthielt und die Workshop-Teilnehmer überwiegend aus den Reihen der politischen Fraktionen, des Gewerbevereins und der IG Rathausplatz entstammten. Hinzu kamen noch emsige Helfer aus der Verwaltung. Interessant war ein Blick auf die Platz-Analyse der Experten des Planungsbüros. Schelmisch übersetzt deuteten sie in ihren Papieren an, dass man den Platz vor lauter Bäumen gar nicht sehe. Einen Allee-Charakter könne man auf bestimmten Achsen ausmachen, viele Büsche unterbrächen das Parkgelände, sehr stark sei der sogenannte Rathausplatz möbliert. Da gab es jetzt gar ein Lob der Architekten, dass sich seit 2011 einiges zum Positiven gewandelt habe. Beispielsweise dass etliche Blumenkübel und vor allem der kleine Pavillon weggekommen seien.

Für eine klassische Platz-Inszenierung müssten jedoch auch die verbliebenen Bäume auf dem Rathausplatz fallen, sprachen die Profi-Gestalter dem „freien Blick aufs Rathaus“ das Wort. In diesem zusammenhang wurden auch Fehler der Vergangenheit angesprochen. Die vielen Bäume um den Platz herum hätten durchs Wurzelwerk beispielsweise zu massiven Schäden an Gehwegen geführt. Drei Schwerpunkte galt es den Workshop-Teilnehmern herauszuarbeiten: Wie soll den Platz genutzt werden?, Welche Gestalt soll er annehmen? Welche Atmosphäre möchte man mit dem Platz verwirklichen?

Konzerte, Kultur, Kundgebung, Kerb – dies waren die wichtigsten Stichpunkte zur Verwendbarkeit künftigen Rathausplatzes. Und ein restaurantbereich mit ausreichendem Platzangebot solle der Belebung des Geländes dienen. Bei der Gestaltung nahmen die „Ecken zum Verweilen“ wichtigen Gesprächsraum ein. Beispielsweise waren sich alle einig, dass ein Brunnen auf dem Platze wünschenswert wäre, es müsse ja nicht der altgediente Pilz-Wasserspeier direkt vor dem Verwaltungstrakt sein. So konnten sich einige vorstellen, das Geplätscher näher zum Restaurant hin zu verlegen, und es auch zum Verlustieren der Kinder zu öffnen. Überhaupt Restaurantbereich: Mehr Platz für einen Biergarten am Hotel wünschten ebenfalls einige Workshopler. Vertreter der Münsterer Agenda 21 sprachen sich derweil für den Erhalt des üppigen Grüns am jetzigen Platze aus, regten gar an, weitere Ecken zu bepflanzen.

Zur Atmosphäre waren die Meinungen zweigeteilt. Es gab die Fraktion pro klaren Platzerlebnisses und die für mehr Heimeligkeit. Die gesammelten Erkenntnisse werden jetzt vom Planungsbüro überarbeitet und dann dem Planungs- und Umweltausschuss überwiesen, der sie nach Behandlung an die Gemeindevertretung weiterreicht. Bürgermeister Gerald Frank setzt auf eine vernünftige, nachhaltige Planung, die den Rathausplatz für alle nutz- und erlebbar machen solle, „auf dem sich Münsters Leben abspielt“. Nicht nur mangels Masse im Gemeindesäckel steht die Kommune auch nicht unter Zeitdruck in dieser Frage. Mehrere Bauabschnitte seien für eine sinnvolle Langzeit-Umgestaltung denkbar, sagt Frank. Zudem wolle man schauen und abstimmen, was so alles mit dem Kaufhauskomplex am Rathausplatz geschieht. Erste Gespräche mit dem neuen Eigentümer seien vielversprechend. Mit der Entwicklung dieser Immobilie verbunden sei auch die alles übergreifende Parkplatzfrage. „Jedenfalls ist jetzt endlich etwas angestoßen worden, was lange Zeit brach lag“, sagt der Verwaltungschef.

Quelle: op-online.de

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