Theater-Vorstellung des EFC Altheim

Chaos im Odenwälder Hotel

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Eintracht-Fans färben Theaterstück „Wellnessfarm und Liebeswahn“ mit lokalen Bezügen ein. Puschi (r., Sascha Diehl) sorgt als Helene Fischer verkleidet für Stimmung. Links daneben Susanne Münch und Klaus Damm. -

Altheim - Nennt man das wahre Liebe zum Theater? Am gestrigen Sonntag jedenfalls ließ der Eintracht-Fanclub (EFC) Altheim für seine dritte der diesjährigen Vorstellungen sogar das zeitgleich stattfindende Spiel des Frankfurter Fußball-Bundesligisten in Köln sausen und unterhielt stattdessen zum letzten Mal in 2015 die Zuschauer in der Münsterer Kulturhalle. Von Jens Dörr 

Allerdings: Als der EFC die Termine für seine Vorstellungen vom Stück „Wellnessfarm und Liebeswahn“ festlegte, waren die der Deutschen Fußball-Liga fürs Bundesliga-Oberhaus noch nicht festgezurrt. Zur üblichen Bühnennervosität – zumindest vor den ersten Worten – dürfte sich gestern also noch die ständig mitschwingende Frage gestellt haben: Wie steht’s bei der Eintracht?

Vor 350 Zuschauern am Freitagabend, nochmals etwas mehr am Samstagabend sowie am gestrigen Sonntagnachmittag brachte der EFC schwungvoll die Komödie von Jennifer Hülser auf die Bühne. Hülsers Stück wird immer wieder von Laien-Theatergruppen aufgegriffen, was per se fürs Drehbuch zu sprechen scheint. Das Münsterer Publikum musste den Gang in den kurzweiligen Dreiakter, den der EFC mit zwei Pausen unterbrach, jedenfalls nicht bereuen.

Spielfreude ist anzusehen

Denn dem siebenköpfigen Ensemble war die Spielfreude in jeder Szene anzumerken –egal, ob wie Edith Damm bereits im 30. Jahr auf der Bühne oder wie im Falle von Christian Lehr zum zweiten Mal. Zwei Generationen des EFC-Theaters, wie sie dennoch problemlos miteinander harmonierten: Auf der einen Seite Edith und Klaus Damm – letzterer auch schon zum 29. Mal mit von der Partie –, auf der anderen Seite Christina und Miriam Weihert, Susanne Münch und Christian Lehr. Mit seiner 15. Teilnahme feierte Sascha Diehl ein kleines Jubiläum und stand erfahrungsmäßig irgendwo zwischen Routiniers und Frischlingen.

Eben jenem Diehl war mit dem Gewand des schwulen Hotelmitarbeiters Puschi eine Paraderolle fürs extrovertierte Ulken über Homosexuellen-Klischees, die nochmals krass überzogen wurden, vorbehalten. Er hilft Hotelbesitzerin Karla (Christina Weihert), die mit ihrem Wellnesshotel „Zur Inneren Ruhe“ kurz vor der Pleite steht, beim Eindruckmachen vor der Kundschaft nur bedingt weiter. Vor der ersten Pause schlüpfte er – im Stück aufgrund einer Playback-Abendshow für die Hotelgäste – gar in Rolle und Verkleidung von Helene Fischer und „intonierte“ natürlich den Megahit „Atemlos“.

Liebestrank sorgt für Chaos

Im Hotel spitzen sich anschließend mehr und mehr die Ereignisse zu. Ein Cocktail und ein Liebestrank sorgen für ein immer größeres Chaos, in dem die selbstverliebte Brigitte von Bodelschwingh (Edith Damm), der brummige Karl Dunkelbaum (Christian Lehr), Inge Schulte (Susanne Münch) und die Männer jagende Annika Schulte (Miriam Weihert) sowie der inkognito auftretenden Banker Fritz Finsterwald (Klaus Damm) schnell den Durchblick und teils auch ihre mitgebrachten Ambitionen verlieren oder eintauschen. Vom Banker will Karla eigentlich einen Kredit für die Modernisierung ihres Hotels. Der Segen vom Institut bleibt aus, dennoch gibt es in der Komödie natürlich ein glückliches Ende. Zahlmeisterin von Bodelschwingh hilft finanziell aus.

Dem vorgeschaltet sind unterdessen zahlreiche Wendungen und Späße, die auch mal schlüpfrig sein dürfen, aber nie unter die Gürtellinie gehen. Gnadenlos spielt das Stück dabei mit Vorurteilen über Mann und Frau, bestimmte Berufsgruppen und die sexuelle Orientierung Puschis. Doch die „Political Correctness“ darf in der Kunst übergangen werden – wovon Autorin Hülser in ihrem Werk, zu dem für den EFC Altheim Monika Schramm (zugleich Souffleuse) Regie führte, reichlich Gebrauch gemacht wird. Eigene Akzente setzten die schauspielernden Eintracht-Fans etwa durch das Bühnenbild, aber auch die lokale Einfärbung: So ließen sich Edith und Klaus Damm in ihren Rollen das schönste Hessisch nicht verbieten – und das Hotel stand im Odenwald.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Quelle: op-online.de

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