Gemischter Deutschkurs erwünscht

Arbeitskreis Asylbewerber soll Flüchtlingen beistehen

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Zur Zeit leben 51 Asylbewerber in der Gemeinschaftsunterkunft in der Hauptstraße 93. Nur acht von ihnen sind Frauen. Damit gibt es in Eppertshausen nur wenig junge Familien unter den Flüchtlingen.

Eppertshausen - In vielen Kommunen im Landkreis gibt es ihn schon, in Eppertshausen soll er sich jetzt zusammenfinden: ein Arbeitskreis Asylbewerber, um den vielen Flüchtlingen beizustehen. Von Corinna Hiss 

Manche kamen einfach nur, um sich zu informieren, wie momentan der Stand der Dinge in der Gersprenzgemeinde ist bezüglich des nicht enden wollenden Stroms an Asylbewerbern. Andere betonten, helfen zu wollen – ohne zu wissen wie. Und wieder andere hatten konkrete Vorschlägen im Gepäck, die eventuell in der Zukunft realisierbar sind. Zur ersten öffentlichen Sitzung des sich neu gründenden Arbeitskreises für Flüchtlinge fanden sich fast 20 Interessierte im Sitzungssaal im Rathaus ein, um zu hören, was Bürgermeister Carsten Helfmann und Carmen Zimmer, beim Landkreis Darmstadt-Dieburg zuständig für den Bereich Integration, zu berichten hatten. Damit hinkt Eppertshausen im Vergleich zu anderen Kreiskommunen hinterher: In Münster, Dieburg und Groß-Zimmern haben sich längst Arbeitskreise oder gar Vereine gegründet, die sich um die Flüchtlinge kümmern. „Das heißt nicht, dass wir bis jetzt tatenlos waren“, stellte Helfmann klar, „es gab nur vorher keine Notwendigkeit, den Initiativen einzelner Personen einen Namen zu geben.“

Als dann aber die Sparkasse Dieburg 1.000 Euro für den bis dato noch nicht vorhandenen Arbeitskreis spenden wollte, sah auch der Bürgermeister ein, dass es an der Zeit war, sich zu gruppieren und konkrete Schritte für die Zukunft zu planen. Dazu gab neben der fachmännischen Auskunft von Carmen Zimmer auch Heinz Albers nützliche Tipps. Der Dieburger ist im Arbeitskreis der Nachbarstadt aktiv und sollte einen guten Start in Eppertshausen ermöglichen.

Laut Zimmer leben momentan 80 Flüchtlinge in der Gemeinde, 51 von ihnen in der Gemeinschaftsunterkunft in der Hauptstraße 93. Und obwohl die Wohnsituation im Vergleich zu anderen Kommunen noch nicht kritisch ist – Eppertshausen muss im kommenden Halbjahr gar keine weiteren Asylbewerber aufnehmen – so herrscht dort eher ein anderes Problem: Nur acht von ihnen sind Frauen, ansonsten wohnen lauter junge Männer in Drei- oder Vierzimmerwohnungen. „Das kann schon mal anstrengend sein“, gab Zimmer zu. Anders als junge Familien, wie sie zahlreich in Dieburg zu finden sind, seien alleinstehende Männer schwerer zu integrieren und bräuchten mehr Unterstützung in ihrem Alltag. „Da treffen Alpha-Tiere aufeinander“, sprach sie einen anderen Konflikt an, den Helfmann bestätigen konnte. In der Hauptstraße lebten die selben Nationalitäten unter einem Dach, die sich sonst gegenseitig bekriegen. „Aber sie raufen sich zusammen, und im Großen und Ganzen läuft es gut“, zog der Rathauschef eine positive Bilanz.

Carmen Zimmer, beim Landkreis Darmstadt-Dieburg zuständig für Integration, gab Bürgermeister Carsten Helfmann und den anderen Anwesenden einen Überblick über die Flüchtlingssituation.

Gerade weil es sich in Eppertshausen um eine große Anzahl junger Single-Männer handelt, waren sich alle einig, dass mehr für deren Integration getan werden müsse. Monika Reinecke (SPD) schlug vor, dass es in regelmäßigen Abständen ein ungezwungenes Miteinander im Hof der Gemeinschaftsunterkunft geben könnte, wo die Asylbewerber mit Einheimischen ins Gespräch kommen und von ihren Sorgen und Nöten erzählen. „An der Bierzelt-Garnitur soll’s nicht scheitern“, nahm Helfmann den Vorschlag gerne auf. Uwe Müller bot sich an, die Flüchtlinge einmal wöchentlich mit ihrer Flut an auszufüllenden Anträgen zu beraten. Kerstin Partzsch schlug vor, junge Asylbewerber, die englisch können oder bereits schon etwas deutsch sprechen, an die Schulen zu schicken, damit sie dort von ihrem Alltag erzählen. Michael Daum gab schmunzelnd zu, den Neuankömmlingen zwar nur „hessisch“ beibringen zu können, warf aber ein, dass ein gemeinsames Sportangebot wie Fußball doch für die jungen Männer von Interesse sein könnte.

Weiter starker Flüchtlingsandrang am Kanaltunnel

Deutlich konkreter sah die Hilfe aus, die Edith Langmaack anbot. Da es in Eppertshausen erst einen Integrationskurs gibt, wenn das Asylbewerberverfahren abgeschlossen ist, bot sie sich an, bereits vorher Deutschunterricht zu geben – alles natürlich auf freiwilliger Basis und mehr spielerisch als schulisch. Auch Bürgermeister Helfmann sah eine dringende Notwendigkeit darin, dass die Neuankömmlinge so schnell wie möglich unsere Sprache erlernen. Mit ihrem Konzept muss Langmaack aber nicht bei Null anfangen: In Dieburg gibt es bereits Freiwillige, die einen Deutschkurs anbieten und mit denen sich die Eppertshäuserin kurzschließen kann. „Wir müssen das Rad zum Glück nicht neu erfinden“, war Helfmann über jeden konstruktiven Input dankbar. Und den konnte Albers vom Dieburger Arbeitskreis geben: „Gemischte Kurse sind gut, aber vergessen Sie nicht, dass die jungen Männer zum Teil einen Kulturschock erleiden“, sagte er. Seine Erfahrung war ebenfalls, dass Nachmittagscafés weniger gut besucht würden als Abendveranstaltungen. „Diese Menschen haben einen anderen Rhythmus als wir“, betonte er. Und ein Tipp war besonders nützlich: „Bieten Sie nur so viel Hilfe an, wie sie sich selbst zumuten können. Sonst gehen Sie am Ende kaputt.“

Quelle: op-online.de

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