Elke Bergerin zeigt Werke in Altheims altem Rathaus

Große und „Gefährliche Stillleben“

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Elke Bergerin zwischen zweien ihrer großen „Gefährlichen Stillleben“, die bis zum 10. Juli im ehemaligen Sitzungssaal des alten Rathauses in Altheim, heute „ARThaus“, hängen.

Altheim - Zur Ausstellungseröffnung der Malerin und Zeichnerin Elke Bergerin lädt das „ARThaus“ in Altheim für Samstag, 19 Uhr, ein. Bis 10. Juli werden die überwiegend großformatigen „Gefährliche Stillleben“ der Künstlerin gezeigt. Von Thomas Meier 

„Dinge anders zu beleuchten und damit der Wahrheit ein Stück näher zu kommen“ ist erklärtes Ziel bildnerischen Schaffens der 46-jährigen Malerin, die im thüringischen Apolda das Licht der Welt erblickte. Beim Aufbau der Ausstellung gab sie unserer Zeitung eine kleinen Einblick in ihren Werdegang. Die Künstlerin in ihr war stets auch Sachzwängen ausgesetzt. „Über Leben“ hieß folgerichtig auch einer ihrer früheren Bilderzyklen. Ihre erste Ausbildung nach der Schule in Apolda führte Bergerin nach Eisenach ins Institut für Lehrerbildung „Käte Duncker“. Pädagogin zu werden war ihre Wahl in der DDR, die sie allerdings schon kurz nach dem Mauerfall verließ. Und es sei Zufall gewesen, dass sie ins Südhessische, hier zunächst nach Babenhausen, gelangte. Dort arbeitet sie als Erzieherin, denn ganz allein von der Kunst kann sie ) nicht leben. Seit einigen Jahren wohnt die Malerin in Dieburg.

Eine übergreifende Suche nach dem Wohin und dem Wie begann damals und führte die Kreative zunächst in einen Steinmetzbetrieb. „Doch spürte ich schon bald meine physischen Grenzen“, sagt die Malerin, die sich mit dem Werkstoff Stein nicht so wohl fühlte, wie es ihr lieb gewesen wäre. Und „nur mit Ytong arbeiten, kam nicht in Betracht“, lacht sie. Sie meistert ihr Leben gern aus dem Bauch heraus, doch die Suche nach Dozenten für ihre künstlerische Laufbahn gestaltete sie akribisch. Das führte Elke Bergerin von 2003 bis 2009 auch in das Atelier des Künstlers Michael Siegel in Frankfurt. Die Städelschule sowie zahlreiche Akademien und Kurse wie die „summer academy“ in Salzburg besuchte sie zudem im In- und Ausland.

Im „ARThaus“ offenbart sie mit ihren „Gefährlichen Stillleben“ ihren inneren, den künstlerischen Werdegang. Im ehemaligen Rathaus-Sitzungssaal prangen drei großformatige Werke auf zwei mal 1,60 Metern Leinwand. Mischtechniken in Öl und Akryl, „organische Malerei“, wie es Bergerin benennt. Die zierliche Malerin macht sich zwischen den monumentalen Gestalten, die da auf der Leinwand ineinander verschlungen und miteinander verwoben sind, klein aus. Doch hat sie ihre großen Kopfgeburten meisterlich im Griff. „Die Themen finden mich“, sagt die Malerin, die dem Besucher sehr viel Deutungshoheit bei der Betrachtung überlässt. Sie will ihre Werke nicht erklären, das müssen die Bilder für jeden Betrachter selbst erledigen.

Die Besucher der Vernissage werden zudem mit fünf etwas kleineren, aber nicht ungefährlicheren Stillleben konfrontiert sowie mit etlichen gerahmten Aquarellen, die im gesamten ehemaligen Rathaus hängen. Genau hinzuschauen bei jedem einzelnen Werk lohnt sich: Malerisch die Oberfläche des bloßen Scheins zu durchdringen, darauf versteht sich Bergerin, und diesen „Durch-Blick“ gilt es zu ergründen. Die abstrakt surreal wirkenden Bildwelten mit ihren kräftigen Farben und dem hervorstechenden Titanweiß wirken sehr subtil und laden zu individuellen Gedankenreisen ein.

Zur Ausstellungseröffnung spielt das Darmstädter Trio Remine. Die Werkschau von Elke Bergerin ist bis 10. Juli sonntags von 15 bis 17 Uhr sowie am 3. Juli von 15 bis 20 Uhr zu sehen.

Quelle: op-online.de

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