„Es war voll, voll, voll“

Eröffnung des Altheimer „ARThaus“

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Im Obergeschoss des „ARThaus“ durfte sich jeder malerisch frei und intuitiv entfalten.

Altheim - Mit offenen Ateliers, Ausstellungen und Kreativprogramm hat die Kunst- und Kulturinitiative Altheim der Öffentlichkeit erstmals ihren Plan eines „ARThaus“ im alten Rathaus präsentiert. Den guten Zuspruch werteten die Macher als ersten Erfolg. Von Jens Dörr 

Auch in den kommenden Wochen besteht zu bestimmten Zeiten noch die Möglichkeit, sich ein erstes Bild vor Ort zu machen. „Am Anfang war es voll, voll, voll“, sagte Ellen Jöckel am Abend des Festes der Kunst- und Kulturinitiative Altheim und blickte damit auf den Auftakt am Nachmittag zurück. Da hatte die Initiative im Beisein von Bürgermeister Gerald Frank, der schon seit den ersten Regungen vor vielen Monaten Unterstützer des Vorhabens der Altheimer Kreativen ist, mit der Eröffnung quasi den offiziellen Startschuss in eine möglicherweise langfristige neue Nutzung des mehr als 200 Jahre alten Gebäudes in der Hauptstraße gegeben. Jöckel zählte mit Fotografien selbst zu den Ausstellern und hatte alle Hände voll zu tun, wie ihre Mitstreiter Rede und Antwort zum Vorhaben der Initiative zu stehen und die siebenstündige Veranstaltung überdies mit der Kamera zu dokumentieren.

Eine gefragte Frau war auch Kristin Wicher, wie Jöckel aus Altheim, seit 2002 selbstständige und zuvor mit Diplom dekorierte Kommunikationsdesignerin. Sie zeigte nicht nur quadratische Fragmente – Drucke, Ölschnitte, Zeichnungen –, die sie im Obergeschoss zu einer Collage zusammengefügt hatte, sondern versteigerte auch Teile ihres über Jahre entstandenen Werks. Bei der Auktion bot unter anderem auch Bürgermeister Frank mit. Eine zweistellige Anzahl an Fragmenten wechselte so den Besitzer, brachte pro Stück meist um die 20 Euro ein. Kein Geld für Wichers Haushaltskasse unterdessen, sondern finanzielle Anschubhilfe für das „ARThaus“: Der Versteigerungserlös fließt in eben jenes, wo auch bei Verzicht auf die nicht ganz drängenden Sanierungsmaßnahmen in näherer Zukunft Zehntausende benötigt werden. Zum großen Teil will hierbei die Gemeinde als Eigentümerin ihrer Verantwortung gerecht werden, hat für dieses Jahr im Haushalt einen mittleren fünfstelligen Eurobetrag eingestellt, der vor allem in die Dachsanierung fließen soll. Eine Begutachtung vor Ort fand dazu bereits statt. Weitere Posten werden folgen, sollen möglichst nicht nur aus Gemeindegeldern, sondern auch aus Spenden und Fördermitteln anderer Geber fließen. 50.000 Euro werden beispielsweise allein für den – nicht sofort, aber irgendwann auf alle Fälle benötigten – Austausch der Fenster gegen solche auf aktuellem energetischen Stand veranschlagt.

Zum Fest selbst war unterdessen weniger das vor einigen Wochen und damit nach der mehrmonatigen Angebotsphase doch noch bekundete Interesse eines Altheimers am Kauf der Immobilie – wozu es vorerst nicht kommen wird – Thema. Vielmehr regten sich die bisherigen Mitglieder der Initiative und die Besucher in Gesprächen gegenseitig zu eventuellen Nutzungsmöglichkeiten an. Vielen von ihnen war der Wunsch gemein, das frühere Rathaus einerseits zu erwecken, andererseits als markante Altheimer Immobilie eher als Ort künstlerischen Schaffens denn etwa als Ort für Praxis- oder Kanzleiräume zu etablieren, wie es für den Verkaufsfall gemutmaßt wird.

Mancher wollte indes schlicht Kultur schlemmen, sich die Malereien und Zeichnungen von Jutta Scheiner (die parallel in Berlin ausstellt und deshalb nicht persönlich da sein konnte) ansehen, mit Carmen Knöll und Anja Haus malen, im „MusLi“-Raum den Klängen etwa von Katrin Hensler, Knöll, Georg Ruf und Wolfram Becker lauschen oder um zwischendurch einfach ein bisschen mitzujammen. Weitere Performances und Kunstprojekte waren zunächst einmalige Aktionen, das „ARThaus“ und die Ausstellungen können in den nächsten Wochen jedoch mehrfach besichtigt werden - bis zum 14. Juni immer sonntags zwischen 15 und 17 Uhr sowie nach Vereinbarung, Tel.: 0173/8335427. Anschließend soll sich herauskristallisieren, wie die mittelfristige Nutzung aussehen könnte.

Quelle: op-online.de

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